Berlin : Schülertickets: Mit höheren Preisen ist zu rechnen

Verkehrsbetriebe wollen die Karten im Einzelverkauf verteuern. Der Senat berät in dieser Woche über neue Tarife

Klaus Kurpjuweit

Bei den bevorstehenden Tarifänderungen für Fahrten mit Bahnen und Bussen zeichnet sich ab, dass auch Schüler- und Geschwisterkarten im Einzelkauf teurer werden. Der Preis soll nach Tagesspiegel-Informationen um einen oder 1,50 Euro steigen. Heute kostet die Schülerkarte 26 Euro, die Geschwisterkarte 16 Euro. Wer die Karten im Abonnement bezieht, soll dagegen weiter nur den bisherigen Preis zahlen müssen.

Die Abschaffung der Geschwisterkarte, wie es BVG und S-Bahn geplant hatten, ist dagegen vom Tisch. Für die Geschwisterkarte hatte sich Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) eingesetzt, unter deren Vorgänger Peter Strieder sie erst 2001 eingeführt worden war. Junge-Reyer wollte nach Tagesspiegel-Informationen auch den Preis für Schüler- und Geschwisterkarten grundsätzlich unverändert lassen. Dann wären die Preise für andere Fahrscheine aber noch stärker gestiegen als bisher vorgesehen. Dabei müssen die Käufer von Monats- und Jahreskarten mit Erhöhungen zwischen 4,4 und 6,9 Prozent schon jetzt deutlich mehr zahlen als andere. Bei Firmentickets soll zudem der Rabatt von maximal fünfzehn auf nur noch fünf Prozent gesenkt werden. Die durchschnittliche Preiserhöhung soll dagegen bei etwa drei Prozent liegen. Überlegungen, den Verzicht auf Preiserhöhungen bei den Schüler- und Geschwisterkarten durch eine Erhöhung des Preises beim Einzelfahrschein um zehn Cent auf dann 2,10 Euro werden kaum noch Chancen eingeräumt.

Erhalten bleibt nach derzeitigem Stand auch die gleitende Monatskarte, bei der Käufer selbst bestimmen können, von welchem Tag an sie gilt. Durch ein geschicktes Verhalten beim Urlaub oder in Krankheitsfällen ist es möglich, dass man bei der gleitenden Monatskarte nur für neun oder gar acht Monate eine Marke kaufen muss. Gelten die Karten dagegen stets vom ersten bis zum letzten Tag eines Monats müsste man eine Monatsmarke auch dann kaufen, wenn man sie erst ab dem 10. Tag eines Monats benötige, kalkulieren die Verkehrsbetriebe. Deshalb wollten sie die gleitende Monatskarte abschaffen, falls die Preise für die Schüler- und Geschwisterkarten nicht erhöht werden.

Der Senat soll die neue Tarifstruktur am Dienstag beraten. Der Aufsichtsrat des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) will dann am Donnerstag darüber abstimmen. Die Tariferhöhungen sollen vom 1. August an gelten.

Während die Preise bisher fast immer im Jahresrhythmus erhöht worden sind, wobei es zum Teil auch nur eine Frist von acht Monaten gab, gibt es jetzt Bestrebungen, etwa alle eineinhalb Jahre an der Tarifschraube zu drehen. Im Jahr 2006 finden im Herbst Wahlen zum Abgeordnetenhaus und zum Bundestag statt. Würden die neuen Preise vom 1. August eineinhalb Jahre gelten, wäre die nächste Preisrunde erst nach den Wahlen fällig.

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