Schule : 350Z – ein rassiger Sportler auf ganzer Linie

Neues Coupé von Nissan bietet exzellente Fahrleistungen und eine gelungene Optik zu einem mehr als attraktiven Preis

Ingo von Dahlern

Nissan und Sportwagen – passt das überhaupt zusammen? Ja – und zwar besser als viele glauben. Denn mit 1,4 Millionen Exemplaren seiner Z-Serie hat Nissan zwischen 1969 und 1996 die weltweit erfolgreichste Sportwagenreihe auf die Räder gestellt. Davon rollte bereits jeder Hundertste auf deutschen Straßen. Beim neuen 350Z, der seit dem Herbst 2002 in Japan und in den USA angeboten wird und dort fast spontan zum meistverkauften Sportwagen wurde, könnte dieser Prozentsatz in Deutschland schnell höher werden.

Mit dem 350Z kommt im Oktober ein Auto, dass sich durchaus mit solchen Modellen wie Audi TT, BMW Z4, Honda S2000, Mercedes SLK und Porsche Boxster messen kann – beim Design ebenso wie bei der Motorisierung und den Fahrleistungen. Deutlich unter allen Konkurrenten liegt er allerdings im Preis: 33 500 Euro für das gut ausgestattete Basismodell mit Klimaautomatik, Xenon-Licht, Leichtmetallfelgen und ESP; 35 900 Euro für das Spitzenmodell Premium Pack mit Leder, Bose-Soundsystem und Temporegler. Damit ist der 350Z der einzige Sportwagen mit mehr als 250 PS (191 kW), der weit unter der 40 000-Euro-Grenze liegt. Beim Preis wird er allerdings schon bald Konkurrenz bekommen. Denn für 37 200 Euro wird der Chrysler Crossfire zu haben sein, der mit seinen 160 kW (217 PS) beachtliche Fahrleistungen bringt und ebenso wie der 350Z ein rassiger Sportler ist.

Wer mit dem Nissan unterwegs ist, fällt auf. Denn dieses Auto hat eine Linie, die sofort fasziniert. Zwar wird man bei Nissan nicht müde zu betonen, dass einige Design-Elemente anknüpfen an die früheren Z-Modelle mit ihrer an einen Jaguar erinnernden Linie und einer betont langen Motorhaube. Aber bis auf das klassische Z-Signet ist davon beim 350Z außen nichts zu entdecken. Wer dieses Auto betrachtet, denkt eher an Porsche, vor allem dann, wenn man er es schräg von hinten betrachtet. Aus der Seitenperspektive zeigt sich dann allerdings eine sehr typische eigene, fast dreieckige Dachlinie. Und deutlich länger als bei Porsche fällt der Radstand aus. Denn der 350Z, der mit 3,41 Meter ein Zentimeter kürzer ist als ein Boxster, bringt es beim Radstand auf 2,65 Meter – der Boxster nur auf 2,42 Meter. Das bedeutet extrem kurze Überhänge vorn und hinten, die den 350Z betont dynamisch auftreten lassen.

Und er sieht nicht nur flink aus – er ist es in so überzeugender Weise, dass man gar nicht mehr von ihm lassen möchte, wenn man den 350Z erst einmal ein paar Stunden bewegen durfte. Aber der Reihe nach. Erst einmal muss man sich auf dem Fahrersitz einrichten. Der Platz in diesem Auto ist überraschend großzügig, trotz der kompakten Abmessungen. Der bequeme und guten Seitenhalt gebende Fahrersitz hat eine hohe Lehne mit verstellbarer Kopfstütze. Elektrisch in Höhe, Länge und Lehnenneigung einstellbar, ermöglicht er zusammen mit der neigungsverstellbaren Lenksäule, schnell eine sichere Position hinter dem lederbezogenen Dreispeichen-Lenkrad zu finden. Da die drei großen Rundinstrumente mit dem besonders großen Drehzahlmesser in der Mitte fest mit der Lenksäule verbunden sind, bleiben sie auch dann gut im Blickfeld, wenn man die Lenkradneigung verändert. Sicheren Halt bei flotter Kurvenfahrt gibt die gut positionierte Fußstütze links neben den glänzenden Aluminiumpedalen.

So fühlt man sich bestens mit diesem Fahrzeug verbunden, dessen Interieur eine ganz eigene Linie zeigt. Das gilt für das Design von Türöffnern, Lenkstockhebeln und auch den kurzen Schalthebel, die vielen Aluminium-Applikationen sowie die drei mittig positionierten Rundinstrumente, wie es sie ähnlich bereits beim 240Z gab. Und das gilt vor allem auch für die auf Wunsch verfügbare Lederausstattung, die in der Version Alazan-Orange einen überzeugenden Kontrast zu den schwarzen und silbernen Elementen des Innenraums bietet. Gut gefallen haben uns auch die Oberflächen der hier eingesetzten hochwertigen Materialien - mit einer Ausnahme. Das Material, mit dem der eigenwillige Bügel im Gepäckraum verkleidet ist, zeigte sich extrem kratzempfindlich, so dass es bereits nach wenigen Monaten recht alt aussehen dürfte.

Aber das lässt sich wohl ebenso schnell korrigieren wie ein paar störende Schweißpunkte, die beim Öffnen der großen Heckklappe sichtbar werden. Hinter der verbirgt sich ein mit 235 Liter für ein Sportcoupé sehr akzeptabler Laderaum. Gefehlt hat uns allerdings das Handschuhfach. Zwar gibt es im 350Z ein ordentliches Fach in der Mittelkonsole und ein aktentaschengroßes Staufach hinterm Beifahrersitz – aber man kommt während der Fahrt nicht heran. Auch die großen Taschen an den Rückenlehnen sind dann nicht zugänglich.

Anlassen. Mit kräftigem Sound aus dem Auspuff kündigt der 350Z an, dass unter seiner langen Motorhaube aus Aluminium ein kräftiges Triebwerk agiert – ein 3,5-Liter-V6 aus Aluminium, der 206 kW (280 PS) leistet und bei 4800/min sein höchstes Drehmoment von 363 Nm liefert. Ein Motor aus einer seit einem Jahrzehnt bewährten und erfolgreichen Motorenfamilie, der unter anderem auch im Renault Vel Satis eingesetzt wird. In einer speziell auf den 350Z abgestimmten Variante fordert er zum vorsichtigen Umgang mit dem Gaspedal heraus. Denn seine Kraft reicht aus, den mit 1522 Kilo nicht gerade leichten Zweisitzer binnen 5,9 Sekunden auf Tempo 100 zu beschleunigen. Und auf freier Autobahn kann man ihn zügig auf Tempo 250 bringen, ehe ihn die Elektronik sanft abgeregelt.

Er reagiert spontan, der längs eingebaute V6, der beim 350Z die Hinterräder antreibt. Und er hat Kraftreserven in jedem Drehzahlbereich, hängt geradezu am Gas, wenn man auf der Landstraße unterwegs ist und zu einem schnellen Überholmanöver ansetzt, überrascht aber auch mit schneller Reaktion bei zügiger Autobahnfahrt. Das Sechsgang-Schaltgetriebe mit dem kurzen Schalthebel lässt sich mit den Fingerspitzen bedienen. Und da der sechste Gang lang ausgelegt ist, lassen sich auch flotte Autobahntouren bei niedrigen Drehzahlen, niedrigen Geräuschen und niedrigem Verbrauch bewältigen – der liegt bei durchschnittlich 11,1 l/100 km. Gestört haben uns bei hohem Tempo allerdings einige unangenehme Windgeräusche.

Geradezu begeistert hat uns das Fahrwerk des 350Z – sowohl auf der Autobahn als auch auf kurvigen Landstraßen. Mit seinen aufwändigen Mehrlenkerkonstruktionen vorn und hinten, dem tief liegenden Schwerpunkt, der recht direkten zielgenauen Lenkung und der breiten Spur lassen sich Kurven sicher und mit minimaler Seitenneigung bewältigen – das ist Fahrvergnügen pur. Und wenn nötig, sorgt das leistungsstarke Brembo-Bremssystem für optimales Verzögern.

Allerdings hat man sich bei Nissan auch viel Mühe gegeben, den 350Z in seiner Europaversion speziell auf die hier üblichen höheren Geschwindigkeiten auszulegen. Zum einen durch eine angepasste Fahrwerksabstimmung, zum andern durch ein Aero-Kit mit Spoilern und Diffusor am Wagenboden. Zudem ist die Fahrdynamikregelung ESP in Europa ebenso Serienausstattung´wie das ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung und Bremsassistent. Das Kühlsystem ist leistungsstärker als bei den USA-Versionen. Auch das Differenzial, ausgelegt als Sperrdifferenzial mit begrenztem Schlupf, wird besser mit Kühlluft versorgt und hat zusätzliche Kühlrippen. An diese Unterschiede sollten übrigens alle 350Z-Interessenten denken, die den Import einer USA-Version erwägen – denn die mag auch nach der Umrüstung der Lichttechnik und einiger anderer Details zwar preiswerter sein, ist dafür aber nur bedingt europatauglich.

Nissan hat mit dem 350Z mehr als nur gute Chancen, in der europäischen Sportwagenszene künftig ein gewichtiges Wort mitzureden und damit zugleich das Image des Unternehmens weiter aufzuwerten. Denn als Allianzpartner von Renault hat Nissan inzwischen das Tief der vergangenen Jahre überwunden und gewinnt mit so mutig designten Modellen wie dem neuen Primera und dem neuen Micra sowie Erfolgsmodellen wie dem X-Trail neues Profil – mit dem 350Z nun auch in der Sportwagenszene.

1600 noch in diesem Jahr und 4000 im nächsten Jahr will Nissan in Deutschland verkaufen. Das scheint uns eher knapp kalkuliert. Nissan hat sich übrigens entschieden, seinen neuen Sportler bei uns grundsätzlich nur mit Sechsgang-Schaltgetriebe anzubieten. Mit Blick auf die Konkurrenz meinen wir allerdings, dass er auch mit einer Automatik mit zusätzlicher manueller Schaltgasse eine gute Figur machen würde. Er könnte dann in Europa sogar Käufer finden, die nicht zu dem bisher von Nissan anvisierten jüngeren Käuferkreis gehören. Mit Blick auf die Alltagstauglichkeit dieses Autos wäre für all die, die oft in dichtem Verkehr unterwegs sein müssen, eine Automatik sicher ein attraktives Angebot – und die Sportlichkeit wird damit auf keinen Fall in Frage gestellt. Das zeigen die erfolgreichen Automatikversionen der Konkurrenz.

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