Schule : Fit ins neue Schuljahr - Senator macht Tempo

Mittels einer neuartigen Checkliste will Bildungssenator Jürgen Zöllner sicherstellen, dass er rechtzeitig über Lehrermangel informiert wird.

Susanne Vieth-Entus
Zöllner
Will genau wissen, wo die Lehrer fehlen: Bildungssenator Zöllner. -Foto: ddp

Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) will zum Schuljahresbeginn offenbar böse Überraschungen vermeiden. Erstmals werden alle Berliner Schulen aufgefordert, am 23. August, dem vorletzten Ferientag, genau bekannt zu geben, ob sie genug Lehrer haben, ob die Stundenpläne stehen und alle Klassen mit Leitern versorgt sind. Bisher fanden derartige Abfragen erst im Herbst statt, so dass die Bildungsverwaltung wochenlang gar nicht wusste, wie die tatsächliche Situation im neuen Schuljahr war.

„Die Ausstattung der Schulen mit Lehrkräften erfordert von allen Beteiligten erhöhte Aufmerksamkeit“, heißt es in dem entsprechenden Rundschreiben der Bildungsverwaltung, das die meisten Schulleiter wegen der Ferien noch nicht zur Kenntnis nehmen konnten. Die Abfrage sei nötig, um allen Beteiligten und „auch den politisch Verantwortlichen“ ein klares Bild über die Personalsituation zu vermitteln. Die neue Checkliste läuft unter der Rubrik „Krisenintervention“.

Die Verwaltung will nicht nur wissen, wo Lehrer fehlen, sondern auch, ob die Schulen ihre früher angegebenen Schülerzahlen korrigieren müssen. Wenn sich etwa herausstellen sollte, dass weniger Schüler als erwartet kommen, könnte man die überzähligen Lehrer versetzen. Andernfalls wäre es angesichts der schlechten Bewerberlage in manchen Fächern wohl auch kaum möglich, auf die Schnelle Lücken an Schulen zu stopfen.

„Ich hoffe sehr, dass die Abfrage eine ausreichende Lehrerversorgung offenbart, denn die guten Nachwuchskräfte sind alle schon in andere Bundesländer abgewandert“, sagte gestern Harald Mier vom Verband der Oberstudiendirektoren. Dass Zöllner erstmals zu einer so frühen und detaillieren Abfrage greift, sieht Mier darin begründet, dass die Personalausstattung noch nie so knapp war wie in diesem Jahr: Erstmals dürfen Schulen keine festen Vertretungskräfte vorhalten, sondern müssen punktgenau bei 100 Prozent ihres Bedarfs liegen.

„Die Berliner Schule ist mit 100 Prozent gar nicht organisierbar“, befürchtet Gerhard Schmid vom Regionalverband des Bundes Freiheit der Wissenschaft, der auch Oberschulrat in Friedrichshain-Kreuzberg ist. Sehr kleine Schulen etwa würden mehr Lehrer brauchen, weil die Klassen kleiner seien und deshalb automatisch eine andere Lehrer- Schüler-Relation zustande käme. Dies aber könne bedeuten, dass für die anderen Schulen zu wenig Lehrkräfte übrig blieben. Schmid warnt davor, dass die knappe Ausstattung zu Abstrichen etwa bei der Sprachförderung führen werde. Zudem hält er die neue Abfrage zum Ferienende für verfrüht, weil die Schulen erst nach der ersten Schulwoche genau wüssten, wie viele Schüler sie haben und wie viele Lehrer erkrankt sind.

Weniger kritisch sieht das der Vorsitzende der GEW-Schulleitervereinigung, Erhard Laube. Er begrüßt die neue Checkliste der Bildungsverwaltung. Allerdings unter der Bedingung, dass sie auch rasche Konsequenzen hat: Wenn sich herausstelle, dass Lehrer fehlten, müsse rasch Abhilfe geschaffen werden. Zudem fordert er, dass Zöllner das Ergebnis der Abfrage veröffentlicht. Andernfalls erwägt Laube, im Namen der GEW-Vereinigung eine solche Abfrage zu starten.

Wie berichtet, hatten zu Schuljahresende viele Schulen über fehlende Lehrer geklagt. Wie schon in den Jahren zuvor hatte es mit der Umsetzung von Überhangkräften aus den östlichen Bezirken nicht so geklappt wie erhofft.

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