Schule : Mathematikklausur wird heute wiederholt

28.000 Berliner Zehntklässler müssen heute erneut die Matheklausur für den Mittleren Schulabschluss schreiben. Um eine weitere Panne zu vermeiden, sollen die Rektoren alle 20 Minuten ihre E-Mails kontrollieren.

Susanne Vieth-Entus

Diesmal wird nichts dem Zufall überlassen: Die Bildungsverwaltung steckt all ihren Ehrgeiz in das Gelingen der neuen Mathematikklausur für den Mittleren Schulabschluss: Die Rektoren müssen heute ab 7 Uhr bereit stehen, um die Aufgaben in Empfang zu nehmen und alle 20 Minuten in ihren E-Mail-Eingang gucken, um über mögliche Unregelmäßigkeiten informiert zu werden.

Und dann gibt es noch den Plan B: Falls doch wieder etwas durchgesickert sein sollte, werden – passwortgeschützt – ins Intranet der Schulen Ersatzaufgaben gestellt, die ausgedruckt werden müssten. Bei maximal 150 Zehntklässlern pro Schule sei das kein Problem, sagt Wolfgang Harnischfeger, Direktor des Lankwitzer Beethoven-Gymnasiums.

Aber ob es überhaupt wieder eine undichte Stelle gab, kann Harnischfeger schlecht einschätzen: „Wir sind die Letzten, die so etwas erfahren.“ Sollte es Schülern aber tatsächlich wieder gelungen sein, sich die Aufgaben zu beschaffen, würden sie sie diesmal bestimmt nicht wieder so großflächig anbieten wie vor der ersten Klausur am 11. Juni, vermutet Harnischfeger. Denn nun wüssten sie ja, dass alle 28 000 Zehntklässler wiederholen müssten, wenn etwas herauskäme. Auch Landesschülersprecher Max Walter hatte gestern nichts davon gehört, dass Aufgaben kursierten.

Gerüchte gibt es dennoch: „Der Freund eines Freundes eines Freundes hat die neuen Matheaufgaben angeboten bekommen“, berichtete gestern ein Zehntklässler. Bei genauerem Nachfragen ergaben sich aber keine Anhaltspunkte.

So spricht also bisher nichts dagegen, dass es heute um 11 Uhr losgeht – und zwar sogar in Peking, wo zurzeit einige Berliner Zehntklässler auf Klassenreise sind. Sie schreiben ihre Klausur in der deutschen Botschaft. Wer sich ebenfalls außerhalb von Berlin aufhält, aber keine Botschaft in der Nähe hat, muss zum Nachholtermin am 2. Juli antreten.

Wie die ursprünglichen Aufgaben überhaupt bekannt werden konnten, ist weiterhin unklar. Die Bildungsverwaltung hat Anzeige gegen unbekannt gestellt. Klar ist nur, dass alle 28 000 Zehntklässler wiederholen müssen, nachdem das Oberverwaltungsgericht die Beschwerde einer Schülerin abgewiesen hatte.

Hamburg hatte kürzlich anders entschieden, obwohl dort ebenfalls einer großen Zahl von Gesamt- und Realschülern die Aufgaben bekannt geworden waren. Das war aber nicht die einzige Panne in der Hansestadt: Die Aufgaben der Gymnasiasten erwiesen sich als zu schwer, sodass die neue Schulsenatorin die schwersten Aufgaben im Nachhinein aus der Bewertung streichen lassen musste. Das könnte Berlin nicht passieren: Hier schreiben alle Zehntklässler die gleiche Klausur.Susanne Vieth-Entus

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