Berlin : Schuldfragen

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VON TAG ZU TAG

Ariane Bemmer über den

abgebrochenen Karneval der Kulturen

Wie entsetzlich es sein muss, für ein Unglück irgendwie mitverantwortlich zu sein, das zeigt das abgesagte Straßenfest am Pfingstmontag. Das Eingangstor zum Festgelände, das die Werkstatt der Kulturen hat aufbauen lassen, ist umgestürzt, drei Menschen sind lebensgefährlich verletzt. War das Tor wirklich sicher? Hätten wir früher warnen sollen? Hätten wir etwas ändern können? Fürchterliche Fragen, die natürlich für Betroffene in dem Schluss enden: Man kann doch jetzt nicht einfach weitermachen. Aus Mitgefühl mit den Unglücksopfern und deren Angehörigen haben die Veranstalter den vierten Festtag ganz abgesagt. Was für ihr Herz spricht und dagegen, dass sie abgebrüht und durchprofessionalisiert sind.

Trotzdem: Die Absage geht zu weit. Keine Musik auf den Bühnen, kein Tanz, jede lautstarke Fröhlichkeit zu untersagen – das wäre eine gute Reaktion auf die Tragödie gewesen. Aber die Buden hätten öffnen können. Für die vielen fliegenden Händler, die bei früheren KarnevalsFesten so oft unter schlechtem Wetter leiden mussten, und die vielen Besucher, die sich auf den Bummel gefreut hatten. An die haben die Veranstalter in ihrem Entsetzen wohl nicht mehr gedacht.

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