Berlin : Schütze verletzte zwei Männer Prozess um Schüsse

in Kreuzberger Café

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In der Mission eines friedlichen Schlichters will Musur A. vor rund eineinhalb Jahren unterwegs gewesen sein. Allerdings trug er dabei eine scharfe Pistole im Hosenbund, die er auch einsetzte. Der 34-jährige A. soll nach einem Streit im Lokal „Linie 1“ am Görlitzer Bahnhof in Kreuzberg auf drei Männer geschossen haben. Zwei von ihnen wurden lebensgefährlich verletzt. Im Prozess um dreifachen versuchten Totschlag aber war es gestern der Angeklagte, der sich als Opfer darstellte. „Mein Leben war in Gefahr, ich hatte keine andere Wahl.“

Musur A., ein im Baugewerbe tätiger Unternehmer, sprach weitschweifig über jenen Tag im Dezember 2004. Viel Arbeit habe es gegeben, viele Termine. Dann sei da ein Gespräch mit einem Geschäftspartner gewesen. Dieser berichtete ihm angeblich von seiner Liebesbeziehung mit zwei Schwestern, durch die er sich Probleme mit einigen „Personen“ eingehandelt habe. „Ich bot ihm an, eine Schlichtung zu organisieren“, erklärte der Angeklagte. Heute aber sei ihm klar, dass der Geschäftspartner ein falsches Spiel eingefädelt habe. Nach der Version von A. soll ihn der andere Unternehmer raffiniert benutzt haben, um eine „offene Rechnung“ zu begleichen.

„Er hat mich reingelegt“, behauptete der Angeklagte. Der Geschäftspartner habe von seiner Waffe gewusst. Die will der gebürtige Türke Musur A. zum Eigenschutz getragen haben. „Er hat mich hingeschickt und dann den Leuten falsche Sachen mitgeteilt“, schimpfte der Angeklagte. Deshalb seien die Männer „gleich aggressiv“ auf ihn losgegangen, hätten ihn niedergeschlagen. Er sei gegen eine Kühltruhe gefallen und wie benebelt gewesen. Aus Notwehr will Musur A. dreimal geschossen haben. Der Staatsanwalt dagegen geht davon aus, dass A. „von vornherein keine friedliebenden Absichten hatte“. Es seien auch andere Hintergründe als ein Streit um Frauen möglich, sagte der Ankläger am Rande des Prozesses. Mutmaßungen über „milieunahe Motive“ machten die Runde. Die Verhandlung wird am Freitag fortgesetzt. K. G.

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