Schulboykott : Schwänzen statt schießen

Liedermacher und Autoren, darunter der Leiter der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, haben im Internet zu einem Schulboykott aufgerufen. Nach dem Schulmassaker in Erfurt hätten Bundesregierung und Bundestag sieben Jahre Zeit gehabt, den Besitz von tötungsfähigen Waffen für den Schießsport zu unterbinden, heißt es.

Berlin „Wir brauchen kein halbherzig geändertes Waffengesetz. Wir wollen ein Verbot von Mordwaffen als Sportwaffen – sofort! Bis dahin rufen wir Schüler und ihre Eltern auf, den Schulbesuch zu verweigern.“ (www.sportmordwaffen.de)

Der Liedermacher Gerhard Schöne schickte seine beiden Söhne am Freitag im sächsischen Meißen nicht in die Schule. Aus Berlin sind noch keine Boykottaktionen bekannt. Er hoffe, dass die Berliner Eltern dem Aufruf nicht folgen, sagte Jens Stiller, Sprecher der Berliner Bildungsverwaltung. „Das politische Anliegen ist das eine. Aber Schule als Druckmittel zu benutzen, ist nicht im Sinne der Kinder. Im Übrigen haben wir Schulpflicht.“

Stiller wies auch darauf hin, dass man bereits nach der Morddrohung am OSZ Kreuzberg vergangenen Mai begonnen habe, die Alarmsysteme an den Schulen zu verbessern. Der Landeselternausschuss forderte, alle Berliner Schulen mit Notfallmeldern an zentralen Punkten und einer Lautsprecheranlage in allen Unterrichtsräumen auszustatten. „Die Sicherheit unserer Kinder und der Lehrer muss an erster Stelle stehen“, sagte der Vorsitzende des Landeselternausschusses, André Schindler. Auch müssten alle Klassenzimmer von innen verschlossen werden können – im Notfall auch ohne einen Lehrer.

Die Eltern wenden sich außerdem gegen ein generelles Verbot von Mobiltelefonen, damit Schüler und Lehrer im Notfall Rettungskräfte informieren können. Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner (Linke) fordert als Konsequenz aus dem Amoklauf in Winnenden, mehr Sozialarbeiter in den Schulen einzustellen. „Mehr miteinander reden, Konflikte gewaltfrei lösen und kontrovers diskutieren zu lernen, halte ich für die bessere Alternative zu einem verstärkten Wachschutz und Detektorenüberwachung an den Schulen.“

Auch Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) mahnte: „Schule muss ein freier, öffentlicher Ort bleiben – ein Ort unbedingter Achtung.“ Schule und Gesellschaft müssten aber noch aufmerksamer für die Achtung und den Schutz der Schüler Sorge tragen. „Wir müssen die Verharmlosung des Themas Gewalt, auch virtueller Gewalt endlich aufgeben“, sagte Knake-Werner. Innensenator Ehrhart Körting (SPD) warnte davor, Bürgern den Eindruck zu vermitteln, dass alles regulierbar sei: „Alle Maßnahmen – Familienförderung, Jugendhilfe, Schulsozialarbeiter – sind wichtig und sinnvoll. Aber manchmal können sie alle an einer speziellen Situation, in der ein Mensch irrational handelt, nichts ändern.Wahrscheinlich müssen wir das akzeptieren.“ clk/das

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