Berlin : Schule in allen Variationen

Schwarz-grüne Gegensätze: CDU setzt bei der Bildung auf Leistung, die Grünen wollen kein Sitzenbleiben

Werner van Bebber

Geht es nach der Schulpolitik, dann gibt es zwischen der CDU und den Grünen vor allem große Gegensätze. Das zeigte sich am Wochenende bei einem CDU-Landesparteitag und einer grünen Landesdelegiertenkonferenz, die sich mit schulpolitischen Konzepten befassten. Die Fachleute der CDU wollen, wie eine streckenweise aufgeregte Debatte zeigte, bewährte Bestandteile der Schule stärken und den schulischen Bildungsauftrag ins Erzieherische ausweiten.

Die Grünen setzten dagegen vor allem auf Reformideen, die aus skandinavischen Schulen importiert werden sollen. Geht es nach ihnen, werden Berliner Kinder eines Jahrgangs bis zur zehnten Klasse eine Schule besuchen; Sitzenbleiben soll es nicht mehr geben. Das entspreche, sagte der Landesvorsitzende Till Heyer-Stuffer am Sonntag, dem neuesten Forschungsstand in der Pädagogik: Unterrichtsstrukturen, wie sie hier üblich sind, müssten aufgelöst werden, wenn man Kinder „aus bildungsfernen Schichten“ ebenso fördern wolle wie Hochbegabte.

Beim CDU-Landesparteitag haderten die Delegierten mit Schulsenator Klaus Böger (SPD), stritten aber auch untereinander über den Leitantrag, demzufolge Schule „leistungs- und wertorientiert“ sein und „bewahren und erneuern“ soll. Ausführlich handelt der Antrag von den individuellen Fähigkeiten der Schüler, die Schule entwickeln soll – vom Leistungsgedanken über die „Identität mit Heimat“ und die Entwicklung des Rechtsbewusstseins bis zur Verantwortung „für das Gemeinwohl“. Über die Struktur der Schule, die solches bewirken soll, heißt es, man wolle vielfältige Schulprofile und einen „verbindlichen Bildungskanon“. Der Ansatz des Antrages und vor allem die Bedeutung des Themas Schule war unter den Delegierten weniger umstritten als die unübersichtliche Systematik des Papiers. Es stelle die richtigen Fragen, gebe aber zu wenig Antworten, sagte ein Zehlendorfer Bildungsfachmann.

Weniger interessierten sich die 300 CDU-Delegierten für die Wissenschaft. Die Abgeordnete und Wissenschaftsfachfrau Monika Grütters warf dem Senat vor, den Universitäten ein völlig unzuverlässiger Ansprechpartner zu sein. Der Senat honoriere die Reform- und Profilierungserfolge der Freien und der Humboldt-Universität damit, dass er weniger Studienplätze denn je finanziere.

Wie zu Eberhard Diepgens Zeiten will die Berliner CDU im Wahlkampf 2006 als Wirtschaftspartei überzeugen. „Weniger Staat“ und „Deregulierung“ lauten die Parolen, mit denen man Unternehmer und Investoren überzeugen will. Das Land Berlin soll die Privatisierung zumal im Hinblick auf Wohnungsbaugesellschaften vorantreiben.

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