Schule : Super Abi: So viele Einsen gab es noch nie

Kurz vor den großen Ferien kommt doch noch eine gute Nachricht: Beim zweiten Berliner Zentralabitur wurden die guten Ergebnisse des Vorjahres noch getoppt: 174 Schüler schafften die 1,0 oder 1,1.

Susanne Vieth-Entus

Berlins Schüler sind beim diesjährigen Zentralabitur ausgesprochen erfolgreich gewesen. Es fielen noch weniger Schüler durch als 2007 und noch mehr als im Vorjahr schafften die Traumnoten 1,0 und 1,1. Der Notendurchschnitt lag wie im Vorjahr bei 2,5. Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) gratulierte gestern allen 13 548 erfolgreichen Abiturienten.

Das gute Abschneiden ist vor allem deshalb bedeutsam, weil immerhin 37 Prozent des Jahrgangs das Abitur abgelegt haben. Damit belegt Berlin im Bundesvergleich eine Spitzenposition. Allerdings wird allgemein kritisiert, dass das Zentralabitur das Gesamtniveau der Prüfung gesenkt habe. Die zentral gestellten Aufgaben erlauben es nicht mehr, Spitzenleistungen abzufragen, wie sie etwa an Spezialschulen wie dem mathematisch-orientierten Heinrich-HertzGymnasium in Friedrichshain zu erwarten wären. Auch diese Schüler lösen jetzt eben die gleichen Aufgaben wie alle anderen, sodass es für sie kein Problem ist, jede Menge Abiturienten mit einer 1,0 hervorzubringen.

In diesem Punkt ist Berlin aber kein Sonderfall: Länder wie Bayern und Baden-Württemberg haben prozentual sogar noch mehr Abiturienten mit den Traumnoten von 1,1 und 1,0. Und auch dort ist es üblich, dass eine Prüfung schon mit 45 Prozent der erreichten Punkte als bestanden gilt. In Berlin gilt die 45-Prozent-Marke allerdings nur für Mathematik. In den anderen beiden zentralen Prüfungsfächern Deutsch und Englisch liegt die Mindestanforderung bei 50 Prozent.

Berlins Abiturfachmann Gerhard Nitschke ist noch aus einem anderen Grund sehr zufrieden mit dem diesjährigen Abitur: Es war das erste Mal, dass die Zweitkorrekturen innerhalb der Schule erledigt werden konnten. Dennoch sei das Ergebnis nur minimal besser ausgefallen als 2007: „Daran sieht man, dass die Lehrer objektiv bewertet haben“, resümiert Nitschke. Die Entscheidung, die Zweitkorrekturen nicht von schulfremden Pädagogen machen zu lassen, war gefallen, weil der Zeitplan beim Zentralabitur enger ist als beim dezentralen.

Insgesamt schafften 89 Schüler eine 1,0 und 85 eine 1,1. 2007 waren es 85 und 77. In früheren Jahren ohne Zentralabitur gab es zwei Drittel weniger. Die damaligen Abiturienten beklagen nun, dass sie wegen ihrer schlechteren Noten in NC-Fächern bei der Zulassung zu den Universitäten benachteiligt würden. Wie stark sich dies tatsächlich in der Praxis auswirkt, ist aber schwer zu sagen.

Besonders erfreulich ist für die Abiturienten, dass das Risiko, durchzufallen, durch das Zentralabitur erheblich verringert wurde. Während bis vor zwei Jahren regelmäßig weit über 1000 Abiturienten (rund acht Prozent) durchfielen, sind es inzwischen nur noch etwa 750 Schüler (5,3 Prozent).

Wenig Überraschungen gibt es dieses Jahr wieder unter den Spitzenplätzen. Da finden sich wie gewohnt die beiden evangelischen Gymnasien (Frohnau und Graues Kloster) sowie das Katholische Canisius-Kolleg, das Rosa-Luxemburg-Gymnasium, das Gymnasium Steglitz, das Freiherr-vom-Stein-, das Anne-Frank-, das Otto-Nagel, J.-G.-Herder, Georg-Büchner- und Heinrich-Hertz-Gymnasium. Als die besten Gesamtschule in ihrem Bezirk nennt die Bildungsverwaltung die Gustav-Heinemann, Virchow-, John-F.-Kennedy-Schule und erstmals auch die Nelson-Mandela-Schule. Das beste Abitur an den Berufsschulen gab es am Oberstufenzentrum Handel in Kreuzberg und an der Anna-Freud-Schule.

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