Berlin : Schüsse auf Polizist: Täter gefasst Ermittlungen wegen versuchten Mordes

Jörn Hasselmann

Der Anschlag auf einen Schöneberger Polizisten in der Silvesternacht ist aufgeklärt. Etwa 24 Stunden später wurde ein 42-jähriger Verdächtiger festgenommen. Der in Steglitz wohnende Mann hat gestanden, den Schuss auf das Polizeiauto abgefeuert zu haben – angeblich aus „Feierlaune“, wie er sagte. „So feiere ich Silvester“, sagte der Mann in der Vernehmung. Das Projektil hatte den Kopf eines 36-jährigen Polizisten gestreift, der nur durch großes Glück mit dem Leben davongekommen war.

Getrunken hatte der 42-Jährige nichts. Er legte ein Geständnis ab. Eine gezielte Schussabgabe auf die Polizisten bestritt er jedoch, er will das Einsatzfahrzeug gar nicht bemerkt haben. Das half ihm nicht: Wegen versuchten Mordes wurde er gestern dem Haftrichter vorgeführt. Am Sonntagabend erließ ein Bereitschaftsrichter Haftbefehl – begründet wurde dieser mit der „Tötungsabsicht“.

Die scharfe 7,65-Millimeter-Pistole wurde sichergestellt. Mit ihr soll der Mann eine halbe Stunde vor Mitternacht auf der stark belebten Hauptstraße etwa zwanzig Schüsse abgefeuert haben, einige angeblich in die Luft.

Doch die Polizei hatte den Tatort intensiv abgesucht, die Hauptstraße war über vier Stunden in beide Richtungen gesperrt gewesen. Dabei wurde unter anderem ein zersiebter Mülleimer der Stadtreinigung an einem Ampelmast gefunden und Patronenhülsen direkt vor einer Kneipentür. Diese führten die Ermittler direkt in das Lokal: Der Festgenommene Mirsad St. ist Pächter dieser „Cafeteria Roma“. Nach Angaben der Mordkommission soll der Kneipier direkt vor seinem Lokal gestanden haben, in dem eine Reihe von Gästen und die Familie den Jahreswechsel feierten.

Bei der Befragung der Zeugen in dem Lokal hatte Mirsad St. den Beamten folgende Version erzählt: Ein Betrunkener „mit Wuschelkopf“, den er kurz zuvor aus der Kneipe geworfen habe, sei es gewesen. Als sich am Neujahrstag die Gäste bei der Zeugenvernehmung dann widersprachen, wurde den Beamten klar, dass die Schüsse wohl Mirsad St. selbst abgegeben hat. Im Hause der Mordkommission wurde der 42-Jährige festgenommen – er hatte seine Familie mit dem Auto zur Zeugenvernehmung gefahren und sich dort ins Wartezimmer gesetzt.

Die Waffe hatte sich der aus Sarajewo stammende Gastwirt vor Jahren illegal aus Bosnien nach Berlin mitgebracht. Er war der Polizei bislang nur wegen kleinerer Delikte bekannt gewesen: Körperverletzung, Beleidigung, Verstoß gegen das Lebensmittelgesetz.

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