Schülerbefragung : Wieder Streit um Gewalt-Studie

Umstrittene Fragen nach Gewalterfahrungen und Missbrauch: Erneut steht eine Schülerbefragung in der Kritik - diesmal geht es darum, ob Elternvertreter beteiligt sind, wenn am Mittwoch die Ergebnisse präsentiert werden.

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Eine Studie soll herausfinden, wie viel Gewalt Berliner Schüler in ihrem Alltag erleiden müssen.
Eine Studie soll herausfinden, wie viel Gewalt Berliner Schüler in ihrem Alltag erleiden müssen.Foto: dpa

Erneut wird um die Schülerbefragung durch das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen gestritten, deren Ergebnisse am Mittwoch vorgestellt werden sollen. Der Migrationsrat Berlin-Brandenburg und der Landeselternausschuss werfen Innenstaatssekretär Thomas Härtel (SPD) vor, einen Beschluss des zuständigen Landesbeirats für Integrations- und Migrationsfragen nicht einzuhalten. Dem Gremium gehört Härtel selbst an, den folgenden Beschluss hatte er demnach mitgetragen: Bei der öffentlichen Bewertung der Ergebnisse der Befragung sollten Vertreter des Elternausschusses einbezogen werden. Sie hatten zuvor heftige Kritik an der Studie geübt, da sie teilweise auf „unzulässige, tendenzielle und an manchen Stellen auch die Psyche“ gefährdene Art durchgeführt worden sei.

Die Schülerbefragung zur Gewalterfahrung von Neuntklässlern ist etwa deshalb umstritten, weil darin Fragen wie „Wann wurdest du das erste Mal mit Gewalt oder durch Androhung von Gewalt zur Duldung von sexuellen Handlungen gezwungen?“ auftauchen. Außerdem würden Kinder nach „leiblichen Eltern“ gefragt: So werde nicht das soziale Umfeld, etwa die Erziehung, sondern die Blutsabstammung in einem Zusammenhang mit Gewaltbereitschaft gestellt.

Staatssekretär Härtel teilte mit, dass die Präsentation der Studie durch die Verfasser eine Selbstverständlichkeit sei. Erst wenn die Ergebnisse zur Kenntnis genommen worden seien, würden der Landeselternausschusses und der Landesbeirates für Integrations- und Migrationsfragen einbezogen.

„Wir haben bundesweit mit den gleichen Bögen schon 45 000 Schüler befragt, nirgendwo haben davon welche psychische Schäden genommen“, sagte Christian Pfeiffer, Chef des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen. Zum Vorwurf, die Kritiker würden zur Präsentation nicht hinzugezogen werden, erklärte er: „Nach der Präsentation kann man sich das Material gern für Kritik zukommen lassen.“ Migrationsrat und Elternausschuss wollen weiter bei der Präsentation dabei sein.

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