Schule in Berlin : Grundschullehrer müssen Deutsch und Mathe pauken

Der Senat einigt sich auf ein neues Lehrerbildungsgesetz. Rechnen und Schreiben sollen künftig wichtiger werden, Fächer wie Sachkunde und Musik verlieren an Bedeutung. Trotzdem sind sich CDU und SPD nicht ganz einig.

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Ostdeutsche Schüler sind besser in Mathe und in den Naturwissenschaften. Das ist keine Zauberei, sondern eine Folge des besseren Unterrichts. Foto: picture alliance
Ostdeutsche Schüler sind besser in Mathe und in den Naturwissenschaften. Das ist keine Zauberei, sondern eine Folge des besseren...Foto: picture alliance

Die Basis für das Rechnen und Schreiben sollen Berlins Schüler künftig nur von Fachlehrern vermittelt bekommen. Diese Neuerung gehört zum Kern des neuen Lehrerbildungsgesetzes, dessen Entwurf der Senat am Dienstag beschlossen hat. Weitere Neuerungen betreffen die Dauer des Studiums und die Einführung eines Praxissemesters. Beigelegt wurde der Streit um den sogenannten Einheitslehrer.

Bis zum Schluss rang die CDU um eine Abgrenzung zwischen den Lehrern an Gymnasien und an Sekundarschulen. Der Kompromiss besteht jetzt darin, dass sie formal die gleichen Lehrämter bekleiden, aber unterschiedliche Schwerpunkte im Masterstudium setzen sollen. Damit die Universitäten diese unterschiedlichen Studiengänge auch tatsächlich ausgestalten, besteht die CDU darauf, die entsprechenden Vorgaben durch eine Rechtsverordnung zu regeln. Auf diese Weise wäre das Abgeordnetenhaus damit befasst, so dass die Christdemokraten Einfluss nehmen könnten, die einen „Einheitslehrer“ auf jeden Fall verhindern wollen.

Angst vor dem „Einheitslehrer“

Die Sorge der CDU, dass die SPD durch kleine Änderungen am Gesetz den „Einheitslehrer“ doch noch durchsetzen könnte, versuchte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) nach der Senatssitzung zu zerstreuen: „Es wird unterschiedliche Masterstudiengänge mit unterschiedlichen Lehrinhalten geben“, betonte die Senatorin. CDU-Bildungsexperte Stefan Schlede zeigte sich zufrieden mit dem Kompromiss. Hingegen kritisierte er, dass das Praxissemester für angehende Lehrer erst kurz vor dem Ende des Studiums verankert wird. Der „Praxisschock“ komme damit zu spät, befürchtet Schlede. Scheeres teilt diese Sorge nicht.

Allgemeine Zufriedenheit bei den beiden Koalitionspartnern gibt es hingegen darüber, dass es gelungen ist, den Fächern Mathematik und Deutsch in der Grundschule einen höheren Stellenwert zu verschaffen: Ab dem Wintersemester 2014/15 sollen alle Grundschullehrer verpflichtet werden, sich intensiv auf diese beiden Fächer vorzubereiten. Die Pflichtstundenzahl im Studium wird fast verdreifacht. Das geht allerdings auf Kosten der anderen Fächer wie Sachkunde oder Musik, die bislang statt Deutsch oder Mathematik als Schwerpunktfächer studiert werden können. Die Industrie- und Handelskammer begrüßt diese Entwicklung. „Die Berliner Ausbildungsbetriebe bemängeln gerade in diesem Bereich seit langem fehlende Kompetenzen ihrer Azubis“, hieß es zur Begründung.

Unklar ist, welche Folgen das neue Gesetz, das noch vom Abgeordnetenhaus beschlossen werden muss, für die Besoldung der Lehrkräfte haben wird: Da die Ausbildung der verschiedenen Lehrämter künftig gleich lang sein soll – vier Jahre Studium und 18 Monate Referendariat –, gibt es Forderungen, Grund- und Oberschullehrer gleich zu bezahlen.

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