Berlin : Schüsse waren Verzweiflungstat

Nach Familiendrama: Bundesgerichtshof bestätigt Urteil gegen 49-Jährigen

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Der Fall hatte weit über die Grenzen Berlins hinaus für Entsetzen gesorgt: Michael S. erschoss am 20. Januar 2005 auf der Neuköllner Dieselstraße seine 42-jährige Frau und einen Begleiter. Das war kurz nach einem Termin im Jugendamt. Dort hatte das Paar um seine minderjährigen Kinder gestritten. Aus Sicht der Berliner Staatsanwaltschaft war es Mord aus niedrigen Beweggründen. Das Landgericht aber entschied im letzten September auf zweifachen Totschlag und verhängte gegen den inzwischen 49-jährigen S. eine Haftstrafe von 15 Jahren. Dieses Urteil wurde gestern vom Bundesgerichtshof (BGH) bestätigt.

Revision hatten alle Seiten eingelegt. Staatsanwaltschaft und Nebenklage hofften, in einer Neuverhandlung eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Doppelmordes zu erreichen. Die Verteidigung strebte eine mildere Strafe an, weil Michael S. nicht in beiden Fällen vorsätzlich getötet habe.

Der in Leipzig ansässige 5. Strafsenat des BGH aber kam nun zu der Auffassung, dass die Tat zwar verschiedene Interpretationen zulasse. Die Entscheidung der Berliner Richter habe aber im Ermessensspielraum gelegen und sei nicht zu beanstanden. Es sei bei aller Schuldfähigkeit des Täters von einer Verzweiflungstat auszugehen.

Die Schüsse waren der Schlusspunkt eines jahrelangen Ehedramas. Im Herbst 2003 hatte sich die Mutter nach 22 Ehejahren von ihrem Mann getrennt. Als Lorette S. an jenem Donnerstag zum Jugendamt ging, hatte sie aus Angst vor dem vorbestraften S. zwei Beschützer an ihrer Seite – darunter ihr neuer Lebensgefährte. Kurz nach dem Termin zog Michael S. eine Pistole. Zwei Schüsse gingen in die Luft, dann wurde der 33-jährige Torsten H. tödlich getroffen. Lorette S. schrie, doch ihr Noch-Ehemann drückte weiter ab, tötete die Frau mit Schüssen aus nächster Nähe. Ihr Lebensgefährte, den S. nach eigenen Angaben eigentlich treffen wollte, entkam unverletzt. K.G.

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