Schule : 20 Millionen Opel aus Bochum in 40 Jahren

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Im Opel-Werk in Bochum wird an diesem Wochenende gefeiert. Denn vor nunmehr 40 Jahren rollte hier der erste Opel vom Band – ein Kadett A. Drei Jahre zuvor hatte man in Rüsselsheim entschieden, das Opel-Angebot durch ein Fahrzeug in der unteren Mittelklasse zu erweitern – ein in Großserie gebautes technisch und preislich attraktives Kompaktauto mit einer geschätzten Tagesproduktion von rund 1000 Fahrzeugen, für die man eine Belegschaft von rund 10 000 Mitarbeitern veranschlagte. Für dieses gewaltige Projekt reichten die vorhandenen Produktionskapazitäten nicht aus – ein neues Werk musste her. Als Standort kristallisierte sich sehr schnell das Ruhrgebiet als industrielles Ballungszentrum heraus und dort vor allem die Stadt Bochum. Eine gewaltige Bergbaukrise begann Ende der 50er die Strukturen dieser rund ein Jahrhundert lang von Kohle und Stahl geprägten Region tiefgreifend zu verändern. Zeche für Zeche musste schließen und allein in Bochum verloren binnen fünf Jahren von 43 000 Bergarbeitern mehr als 23 000 ihren Arbeitsplatz. Eine dramatische Lage, die dringend nach neuen Arbeitsplätzen in neuen Industrien verlangte.

Auf altem Zechengelände

Opels Suche nach einem Standort für ein großes Automobilwerk kam da wie gerufen. Man handelte schnell in Bochum, bot Opel zwei ehemalige Zechengelände als Baugrund an. Opel nahm an und schon im August 1960 drehten sich auf den Geländen der früheren Zechen Dannenbaum und Bruchstraße die Baukräne, begann auf der damals größten Industriebaustelle Europas auf einer Fläche von rund 1,7 Millionen Quadratmeter mit zwei rund fünf Kilometer voneinander entfernten Werken mit einer Investitionsumme von 1,3 Milliarden DM die damals modernste Automobilfabrik Europas Gestalt anzunehmen. Parallel dazu startete eines der größten Umschulungsprogramme der Industriegeschichte. Denn aus arbeitslosen Bergarbeitern, die eine ganz andere Art von Arbeit gewohnt waren, galt es in kurzer Zeit rund 9300 Automobilbauer zu machen.

Es wurde schnell gearbeitet, denn nur zwei Jahre nach dem ersten Spatenstich rollte in Bochum der erste Kadett vom Band. Ein Erfolgsauto, von dem bis 1965 insgesamt 649 517 Einheiten gebaut werden sollten. 1964 eröffnete Bochum eine große Lehrwerkstatt eröffnete. Auf eine Stückzahl von 2,73 Millionen brachte es der bis 1973 gebaute Kadett B. Schon 1966 erhielt Bochum einen ganz besonderen Auftrag. Denn mit dem Opel GT entstand hier eines der schönsten Opel-Modelle jener Jahre, von dem insgesamt 103 465 Stück gebaut wurden. Von 1970 an liefen bis 1980 neben dem Kadett B auch der Manta A sowie der Ascona A und B vom Band, auf dem der Kadett B bereits 1973 durch den Kadett C abgelöst wurde, der es bis 1979 auf eine Produktionszahl von 1,7 Millionen brachte.

Neues Werk in alten Mauern

Mit der vierten Kadett-Generation, dem Kadett D gab es eine gewaltige Umstellung. Denn erstmals setzte man statt des bisher gewohnten Hinterradantriebs nun auf Frontantrieb. Rund 2,0 Millionen Kadett D und zwischen 1984 und 1991 und knapp 3,79 Milllionen Kadett E wurden in Bochum gebaut, wo heute der Astra Caravan und der Kompaktvan Zafira entstehen. In einem Werk, bei dem von den ersten Fabriken aus den 60ern lediglich die Außenmauern erhalten geblieben sind. Denn innen wurden die Werke bereits mit jedem Modellwechsel auf den jeweils modernsten technischen Stand gebracht und zwischen 1995 und 1999 mit einem Gesamtaufwand von rund 1,7 Milliarden Euro völlig restrukturiert. Um die aktuellen Astra und Zafira-Modelle zu fertigen, entstand praktisch ein hochmodernes neues Werk in den Mauern des alten Werkes. Eine Fertigungsstätte, die konsequent auch nach Gesichtspunkten optimaler Umweltverträglichkeit gestaltet wurde. Schon 1987 setzte die Lackiererei in Bochum erstmals wasserbasierte Lacke in großtechnischem Maßstab ein.

Das Bochumer Werk fertigt mit seinen derzeit rund 11 000 Mitarbeitern nicht nur komplette Autos, sondern auch zahlreiche Fahrzeugteile, die an zahlreiche andere Fertigungstätten im weltweiten GM-Opel-Verbund geliefert werden. Rechnet man alles zusammen, dann ergeben sich beachtliche Zahlen für die letzten vier Jahrzehnte. Denn neben 10,107 Millionen kompletten Fahrzeugen, die von den Bändern rollten, wurden Komponenten für weitere 10,253 Millionen Autos gefertigt, so dass insgesamt 20,360 Millionen Autos aus Bochumer Komponenten gebaut wurden.

Derzeit wird in Bochum gerade das Presswerk für mehr als 50 Millionen Euro modernisiert. Und dann gilt es bald schon, die Bänder für neue Produkte vorzubereiten, denn auch die nächste Generation von Astra und Zafira – von ihm sind bislang 732 000 Stück gefertigt worden – wird in Bochum gebaut werden. ivd

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