Berlin : Schuke-Orgeln: In Zehlendorf wird die Musik gemacht

Katharina Körting

Von Schönow in die ganze Welt - der Klang von Orgeln der Firma Schuke ist in Asien genauso zu hören wie in Nordamerika. In diesem Monat wird Berlins einzige Orgelbauwerkstatt 50 Jahre alt. Das Unternehmen in der Straße Alt-Schönow 7 b war ursprünglich eine Zweigstelle der 1894 gegründeten "Alexander Schuke Orgelbauanstalt Potsdam". Auch diese Firma existiert noch. "Wir waren eine Art Brückenkopf", erzählt der 72-jährige Orgelbauer Ernst Bittcher, der die Zweigstelle mit aufgebaut hat. Mit der Teilung Deutschlands trennten sich auch die Wege der Firmen.

Seit den 70er Jahren exportiert die Karl Schuke Berliner Orgelbauwerkstatt ihre Stücke auch ins Ausland. Der Konzertsaal NHK in Tokio besitzt eine große Berliner Orgel, die City Hall in Seoul zog nach und bestellte ein noch größeres Instrument. Auch in Österreich, Spanien, Island, Israel und den USA stehen mittlerweile Orgeln aus hiesiger Produktion. "Die Mehrzahl unserer Orgeln geht ins Ausland", sagt Andreas Schulz, der die Werkstatt seit 1994 leitet. Die Auftragslage sei so gut, dass die Interessenten mit einer Lieferzeit von sechs Jahren rechnen müssten. "Von einem aussterbenden Beruf kann nicht die Rede sein", meint Schulz. Seine Werkstatt beschäftigt 43 Mitarbeiter, darunter sechs Orgelbaumeister, 20 ausgebildete Orgelbauer und vier Tischler.

Von den rund 150 Orgelbaubetrieben in Deutschland gibt es nur etwa 15 Firmen, die in einem vergleichbaren Umfang Orgeln herstellen: Entwurf, Konstruktion, Pfeifenbau, Windladen, Spieltisch, Mechanik, Schlosserei, Gehäuse und Restaurierungsarbeiten - alles liegt in den Händen der Berliner Orgelbauer. Alle Orgeln sind Einzelstücke und reine Handarbeit. Zurzeit beginnt die Herstellung eines Instruments für eine Kirche in Rom. Fast fertig ist eine Orgel für einen Konzertsaal im japanischen Kanasawa. Ihre Teile nehmen den ganzen Raum der großen Montagehalle ein. Sie ist 13 Meter hoch und elf Meter breit, hat über 5000 Pfeifen und 70 Register. Die Herstellung eines Instruments in dieser Größe dauert etwa ein Jahr und kostet über zwei Millionen Mark. Beide Orgeln werden im kommenden Jahr in Einzelteilen an ihre Standorte gebracht und dann montiert. Über den Auftrag aus Rom ist Schulz besonders stolz: "In Italien ist es ungewöhnlich, dass ein deutscher Orgelbauer bestellt wird."

Orgelbauer ist ein Lehrberuf. Wer das Handwerk beherrscht, kann sich spezialisieren auf Holzverarbeitung, Metallverarbeitung, Montage, Konstruktion, Restauration oder Intonation. Der Intonateur muss die Pfeifen so bearbeiten, dass sie den richtigen Ton treffen. Vieles gibt es dabei zu beachten - die hohe Kunst des Orgelbauens, die nicht erlernbar ist und Musikalität erfordert.

Bevor die Orgel intoniert wird, hat sie einen langen, komplizierten Bauprozess hinter sich. Am Anfang steht der Entwurf, der die Architektur des Raumes berücksichtigen muss, für den die Orgel bestimmt ist. Danach werden in der Holzwerkstatt aus mehrjährig abgelagerten Hölzern Gehäuse, Spieltisch, Trakturen, Windladen und Mechanik gefertigt, die Holzoberflächen mit Wachsen behandelt. In der Werkstatt herrscht während der Verarbeitung dieselbe Luftfeuchtigkeit wie am künftigen Standort. Die Herstellung der Pfeifen in der Metallwerkstatt erfordert 30 Arbeitsschritte je Orgelpfeife. Große Orgeln haben bis zu 8000 Stück. Eine Truhenorgel, wie sie in Kantoreien steht, verfügt dagegen nur über dreieinhalb Register und 180 Pfeifen. Für eine solche Kleinstorgel, etwa aus Kirschholz, bezahlt man 50 000 Mark - ein Weihnachtsgeschenk der gehobenen Klasse.

Am 10. Dezmber gibt es eine Jubiläums-Orgelmatinee um 11 Uhr in der Philharmonie mit den Organisten Martin und Hans Haselböck. Karten sind bei der Werkstatt unter 815 10 14 oder an der Kasse erhältlich (20 Mark, ermäßigt 13 Mark). Gruppen ab 15 Personen können sich unter dieser Nummer zu einer Firmenführung anmelden.

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