Schule : Bildungssenator sieht Lehrermangel fast beseitigt

Laut Bildungssenator Jürgen Zöllner sind weniger als zwei Dutzend Schulen betroffen. Erst heute weiß die Behörde, wie viele Schüler tatsächlich in den Klassen sitzen.

Susanne Vieth-Entus

Jürgen Zöllner (SPD) geht davon aus, dass nur noch wenige Schulen zu wenig Lehrer haben. Es seien sicherlich deutlich unter 25, vermutet er, da seine Behörde in den vergangenen Tagen weiter damit beschäftigt gewesen sei, die Personalprobleme zu beseitigen. Allerdings werde er erst heute erfahren, wie viele Schüler tatsächlich an den Schulen angekommen seien. Entsprechend werde es dann Umsetzungen von Lehrern geben, mit denen man die verbliebenen Probleme beheben könne.

Mit der Frage nach der Zahl der unterversorgten Schulen beendete gestern der CDU-Abgeordnete Sascha Steuer die Sommerpause im Bildungsausschuss des Abgeordnetenhauses. Denn noch immer beherrscht der Lehrermangel die Diskussion an den Schulen. Zwar wurde einigen Schulen inzwischen tatsächlich geholfen. Dennoch bleibt Unzufriedenheit. So berichtete gestern die Fördervereinsvorsitzende der Lichterfelder Clemens-Brentano-Grundschule, Kathrin Weyer, dass es keinerlei Extrastunden für Behinderte – die sogenannten Integrationskinder – gebe. Hinzu komme, dass trotz großer Klassen kaum Personal für Teilungs- oder Förderstunden da sei.

Auch aus anderen Schulen kommen Klagen. So ging einer dritten Klasse an der Pankower Grundschule an den Buchen plötzlich der Klassenlehrer verloren, weil er umgesetzt wurde. Eine verärgerte Mutter teilte jetzt der zuständigen Schulrätin mit, dass an der Schule ständig Erzieherinnen für Lehrer einspringen müssten. Diese würden dann Arbeitsblätter verteilen, aber keinen richtigen Unterricht vertreten können. „Vielleicht stimmen die Zahlen der Senatsschulverwaltung auf dem Papier, aber in der Praxis erleben wir Chaos, entmutigte, verwirrte Kinder und Eltern, die es bitter bereuen, der staatlichen Grundschule eine Chance gegeben zu haben“, schreibt die Mutter.

Doch nicht nur die Schulen leiden, die Lehrer abgeben müssen, sondern auch jene, die umgesetzte bekommen. Ein Wilmersdorfer Grundschulleiter berichtet, dass von drei umgesetzten Oberschullehrerinnen vergangenes Jahr keine dageblieben sei: Eine habe sich dauerkrank gemeldet, zwei hätten sich weiterversetzen lassen, alle drei sich nicht imstande gesehen, nach jahrzehntelanger Arbeit mit Jugendlichen plötzlich kleine Kinder zu unterrichten.

Oberschulrat Gerhard Schmid vom Bund Freiheit der Wissenschaft sieht in dem jetzigen Szenario seine Einschätzung bestätigt, dass eine befriedigende Lehrerausstattung nicht gelingen könne, wenn die Schulen keine Reserven haben. Schon kleine Abweichungen bei den Schüleranmeldezahlen führen dazu, dass Schulen zu wenig Lehrer hätten. Schmid fordert deshalb ähnlich wie die GEW, den Bezirken zwei Prozent mehr Lehrer zu geben als rein rechnerisch notwendig, um Schwankungen bei den Schülerzahlen besser kompensieren zu können.

Was die Lage der Schulen weiter verschärft, ist der Erziehermangel. Der Vorsitzende des Ganztagsschulverbandes, Mario Dobe, forderte jetzt den Senat auf, nachzubessern. Die standardmäßige Ausstattung reiche nicht aus für eine gute Förderung der Kinder. Einige Schulen berichten, Erkrankungen führten dazu, dass sich eine einzige Erzieherin um 40 bis 50 Kinder kümmern müsse. Zudem gingen die Versetzungen aus dem Stellenpool nicht so schnell vor sich, wie erhofft.

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