Schule : Immer mehr junge Lehrer verlassen die Stadt

Es gibt Streit zwischen dem Senat und der Opposition über die Ursachen der Abwanderung. die Nachwuchspädagogen wollen nur bleiben, wenn sie Beamte werden.

Susanne Vieth-Entus

Der drohende Lehrermangel bringt den rot-roten Senat in Bedrängnis. Für die massenhafte Abwanderung junger Lehrer trage allein die Regierung die Verantwortung, die es versäumt habe, bessere Rahmenbedingungen zu schaffen, kritisierten übereinstimmend CDU, Grüne und FDP. Anlass ist eine Aktion junger Pädagogen, die an diesem Donnerstag im Abgeordnetenhaus damit drohen, Berlin den Rücken zu kehren, weil sie hier nicht verbeamtet werden.

Tatsächlich wird die Abwanderung der Nachwuchskräfte zunehmend zum Problem für Berlin. Bereits 2007 waren hier von 382 frisch examinierten Pädagogen nur 165 eingestellt worden. 128 wanderten in andere Bundesländer ab, weil Berlin keine freien Stellen hatte. Besonders dramatisch war die Abwanderung der Studienräte: 90 blieben, 110 gingen in andere Länder, allein Hamburg übernahm 45.

Zwar liegen für 2008 keine konkreten Zahlen vor, aber die Tendenz verstärkt sich offenbar. Hinzu kommt, dass weniger Lehrer als früher aus anderen Bundesländern nach Berlin kommen. Dies alles hat dazu geführt, dass bei den aktuellen „Castings“ nicht alle Stellen besetzt werden konnten: 70 Prozent der Angeschriebenen sagten sofort ab. Die Bewerberlage ist inzwischen so eng, dass auch Kräfte mit schwachen Examensnoten eingestellt werden. Mit großer Sorge sehen die Fachleute dem kommenden Schuljahr entgegen: Noch ist völlig unklar, wie die vielen Lehrer, die in Pension gehen, ersetzt werden können.

Die Meinungen über die Ursachen dieses Engpasses gehen auseinander: Die Bildungsverwaltung verweist vor allem auf das große Gehaltsgefälle: Da andere Bundesländer verbeamten, verdienen die Lehrer hier etwa 500 bis 700 Euro netto mehr als in Berlin. Die Opposition sieht aber eine Mitschuld beim Senat: Es sei eine „Schlamperei“, dass Berlin seine freien Stellen weiterhin so spät ausschreibe, kritisiert etwa Mieke Senftleben von der FDP. Viele Lehrer gingen nicht deshalb weg, weil sie unbedingt Beamte werden wollten, sondern weil sie aus anderen Ländern frühere Einstellungszusagen bekämen. Anstatt zu handeln, „rechnet sich der rot-rote Senat seit Jahren seinen Lehrerbedarf und den Grad der Versorgung mit Lehrern schön“, meinte auch Sascha Steuer (CDU). Der Bildungssenator müsse die Rahmenbedingungen verbessern, anstatt Junglehrer mit „ Bürokratie und schlechtem Service“ zu vergraulen.

Die Bildungsverwaltung verweist darauf, dass man bereits reagiert habe: Berlin stelle inzwischen zweimal im Jahr ein und zahle rund 200 Euro netto zusätzlich. Damit seien die „innertariflichen Grenzen“ erreicht. Es werde aber nach weiteren Lösungen gesucht. Gescheitert ist Berlin allerdings mit seinem Bemühen, auch die anderen Länder von den Lehrerverbeamtungen abzubringen, um einheitliche Bedingungen zu schaffen: Sie verbeamten weiter, um die Rentenversicherungsbeiträge zu sparen: Pensionslasten fallen ja erst später an.

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