Schule in Berlin : Eltern kritisieren Inklusions-Konzept des Senats

Wie geht es weiter mit der Inklusion an den Berliner Schulen? Eltern und Senat streiten um die Berechnung von Förderstunden.

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"Inklusion" - das bedeutet, dass behinderte und nicht-behinderte Kinder gemeinsam lernen.
"Inklusion" - das bedeutet, dass behinderte und nicht-behinderte Kinder gemeinsam lernen.Foto: dpa

Elternvertreter aus mehreren Bezirken und aus dem Landeselternausschuss haben am Donnerstag scharfe Kritik am Senatskonzept zur Inklusion geübt. Sie legten einen 17-seitigen Forderungskatalog vor, mit dem sie auf das Eckpunktepapier des Senats Bezug nehmen, das derzeit Gegenstand der Haushaltsverhandlungen ist.

Die Hauptkritik der Eltern dreht sich um die Zumessung von Förderstunden für Kinder mit Behinderungen in den Bereichen Lernen, emotionale Entwicklung und Sprache. Das Senatskonzept sieht vor, dass Schulen dafür eine pauschale Anzahl von Lehrerstunden bekommen, und zwar abhängig davon, wie viele Kinder lernmittelbefreit sind, also aus armen Familien kommen.

Durch die Pauschale könnten Eltern und Kinder Rechte verlieren, fürchtet ein Vertreter

Die Elternvertreter fordern dagegen, dass weiterhin diagnostiziert werde, welchen Bedarf genau die Kinder haben, und dass die zusätzlichen Lehrerstunden danach bemessen werden. „Inklusion heißt nicht, dass Behinderungen unsichtbar werden – im Gegenteil. Wir müssen bei jedem Kind genau schauen, was es mitbringt“, sagte Elternvertreter Günter Peiritsch, der sich in der AG Inklusion des Landeselternausschusses engagiert. Es sei zu befürchten, dass Eltern und Kinder durch die pauschalen Zumessungen Rechte, wie etwa Nachteilsausgleiche bei der Notengebung, verlieren. Zudem gebe es nach Schätzungen der Eltern weniger Förderstunden als bisher.

Dem widerspricht die Senatsbildungsverwaltung vehement. Es würden deutlich mehr Lehrer als bisher benötigt. Es gehe zudem um eine bürokratische Erleichterung. Kinder sollten auch weiterhin früh diagnostiziert werden. Aber statt aufwendige Gutachten zu schreiben, hätten Sonderpädagogen dann mehr Zeit, direkt mit dem Kind zu arbeiten und Lehrer und Eltern zu beraten. Ob das Kriterium „lernmittelbefreit“ geeignet sei, um den Förderbedarf zu bestimmen, darüber werde derzeit auch intern noch diskutiert.

Eine Grünen-Politikerin sieht "Großen Klärungsbedarf"

„Die Fragen der Eltern zeigen, dass es großen Klärungbedarf gibt. Wir brauchen dringend einen konkreten Zeit- und Maßnahmeplan und Transparenz im Hinblick auf die Finanzierung“, sagte Stefanie Remlinger von den Grünen.

Ein Lob für die Bildungssenatorin fanden die Eltern übrigens doch: Am Freitag eröffnet Sandra Scheeres auf dem Bildungscampus Eichkamp das erste sogenannte „SIBUZ“: ein Beratungs- und Unterstützungszentrum, in dem Schulpsychologen und Inklusionspädagogen zusammenarbeiten und Eltern, Lehrer und Schüler beraten. Beratungszentren dieser Art soll es nach dem Senatskonzept in allen Bezirken geben. Sylvia Vogt

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