Berlin : Schüler werben für den Sicherheits-Spiegel

Neuköllner Viertklässler informieren über die Gefahr des toten Winkels im Verkehr – und sammeln Unterschriften

Sigrid Kneist

Bis 2006 möchten die Viertklässler der Fritz-Karsen-Grundschule in Britz nicht mehr warten. Erst dann soll es in den Ländern der EU Pflicht werden, Lastwagen mit einem Spiegel auszurüsten, der den toten Winkel für den Fahrer verringert. „Wir wollen, dass das schneller geht“, sagt Burak, einer der 24 Schüler der Klasse 4/3. Katharina fügt hinzu: „Es sollen nicht noch mehr Kinder sterben.“ Denn durch den toten Winkel drohen tödliche Gefahren; Lastwagenfahrer können deswegen beim Abbiegen den Radfahrer nicht sehen – Ursache für die Hälfte aller tödlichen Fahrradunfälle in Deutschland.

Die Klasse unter Leitung ihrer Lehrerin Halina Rautenberg hat deswegen eine Aktion gestartet, um die sofortige Einführung der so genannten Dobli-Spiegel zu fordern. Was der Spiegel bewirkt, wissen die Schüler genau. „Er verringert den toten Winkel von 38 auf vier Grad“, sagt Daniel. Gemeinsam erarbeiteten die Kinder ein Infoblatt. Dieses wollen sie verteilen, um auf das Problem aufmerksam zu machen. Sie überlegen auch, über ihre Klassenkasse selber einen Spiegel zu spenden. Um die Erwachsenen damit zur Nachahmung zu inspirieren. In ihrem Infoblatt bitten sie ebenfalls darum, die Spendenaktion zu unterstützen, die der Privatmann Martin Keune ins Leben gerufen hat.

Das Thema ruft bei den Kindern Eigeninitiative hervor: Julian etwa setzte sich zu Hause an den Computer und erstellte eine eigene Unterschriftenliste. 25 Unterschriften hat er schon auf der Straße gesammelt. Die Klassenkameraden werden sich jetzt beteiligen. Die Listen wollen sie wahrscheinlich an den Regierenden Bürgermeister schicken.

Aufmerksam haben die Schüler in den letzten Wochen die Berichterstattung nach den letzten tödlichen Fahrradunfällen in Berlin und die Diskussionen um den Dobli-Spiegel verfolgt. Denn Fahrradfahren und das richtige Verhalten im Straßenverkehr beschäftigen sie auch nach dem Lehrplan. In der vierten Klasse bereiten sich nämlich Berliner Schulkinder auf den „Fahrradführerschein“ vor. Die Schüler der Fritz-Karsen-Schule machen ihre Prüfung im Mai und möchten danach sicher auf ihren Rädern auf Berliner Straßen unterwegs sein.

Das Spendenkonto ist bei der Berliner Sparkasse eingerichtet, BLZ 10050000, Konto-Nr. 720027292. Informationen gibt der Spenden-Initiator Martin Keune unter der Telefonnummer (030) 21477700.

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