Berlin : Schul-Fördervereine wollen das Rad nicht neu erfinden

Susanne Vieth-Entus

Wie gründet man einen eingetragenen Verein? Tut es auch ein nicht eingetragener? Oder ist er dann nicht gemeinnützig? Oder kann er dann keine Spendenquittungen ausschreiben? Und wie steht es mit der Rechtsfähigkeit?

Fragen über Fragen quälen Eltern und Lehrer, die sich entschieden haben, ihrer Schule mittels Förderverein zu Musikinstrumenten, frischer Farbe oder einer Russlandreise zu verhelfen. Manche scheitern schon an der ersten Hürde der Vereinsgründung, andere wenig später am Desinteresse der übrigen Eltern. Damit es dazu nicht kommt, wurde im vergangenen Jahr der Verein Inn-Schul gegründet. Am Montagabend trafen sich die Mitglieder zum ersten Mal.

Die gute Nachricht überbrachte Ideengeber und Geschäftsführer Wolfgang Suhrmann gleich zu Beginn: Berlin schwimmt an der Spitze einer bundesweiten Bewegung, denn zeitgleich mit dem Inn-Schul-Verein hat sich ein Bundesverband für Fördervereine gegründet, dessen Schwerpunkt allerdings noch in Nordrhein-Westfalen liegt. Hier haben sich schon 400 Schulfördervereine zusammengeschlossen, während es in Berlin erst 25 sind. Die übrigen kommen allein zurecht oder haben von Inn-Schul noch nichts gehört.

Die da am Montag zusammenkamen, verbindet eines: ihr Leidensdruck. "Die Puste ist irgendwann aus, wenn man immer die Einzige ist", sagt zum Beispiel Gerhild Nieberg von der Kreuzberger Otto-Wels-Grundschule. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass "sich alle freuen, wenn der Förderverein etwas anschafft, aber keiner fragt, woher diese Anschaffung überhaupt kommt". Das Desinteresse führe dazu, dass der Verein "fast im Dunkeln" operiere. Zudem sei die soziale Lage in dem Kiez so schwierig, dass der Jahresbeitrag von 50 auf 30 Mark reduziert werden musste. Obwohl der Verein fast zehn Jahre existiere, stehe man noch immer "in der Anfangsphase". Ebenfalls zu Inn-Schul gestoßen ist der Förderverein der Hellersdorfer Bücherwurm-Grundschule. Nach zwei Jahren gebe es sieben aktive Mitglieder und die Erkenntnis, dass man Erfahrungen austauschen muss, um "das Rad nicht zum zweiten Mal zu erfinden", sagt ein Vater.

Zu dem gewünschten Austausch kommt ab sofort noch die fachkundige Beratung: Eine Rechtsanwältin und ein Steuerberater kündigten an, ab sofort wöchentlich bei Inn-Schul zu den kniffligen Fragen der Vereinsgründung und der steuerlichen Absetzbarkeit eine Sprechstunde einzurichten. Der langjährige Geschäftsführer einer freien Schule wird sich einen ganzen Tag Zeit nehmen, um Eltern über die Möglichkeiten der "Geldbeschaffung", insbesondere des Fundraising, aufzuklären. Um die ehemalige Schulsenatorin und bündnisgrüne Bildungsexpertin Sybille Volkholz schließlich, die im Beirat von Inn-Schul agiert, hat sich eine Gruppe geschart, die etwas über die Entwicklung von schulischen Programmen erfahren will und darüber, wie Schulen mit Betrieben zusammenarbeiten können.

Bisher zahlen die Fördervereine fünf Mark pro Monat für die Hilfe von Inn-Schul. Durch die Bildung einer Bürogemeinschaft spare der Verein Geld und könne dieses Jahr seine koordinierende Arbeit leisten, sagt Geschäftsführer Suhrmann. Bis Jahresende hofft er auf 100 Mitglieder.

Inn-Schul ist erreichbar unter Tel. 24728994.

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