Berlin : Schule – ein sinkendes Schiff

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Betrifft: Schulen in Berlin

Prima, dass endlich wieder das Thema Schule massiv in ihrer Zeitung behandelt wird. In fast allen Bezirken brennt es lichterloh, und an vielen Schulen herrschen Mangel und Frustration. Die Schule an der ich arbeite hat sich schon im September mit einem Hilferuf an den Schulsenator gewandt. Wir haben bis heute keine Antwort bekommen. Der Schulrat forderte uns stattdessen auf, mit anderen Behörden (Polizei/Jugendamt) zusammen zu arbeiten. Wir haben darauf hingewiesen, dass alle Institutionen, die Jugendarbeit betreiben und mit denen wir bereits kooperieren, unter Sparzwang stehen und bis zu 40 Prozent und mehr eingespart wurde. Die Antwort des Schulrates: „Seien Sie froh, dass es die 60 Prozent noch gibt!“ Gemessen an der Vielzahl der Migrantenkinder hat Berlin unbestritten zu wenig Lehrer. Statistiken taugen hier nur bedingt, da man berücksichtigen muss, dass Berlin als Groß- und Hauptstadt mittlerweile eine Menge an Schulen hat, in denen deutsche Kinder in der Minderheit sind. Die Initiativen zur Verbesserung der Schulleistungen unserer Kinder werden scheitern, wenn die Mittel, die dafür benötigt werden, nicht zur Verfügung gestellt werden.

Ich versuche, die Situation schulfremden Menschen wie folgt zu vermitteln: Versuchen Sie, sich die Berliner Schule als ein U-Boot vorzustellen. Die Mannschaft ist willig, gut ausgebildet, aber nicht mehr die Jüngste. Der Kapitän ist ein netter Mann und, solange das Boot keinen Defekt hat, auch immer ansprechbar. Nun meldet die Mannschaft einen schwerwiegenden Unfall. Wasser dringt ein und das Boot gerät in Gefahr. Der Kapitän schickt einen Meldegänger mit folgender Nachricht: 5 Männer müssen sofort das Boot verlassen, 2 weitere werden im nächsten Hafen zur Fortbildung abgesetzt und der Rest der Mannschaft solle das Boot gefälligst komplett überholen. Falls keine Teile vorhanden, so solle man Kontakt mit anderen U-Booten aufnehmen. Die Mannschaft improvisiert und schafft es, das Boot wieder fahrtüchtig zu bekommen, allerdings kann es nicht mehr tauchen. Der Kapitän meldet zufrieden seiner Dienststelle, dass er es trotz eines Defekts geschafft habe, die Mannschaft effizienter zu gestalten, und dass neue Technologien bald zur Verwendung kommen (siehe Fortbildung). Da der kalte Krieg sowieso vorbei sei, kündigt er weiter an, das Boot nunmehr nur noch für Überwasserfahrten einsetzen zu wollen. So sei es auch schneller.

Währenddessen tritt ein zweites, größeres Leck auf und die Maschine beginnt zu stottern. Da die Rettungsboote bereits vor geraumer Zeit gegen Ersatzteile eingetauscht wurden und keine Hilfe in Sicht ist, versucht die Mannschaft, das Boot zu retten. Das gelingt, doch der Kapitän liegt krank in seiner Kajüte und das Boot taumelt ohne Antrieb durch die raue See. Fortsetzung folgt! Andreas Bergmann, Lichtenrade

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