Berlin : Schüsse in der Nacht – und immer von links

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Für den BVG-Vorstand kann es „nur ein Verrückter“ sein, der seit Freitagnacht regelmäßig auf die Busse der Verkehrsbetriebe schießt. Dabei weiß die Polizei bisher noch nicht einmal, ob es wirklich nur ein Täter ist, der inzwischen 25 Busse, drei BVG-Wartehäuschen, elf geparkte Autos und einen Lkw beschädigte. Die Polizei will durch den verstärkten Einsatz uniformierter und ziviler Beamter die Täter schnell fassen. Zeugen, die in den vergangenen Nächten Verdächtiges bemerkten, werden gebeten, sich zu melden.

Allein in der Nacht zum Dienstag wurde auf neun Busse und drei Wartehallen geschossen. Verletzt wurde noch niemand. Die Polizei geht davon aus, dass es sich um mehrere Schützen handelt, vermutlich seien unter den Tätern auch Trittbrettfahrer, die sich nach der ersten Tat durch die Berichterstattung in den Medien animiert fühlten.

Eine Spur von den Schützen, die Heck- und Seitenscheiben der Busse zerstörten, gibt es nicht. Selbst die Waffe konnte bisher nicht identifiziert werden, sagte Polizeisprecher Karsten Gräfe. Es könne sich sowohl um eine Luftdruckwaffe als auch um eine Zwille handeln. Auf keinen Fall sei eine scharfe Waffe verwendet worden, sagte Gräfe. Projektile seien nicht gefunden worden. Die Taten konzentrieren sich auf die südlichen Bezirke Neukölln und Tempelhof. Aber auch in Kreuzberg und Lichtenberg wurde – vermutlich von Nachahmern – auf insgesamt drei Busse geschossen. Der oder die Schützen feuerten offenbar von der gegenüberliegenden Straßenseite, da die Busse ausnahmslos auf der linken Seite getroffen wurden. Für BVG-Vorstand Hans-Heino Dubenkropp wollen sich der oder die Schützen „an den Bussen austoben“, nicht aber den Fahrer oder Fahrgäste treffen. Allerdings ist es bisher offenbar nur dem Glück zu verdanken, dass niemand durch Glassplitter verletzt wurde. Die Geschosse schlugen Löcher in die Fenster, in einigen Fällen wurden die Sicherheitsglasscheiben aber auch aus der Fassung gerissen und zersplitterten beim Aufprall. Dubenkropp dankte den Fahrern für ihr besonnenes Verhalten, das sie trotz des erlittenen Schreckens an den Tag gelegt hätten. Der Schaden selbst sei nicht sonderlich hoch, sagte BVG-Direktor Rainer Lawerentz. Er liege bei 200 bis 300 Euro pro Scheibe. Schwerer wiege der Ausfall des Busses und die Unbequemlichkeit für die Fahrgäste, mitten in der Nacht die Fahrt unterbrechen zu müssen. Die BVG habe keine Möglichkeit, in den Bussen besondere Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Allerdings seien die Fahrer zu erhöhter Aufmerksamkeit angehalten worden. weso

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