Berlin : Schuldenfrei ins Leben

Ein Verein kümmert sich um Jugendliche in Not Für die Präventionsarbeit bittet er um Förderung.

Manuel Opitz
Damit ihnen ein Licht aufgeht. Martin Heise berät junge Schuldner. Foto: Manuel Opitz
Damit ihnen ein Licht aufgeht. Martin Heise berät junge Schuldner. Foto: Manuel Opitz

Fürstenwalde - Angefangen hatte alles mit einem teuren Handyvertrag. Dann kaufte Sarah S., 18, aus Fürstenwalde Abos für Klingeltöne. Im Internet bestellte sie „Klamotten“. Paket um Paket, alles auf Pump. „Ich dachte, das Geld wird schon reichen.“ Hat es aber nicht. Plötzlich konnte sie sich keine Bustickets mehr leisten, wurde erwischt und sollte Bußgelder zahlen. In ihrem Briefkasten landeten immer mehr Mahnbescheide, die Sarah S. einfach beiseitelegte. „Ich habe die Probleme verdrängt.“ So sammelten sich über Monate Tausende Euro Schulden an. „Ich wusste gar nicht mehr, wer wie viel Geld von mir bekommt.“

So wie ihr geht es immer mehr Jugendlichen und jungen Erwachsenen. „Etwa 25 Prozent geben mehr Geld aus als sie haben und die Betroffenen sind immer jünger“, sagt Martin Heise, Projektleiter von „Schuldenfrei ins Leben“ im Landkreis Oder-Spree. Das Projekt wurde Anfang des Jahres von der „Gesellschaft für Arbeits- und Sozialrecht e.V.“ (Gefas) ins Leben gerufen. Der 41-Jährige nimmt Kontakt mit Schulen und Jugendwerkstätten auf und gibt dort Unterricht in Sachen finanzielle Kompetenzen, legt Taschengeldplaner und Haushaltsbücher nahe. „Viele wissen gar nicht, wo ihr Geld am Monatsende geblieben ist. Sobald sie was im Portemonnaie haben, geben sie es wieder aus.“ Schuld ist seiner Meinung nach Konsumdruck. Junge Menschen erkaufen sich mit Markenklamotten und elektronischen Geräten wie Handys und MP3-Playern das Gefühl, zur Gruppe dazuzugehören. Auch Sarah S. wollte mit ihren Klassenkameraden mithalten: „Es ist ein bisschen wie Gruppenzwang.“

Hinzu kommen Lockangebote und die Möglichkeiten des Internets: Heute kaufen, irgendwann bezahlen. Viele denken nicht an die Folgekosten von Verträgen. Sie summieren sich, wie bei Sarah S.. Im schlimmsten Fall rutschen die jungen Schuldner in die Kriminalität ab, weiß Heise. So können sich Jugendliche schnell ihre Zukunft verbauen. Damit es erst gar nicht so weit kommt, hofft er auf die Unterstützung der Tagesspiegel-Leser. „Sonst wird es schwierig, die Fahrten nach Erkner, Fürstenwalde, Storkow und Beeskow zu finanzieren.“ Um Info-Material für die Schüler parat zu haben, benötigt er außerdem einen neuen Kopierer.

Schon jetzt macht sich seine Arbeit bezahlt. „Ich merke bei den Schülern den Aha-Effekt“, berichtet Heise. Er ist davon überzeugt, dass sie ihre Finanzen nach der Lektion besser unter Kontrolle haben. Und: „Immer mehr Schulen fragen an, ob ich nicht mal vorbeikommen kann.“ Seine Besuche kosten Jugendwerkstätten und Schulen keinen Cent.

Nach den Kursen bietet Heise eine individuelle Beratung an. Auch Sarah S. überwand sich und suchte Hilfe bei dem Projektleiter. „Dieser Schritt war für mich nicht einfach, aber er hat sich gelohnt“, sagt sie. Denn Heise brachte Ordnung in ihre Rechnungen und Mahnbescheide. Er nahm Kontakt mit den Behörden auf und vermittelte. Jetzt stottert Sarah S. jeden Monat ihre Schulden ab. „Zuerst dachte ich, dass mir keiner helfen kann. Doch mit der Hilfe dieses Projekts geht es weiter für mich.“ Manuel Opitz

Spenden an: Spendenaktion Der Tagesspiegel e. V., Verwendungszweck: „Menschen helfen!“, Berliner Sparkasse (BLZ 100 500 00), Konto 250 030 942 - Namen und Anschrift für den Beleg notieren.

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