Schuld und Sühne in Berlin : Ein Berliner Taschendieb zeigt Herz

Die Zahl der Taschendiebstähle ist in jüngster Zeit stark gestiegen. Ein Bestohlener hat jetzt etwas erlebt, das nahelegt: Berlins Diebe sind manchmal besser als ihr Ruf.

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"Herzlichen Dank‬" - in diesem Briefumschlag kam das Portemonnaie zu seinem Eigentümer zurück - samt Herzchen.  
"Herzlichen Dank‬" - in diesem Briefumschlag kam das Portemonnaie zu seinem Eigentümer zurück - samt Herzchen.  Foto: Anton Sahlender

Dass ein Bestohlener seinem Dieb dankt, ist selten. Anton Sahlender, Journalist von der „Mainpost“ aus Würzburg hat es getan, gestern auf Facebook. Unter der Überschrift „Herzlichen Dank“ berichtet er, dass ihm vor zwei Wochen im Eiscafé am Berliner Hauptbahnhof die Geldbörse aus der Jacketttasche gestohlen wurde – und jetzt per Post in seinem heimischen Briefkasten landete, samt aller Karten und Ausweise, nur ohne die 250 Euro, die vor zwei Wochen noch drinsteckten. Dafür wurde etwas hinzugefügt: ein kleines Metallherzchen!

So einem Dieb kann man schwer böse sein. „Da hat mich wohl jemand beklaut, der das Geld dringender braucht als ich – und kein herzloser Mensch“, erzählt der 66-jährige Sahlender am Telefon.

„So ist das in Berlin – alles etwas anders“, kommentiert es eine Facebook-Nutzerin als Antwort auf Sahlenders Beitrag. „Dit is Berlin, wa?“, schreibt ein anderer.

Nur ein Kollege des Bestohlenen kann sich der Begeisterung nicht anschließen. „Mein in Berlin – wahrscheinlich am Currywurststand – geklauter Geldbeutel blieb mit allen Dokumenten incl. Führerschein und Kfz-Schein leider verschwunden.“ Besonders schmerzt ihn der Verlust des alten Führerscheins: „Das alte Bild war 32 Jahre alt.“ Da hatte wohl jemand statt eines Herzens aus Metall nur eines aus Stein.

Anton Sahlender.
Anton Sahlender.Foto: Privat

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