Schule : Blumen für den Bildungssenator

Lehrermangel - ein Dauerzustand im Berliner Schulbetrieb. Überraschend hat Bildungssenator Jürgen Zöllner neues Personal eingestellt. Lob gibt es auch für seine "Lehrerfeuerwehr“.

Susanne Vieth-Entus
Schulklasse
Mehr Lehrer, mehr Stunden -Foto: ddp

Mit ungläubigem Staunen haben gestern die Schulen auf die Einstellungsoffensive des Bildungssenators reagiert. „Wenn das stimmt, schicken wir ihm einen Strauß Blumen“, sagte der Vorsitzende des Verbands der GEW-Schulleiter, Wolfgang Harnischfeger. Opposition und Lehrer sprachen übereinstimmend von einem „wichtigen Schritt nach vorn“. Insbesondere die Einrichtung einer „Lehrerfeuerwehr“ wurde begrüßt.

Die Entscheidung, noch vor den Ferien 270 neue Lehrer einzustellen und zusätzlich eine feste Vertretungsreserve („Feuerwehr“) von 140 Kräften, war im Stillen vorbereitet worden. Selbst die Referatsleiter in den Außenstellen der Bezirke waren nicht informiert. Umso überraschter waren alle, als Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) die neuen Zahlen am Donnerstag im Abgeordnetenhaus präsentierte.

„Die Verantwortlichen haben die Not erkannt, und dem Senator ist klar geworden, dass die Löcher zu groß geworden sind“, kommentierte Inge Hirschmann vom Grundschulverband die Neuigkeit. Vor allem begrüßt sie es, dass 140 Vertretungslehrer jetzt feste Stellen bekommen. „Damit haben sie eine Perspektive, und das ist der springende Punkt“, meint Hirschmann.

„Wir begrüßen es, dass sich Senator Zöllner den Nöten der Berliner Schule stellt“, lobte auch die GEW-Vorsitzende Rose-Marie Seggelke. Es bleibe nun abzuwarten, mit welcher Ausstattung die Schulen in das nächste Schuljahr starten. Auch die „Lehrerfeuerwehr“ wird von ihr begrüßt. Sie sieht in diesem Hilfsmittel allerdings auch den Beleg dafür, dass die Personalkostenbudgetierung gescheitert sei.

Die Budgetierung war vor einem Jahr eingeführt worden. Seither bekommen die Schulen keine festen Vertretungskräfte mehr, sondern ein Budget in Höhe von drei Prozent ihrer Personalausgaben, das sie für Vertretungsunterricht einsetzen können. Kritisiert wurde immer wieder, dass dieses Verfahren am fehlenden Zugriff auf Vertretungspersonal scheiterte: Der entsprechende Lehrkräftepool war unübersichtlich und mit zu vielen „Karteileichen“ bestückt.

Das soll aber anders werden: Dem Vernehmen nach verhandeln Bildungsverwaltung und Personalvertretungen auch über eine verbesserte Handhabe des Pools, damit Schulen leichter an weitere Vertretungslehrer kommen. Die ergänzende „Lehrerfeuerwehr“ soll vor allem dazu dienen, Junglehrer in Berlin zu halten. „Es wäre das erste Mal seit Jahren, dass Berlins Schulen mit komplettem Personal in ein neues Schuljahr starten“, resümiert Wolfgang Harnischfeger.

Dennoch bleiben Probleme. Gestern wiesen die Beschäftigtenvertretungen der Berliner Schulen darauf hin, dass noch 400 Erzieherstellen verlängert oder neu besetzt werden müssen, um nach den Ferien die Betreuung der Grundschulkinder zu sichern. Unruhe gibt es auch, weil die Klassen mit vielen Migranten nicht mehr bis zu 23, sondern bis zu 26 Schüler haben können. Diese Entscheidung Zöllners wird den heutigen SPD-Parteitag beschäftigen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben