20-jähriges Bestehen : Jüdisches Gymnasium in Berlin-Mitte feiert heute Jubiläum

Als die Schule 1993 eröffnete, hatte sie 25 Schüler, mittlerweile sind es 420. Das Jüdische Gymnasium Moses Mendelssohn feiert am heutigen Sonntag sein 20-jähriges Bestehen. Ein Besuch bei Schulsprecher Seraphim Kirjuchin.

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Seraphim Kirjuchin, Schulsprecher des Jüdischen Gymnasiums in Berlin-Mitte, das 20-jähriges Jubiläum feiert.
Seraphim Kirjuchin, Schulsprecher des Jüdischen Gymnasiums in Berlin-Mitte, das 20-jähriges Jubiläum feiert.Foto: Georg Moritz

Das Besondere an seiner Schule ist das Familiäre, meint Seraphim Kirjuchin, und dass es eine jüdische Schule ist. Die familiäre Atmosphäre habe mit dem jüdischen Glauben zu tun, sagt der Schulsprecher, während er durch das Treppenhaus läuft. 2013 ist ein besonderes Jahr für ihn und für das Jüdische Gymnasium Moses Mendelssohn in Berlin-Mitte. Er macht sein Abi und die Schule feiert ihr 20-jähriges Bestehen. An diesem Sonntag gibt es das große Jubiläumsfest, los geht es um 15 Uhr.

Als die Schule 1993 eröffnete, hatte sie 25 Schüler, mittlerweile sind es 420. Das Jüdische Gymnasium will die jüdische Identität der Schüler bestärken und gleichzeitig weltoffen sein. An den Wänden erzählen Fotos und Plakate von Reisen nach Israel und von deutschen Nobelpreisträgern, die Juden waren. Sie erinnern an die jüdische Geschichte im Viertel und an das Jahr 1942, als die im selben Gebäude in der Großen Hamburger Straße angesiedelte jüdische Schule von den Nationalsozialisten geschlossen wurde.

Die Familien der heutigen Schüler sind zum Teil aus Russland, aus den USA und aus Israel nach Berlin gekommen. Kirjuchin hat Verwandte in Moskau und Sankt Petersburg. 65 Prozent der Schüler sind jüdisch, wobei die Kinder ihr Judentum unterschiedlich verstehen und praktizieren. Orthodoxe Schüler wie Kirjuchin machen an der Schule eine relativ kleine Gruppe aus.

Das Jüdische Gymnasium Moses Mendelssohn in Mitte feiert am Sonntag 20-jähriges Bestehen.
Das Jüdische Gymnasium Moses Mendelssohn in Mitte feiert am Sonntag 20-jähriges Bestehen.Foto: Hauke Cornelius

Die Sicherheitskontrollen am Eingang gehören für die Schüler zum Schulalltag. Vor dem Jüdischen Gymnasium hat Kirjuchin eine öffentliche Grundschule in Berlin besucht. Er habe dort als Jude keine Probleme gehabt. Allein dass sich das Gymnasium an den jüdischen Feiertagen orientiert, mache im Alltag aber einen Unterschied.

Besonders die jüdischen Feiertage verbinden die Schule, sagt Kirjuchin. Das Jüdische Neujahr oder das Pessach-Fest zum Beispiel würden vorab gemeinsam gefeiert. So kennen sich Schüler, Eltern und Lehrer nicht nur aus dem Klassenzimmer. Bis zur 10. Klasse wird auch der Shabbat manchmal gemeinsam gefeiert. Alle lernen bis zur 10. Klasse verpflichtend Hebräisch und haben bis zum 2. Semester der Qualifizierungsphase für das Abitur Unterricht in jüdischer Religionsphilosophie. Das Schulmittagessen ist kosher.

Prägend war für Kirjuchin, dass die Schüler in ihren besonderen Interessen gefördert werden. Auf einer gemeinsamen Israel-Fahrt in der 10. Klasse habe er seine Freude an englischer Dichtung entdeckt und sich seitdem immer wieder mit seinem Englisch-Lehrer getroffen, um welche aufzusagen. Andere Schüler würden zum Beispiel in Russisch oder der Musik stark gefördert. Immer wieder treffe man auf Lehrer, die einen ermutigen und sagen „Mach weiter so.“ Nach dem Abitur will er Medizin studieren und sich vielleicht auf Psychiatrie spezialisieren, irgendwann möchte er nach Israel gehen. „Schade, war schön hier“ sagt Kirjuchin auf dem Weg aus dem Schulgebäude. Ihm habe gefallen, „dass man hier in Ruhe gedeihen kann.“

Zum zwanzigjährigen Bestehen der Schule gibt es eine Festschrift: Das Buch "Identität und Vielfalt – 20 Jahre Jüdisches Gymnasium Moses Mendelssohn" ist im Verlag für Berlin und Brandenburg erschienen und ab sofort erhältlich. Bis zum 15.6.2013 gilt der Subskriptionspreis von 17,95€, später 22,95€. Ab sofort wird die Festschrift auch in der Schule verkauft, und zwar täglich von 13.15–14.00 Uhr im 2. Stock. Große Hamburger Straße 27, 10115 Berlin.

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