Schule in Berlin-Karlshorst : Nach Chemieunfall wieder regulärer Unterricht

Entwarnung am Hans-und-Hilde-Coppi-Gymnasium in Berlin-Karlshorst: Einen Tag nach der vorsorglichen Räumung der Schule nach einem Unfall mit einer Chemikalie kehrte wieder der Alltag ein. Die Stadtreinigung untersucht die Substanz.

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Feuergefährlich. Im Chemieunterricht ist Vorsicht geboten.
Feuergefährlich. Im Chemieunterricht ist Vorsicht geboten.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Die Flurtür ist noch mit einer schweren Kette gesichert, aber die Gefahr scheint gebannt: Am Karlshorster Hans-und-Hilde-Coppi-Gymnasium fand am Donnerstag wieder ganz regulär der Unterricht statt. Noch am Mittwoch hätte damit niemand gerechnet: Da musste nach der sechsten Stunde die Schule vollständig geräumt werden, nachdem eine unbekannte Chemikalie verschüttet worden war. Vier Lehrer kamen mit Verdacht auf Vergiftung ins Unfallkrankenhaus. Am Donnerstag dann die Entwarnung: „Niemand wurde verletzt“, berichtete die Sprecherin der Bildungsverwaltung, Beate Stoffers. Bei den beteiligten Lehrern sei „keine Beeinträchtigung“ festgestellt worden. Sie konnten am Donnerstag wieder unterrichten.

Auf dem Glas stand die Abkürzung "Ani"

Die Vorsichtsmaßnahmen waren am Mittwoch getroffen worden, nachdem mittags bei einer, laut Schulleitung, „turnusmäßigen Bestandsüberprüfung“ im Chemievorbereitungsraum aus einem nicht richtig verschlossenen Glas eine Substanz verschüttet worden war. Die Lehrer hätten vermutet, dass es sich um das hochgiftige Anilin gehandelt habe, da auf dem Etikett des Glases die Abkürzung „Ani“ gestanden habe.

"Bei dem Versuch, die Substanz aufzuwischen, zog sich die Lehrerin Hautrötungen an Händen und Armen zu", sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Die 29-Jährige musste ambulant behandelt werden. Drei weitere Angestellte der Schule gingen laut Feuerwehr "vorsorglich" ins Krankenhaus. Schüler wurden nicht verletzt.

Die BSR sollte den Stoff entsorgen

Die ausgetretene Substanz konnte zunächst nicht bestimmt werden. Feuerwehrleute in Chemieschutzanzügen bargen den Stoff, der Raum wurde gründlich gelüftet. Laut Feuerwehr wurde die Substanz an das Labor der Berliner Stadtreinigung (BSR) übergeben. Noch sei nicht bekannt, worum es sich tatsächlich gehandelt habe, sagten übereinstimmend Bildungsverwaltung und Feuerwehr. Wann der gesperrte Flur im Chemietrakt wieder geöffnet wird, war am Donnerstag nicht zu erfahren. Vorübergehend müssen Schüler und Lehrer über den Hof gehen, um in den Erdgeschosstrakt der Schule zu gelangen.

Mit Hilfe von Anilin lassen sich im Reagenzglas "relativ leicht" Farbstoffe herstellen, hieß es aus dem Fachbereich Chemie der Lise-Meitner-Schule, einem Oberstufenzentrum für Chemie, Physik und Biologie. Da der Stoff als krebserregend gilt und die Erbstubstanz verändern kann, darf es nur mit größter Vorsicht genutzt werden. Dennoch kommt es an Schulen zum Einsatz. Über die Gefährlichkeit entscheide "die Menge und die Häufigkeit", erläuterte Cornelia Ansprenger, die Leiterin des mathematisch-naturwissenschaftlich orientierten Herder-Gymnasiums in Westend. Auch in ihrer Chemiesammlung sei Anilin vorhanden.

Schon der zweite Chemieunfall

Der Unfall ist bereits der zweite, der sich dieses Jahr in einem Gymnasium in Verbindung mit dem Chemieunterricht ereignet hat. Wie berichtet, war ein Schüler des Heinrich-Schliemann-Gymnasiums in Prenzlauer Berg im Februar bei einem Experiment schwer verletzt worden. Er zog sich Verbrennungen zu. Dem Vernehmen nach kann er dennoch zurzeit an den Abiturprüfungen teilnehmen. Warum es zu dem Unfall bei dem eigentlich als harmlos geltenden Experiment, der sogenannten Pharaoschlange, kommen konnte, wurde von der Polizei untersucht. Über das Ergebnis konnte die Bildungsverwaltung am Donnerstag keine Auskunft geben.

Bei der Coppi-Schule handelt es sich um ein beliebtes Gymnasium, das gegen den Willen der Eltern und trotz guter Nachfrage vor zehn Jahren mit dem Kant-Gymnasium in Rummelsburg fusioniert werden sollte. Dies konnte 2006 durch ein Bürgerbegehren verhindert werden. Es war das erste Bürgerbegehren in der Geschichte Berlins.



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