Schule : Islamische Föderation will eigene Religionslehrer ausbilden

Die Islamische Föderation Berlin plant, im Januar 2010 mit einer speziellen Ausbildung für Islamlehrer zu beginnen. Vor fünf Jahren hat der Senat die Lehrmethoden in ihrem Unterricht kritisiert.

Ferda Ataman

Es soll eine praktische Einführung in den Beruf des Religionslehrers und in die Grundlagen des islamischen Glaubens werden: Die Islamische Föderation Berlin (IFB) hat angekündigt, dass sie im Januar 2010 mit einer speziellen Ausbildung für Islamlehrer beginnen werde, nachdem der Senat schon vor Jahren die Lehrmethoden in ihrem Unterricht kritisierte. „Wir haben ziemlich lange an dem Konzept gearbeitet“, erklärt Burhan Kesici, stellvertretender Vorsitzender der IFB.

In den vergangenen Tagen wurden Mitteilungen an islamische Dachorganisationen verschickt, die für die geplante Ausbildung werben sollen. Demnach dauert die Fortbildung in islamischer Didaktik sechs Monate und wird ausschließlich an Wochenenden stattfinden. Wer den Unterricht erteilen wird und was konkret im Lehrplan steht, wollte Kesici dem Tagesspiegel am Montag nicht sagen.

Hintergrund der neuen Ausbildung sind die Bestimmungen, die 2004 vom Senat mit der Schulgesetzreform eingeführt wurden: Nachdem 2002 der islamische Religionsunterricht der IFB begann, wurde er von beliebigen muslimischen Vereinsmitgliedern abgehalten. Mehrfach gingen bei den Behörden Beschwerden darüber ein, dass die Islamlehrer nur ungenügend Deutsch beherrschten und methodisch fragwürdig arbeiteten. Das Gesetz von 2004 regelt daher, dass nur noch Islam- und Religionswissenschaftler oder Lehrer mit zweitem Staatsexamen das Wahlfach unterrichten dürfen. Doch zu wenige solcher Absolventen bewerben sich bislang beim Dachverband - der Föderation mangelt es seit Jahren an Lehrkräften. Derzeit hat sie nach eigenen Angaben 21 Lehrer für rund 4800 Islamschüler an 30 Schulen.

Sie will daher mit einer zusätzlichen Fortbildung, die an das Studium anschließt, auf die beruflichen Möglichkeiten als islamischer Religionslehrer aufmerksam machen. „Wir wollten die Ausbildung gern auslagern und mit Hochschulen kooperieren“, sagt Kesici, doch die Berliner Unis hätten kein Interesse an einem neuen Studiengang gezeigt.

Die Islamische Föderation stand mehrfach im Visier des Staatsschutzes. Sie wurde jedoch nicht als verfassungsfeindlich eingestuft.

Die geplante Lehrerausbildung der Islamischen Föderation ist der Senatsverwaltung für Bildung derweil nicht bekannt. „Diesbezüglich hat es mit uns keine Rücksprachen gegeben“, sagt Jens Stiller, Pressesprecher von Bildungssenator Jürgen Zöllner. So eine Fortbildung ersetze in keinem Fall die Standards, die nach dem Schulgesetz gelten, erklärt Stiller. Für die Fortbildung der Lehrer sei keine finanzielle Unterstützung vorgesehen. Die Kosten für den Islamunterricht übernimmt der Senat zu 90 Prozent; im vergangenen Jahr hat er dafür rund 720 000 Euro bereitgestellt.

Dem in Berlin mühevoll anlaufenden islamischen Religionssunterricht ging ein fast zwei Jahrzehnte lang schwelender Rechtsstreit zwischen der Schulverwaltung und der Föderation voraus: 2001 hatte der Dachverband vor Gericht das Recht eingeklagt, an Berliner Schulen Religionsunterricht erteilen zu dürfen, nachdem er offiziell den Status einer Religionsgemeinschaft anerkannt bekommen hatte. Der Unterricht begann dann mit knapp 50 Schülern, ihre Zahl steigt seitdem von Jahr zu Jahr. Ferda Ataman

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