Abitur 2015 : Für 360 Tage in die Welt

Ein Praktikum im Ausland bringt viele wertvolle Erfahrungen – das kann auch später bei der Jobsuche hilfreich sein.

Indien, Brasilien oder China? Ein Auslandspraktikum an einem ungewöhnlichen Einsatzort ist ein Hingucker im Lebenslauf. Bei kommerziellen Anbietern sollte man allerdings genau auf die Kosten achten. Foto: Franziska Gabbert
Indien, Brasilien oder China? Ein Auslandspraktikum an einem ungewöhnlichen Einsatzort ist ein Hingucker im Lebenslauf. Bei...Foto: Franziska Gabbert

Eine Zeit im Ausland gelebt zu haben, gehört für viele junge Akademiker dazu. Doch es muss nicht immer ein Studienaufenthalt sein: Ein Praktikum im Ausland bietet Einblicke in eine fremde Arbeitswelt. Das beeindruckt auch Personaler: „Von Ehemaligen hören wir oft, dass es sich bezahlt macht, wenn im Lebenslauf ein Praktikum an einem ungewöhnlichen Einsatzort steht“, sagt Karin Pankau, Teamleiterin beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) in Bonn.

Der DAAD vermittelt Fachpraktika mit Bezug zum Studium oder einer wissenschaftlichen Tätigkeit. Außergewöhnliche Ziele gehören dazu. Viele der Praktikumsstellen liegen in Brasilien, Indien, Russland oder China.

Doch nicht immer ist weit weg auch besser. „Viel wichtiger als der Exotikfaktor ist die Frage, was vor Ort gemacht wird“, sagt Robert Helm-Pleuger. Er ist Berater beim Netzwerk Eurodesk in Bonn. Das Netzwerk unterstützt alle, die einen Auslandsaufenthalt planen. „Egal, ob als Au-pair, Freiwilliger oder Praktikant“, sagt Helm-Pleuger. 

Gerade für Jugendliche sei ein Praktikum oft nicht das Richtige: „Die meisten wollen vor allem Auslandserfahrung sammeln.“ In diesem Fall rät der Experte zu einem internationalen Freiwilligendienst. Azubis könnten von einem Auslandspraktikum aber durchaus profitieren. Sinnvoll sei das gegen Ende der Ausbildung.

Keine Fantasiegebühren für die Vermittlung bezahlen

Doch wie kommt man an das erhoffte Auslandspraktikum? Am einfachsten ist es, wenn es bereits Kooperationen an der Uni oder im Betrieb gibt. Gute Anlaufstellen für Azubis sind die Industrie- und Handelskammern. Für Hochschüler gibt es an den meisten Hochschulen eigene Beratungsstellen.

Claudia Schönherr berät im Leonardo-Büro Sachsen in Dresden Studenten bei der Planung von Auslandspraktika. Dazu gehört es, sich frühzeitig über die Finanzierung Gedanken zu machen. Von der EU werden Auslandspraktika finanziell unterstützt, wenn sie Teil einer Ausbildung oder des Studiums sind. Jeder Student kann die Erasmus-Förderung für maximal 360 Tage beanspruchen – jeweils während des Bachelor- oder Masterstudiums. „Die Bewerbung muss während des Studiums erfolgen“, sagt Schönherr. „Das Praktikum selbst kann aber bis zu zwölf Monate nach dem Studienabschluss gemacht werden.“ 

Auf dem Markt für Auslandspraktika tummeln sich auch etliche kommerzielle Anbieter. Doch Helm-Pleuger warnt: „Man sollte genau hinschauen, wofür Kosten entstehen.“ Steht dahinter eine echte Leistung, wie die Regelung von Formalitäten, oder werden Fantasiegebühren erhoben? „Ich persönlich würde keine Vermittlungsgebühr dafür bezahlen, um im Ausland arbeiten zu dürfen.“

Selbst wenn die Zusage und die Förderung stehen, gibt es noch einiges zu tun: „Ein Touristenvisum reicht bei einem Praktikum in der Regel nicht aus“, sagt Schönherr. Die Einreise muss daher entsprechend geplant werden. Außerdem sollte man sich gut über das Gastland informieren, um kulturelle Fettnäpfchen zu vermeiden. „Gerade im Praktikum muss man das Feedback eines Vorgesetzten richtig interpretieren können.“ dpa

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