Schule : Erste Hauptschulen schließen schon im nächsten Jahr

SPD-Fraktion billigt Pläne für Strukturreform - Linke beharrt auf Sozialquote.

Susanne Vieth-Entus

Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) hat am Dienstag den Regierungsfraktionen seinen Bericht zur geplanten Reform der Berliner Schullandschaft unterbreitet. Demnach sollen Haupt-, Real- und Gesamtschulen auslaufen. An ihre Stelle würde ab dem Schuljahr 2010/11 eine neue Schulform treten, die Zöllner „Sekundarschule“ nennt. Die SPD-Fraktion stimmte dem Konzept am späten Nachmittag zu. Die Linke erwartet, dass Zöllner noch einige Punkte ergänzt, die ihr wichtig sind.

Die neue „Sekundarschule“ soll nach den jetzigen Überlegungen Elemente der Gemeinschaftsschule übernehmen. Dazu gehört, dass sie integrativ arbeiten kann. Das an den Gesamtschulen übliche „Fega- System“ mit nach Leistung getrennten Lerngruppen soll laut Zillich weder vorgeschrieben noch ausgeschlossen werden.

Unklar ist jetzt, was das Auslaufen der Schulformen in der Praxis bedeutet. Als möglich gilt, dass wenig nachfragte Hauptschulen schon nächstes Jahr mit Nachbarschulen fusionieren. Zöllner hatte seine Eile bei der Strukturreform von Anfang an damit begründet, dass „die Hauptschulen nicht mehr warten können“.

Noch nicht aufgegeben hat die Linke ihre Forderung nach einer Sozialquote. „Wir brauchen ein Instrument, um der sozialen Ausdifferenzierung an den weiterführenden Schulen entgegenzuwirken“, betonte der bildungspolitische Sprecher der Linkspartei, Steffen Zillich. Ein möglicher Weg sei die Festlegung, dass alle Schulen einen bestimmten Prozentsatz benachteiligter Schüler aufnehmen müssten. Als Kriterium könne die Lernmittelbefreiung dienen.

Zöllner habe zugesagt, die Forderung nach einer besseren sozialen Mischung nicht außer Acht zu lassen. „Wir werden ihn beim Wort nehmen“, sagte Zillich nach der Sitzung. Wert legt die Linke auch darauf, dass zu den bereits bewilligten 15 Gemeinschaftsschulen weitere hinzukommen können, deren Beispiel auf die übrigen Schulen ausstrahlen könnte, sagte Zillich. Auch in diesem Punkt erwartet er von Zöllner Entgegenkommen.

Der Linken geht es zudem darum, zumindest eine Perspektive hin zu einer Schule für alle – ohne Gymnasien – aufzuzeigen. „Das war eine der Bedingungen für die Koalition“, erinnert Zillich. Allerdings sei ihm klar, dass es keine derartige Festlegungen im Hinblick auf die nächste Legislaturperiode geben könne.

Ursprünglich hatte auch die SPD-Linke darauf beharrt, dass die Abschaffung der Gymnasien konkret verfolgt wird. Schon im November war dann allerdings klar geworden, dass sie sich damit einverstanden erklären würde, zunächst auf ein zweigliedriges Schulsystem zu setzen, weil die Abschaffung der Gymnasien zurzeit keinen Rückhalt in der Bevölkerung habe.

Zöllner habe am Dienstag noch keine detaillierten Vorschläge dazu gemacht, wie künftig die Aufnahme auf den Gymnasien geregelt werden soll, erläuterte SPD-Bildungspolitikerin Felicitas Tesch: Wie berichtet, gibt es in der Koalition die Tendenz, den Gymnasien die Möglichkeit zu nehmen, zu schlechte Schüler wieder loszuwerden. Sie müssten dann alle Schüler behalten, die sie einmal aufgenommen haben.

Im Gegenzug sollen sie aber die Möglichkeit erhalten, die Schüler nach Eignung auszuwählen. Diskutiert wird, einen bestimmten Notenschnitt zu verlangen. Gleichzeitig soll aber auch der Elternwille nicht ausgehebelt werden. Wie beides erreicht werden kann, ist noch unklar. Zillich sagte dazu, dass er sowohl das Probehalbjahr als auch einen Probeunterricht ablehne.

Die Hauptschulen werden insbesondere seit der Diskussion um die Rütli- Schule verstärkt in Frage gestellt. Die Forderung nach ihrer Abschaffung geht aber bis in die 80er Jahre zurück, als die ersten Hauptschulen zu „Restschulen“ verkamen. Erst jüngst haben sich Bremen und Rheinland-Pfalz entschieden, die Hauptschulen abzuschaffen. Auch das CDU-regierte Niedersachsen denkt darüber nach.

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