Abitur 2015 : Hier kommen wir

Drei Berliner Abiturienten erzählen von ihren Plänen für das Leben nach der Schule. Der Weg, der vor ihnen liegt, ist nicht immer gerade. Aber ihre Freunde und ihre Familie geben ihnen Halt.

Anke Assig
Endlich durchstarten. Mit dem Abiturzeugnis in der Tasche stehen viele Wege offen.
Endlich durchstarten. Mit dem Abiturzeugnis in der Tasche stehen viele Wege offen.Foto: shock/Fotolia

Es war die letzte Geduldsprobe ihrer Schulzeit. Aufgeregt warteten 114 junge Frauen und Männer in der Aula des Hans-und-Hilde-Coppi-Gymnasiums in Lichtenberg auf die Verkündung ihrer Abiturnoten. Unter ihnen drei Freunde, die mit großen Hoffnungen, aber auch ein wenig bang den kommenden Monaten entgegen sehen. Was haben sie vor, jetzt, wo ihnen so viele Wege ins Leben offenstehen?

Mit dem dualen Studium hat es für Johanna nicht geklappt

Der 18-jährigen Johanna fielen ganze Gebirge vom Herzen, als sie am 10. Juni die letzte Prüfung hinter sich gebracht hatte. Mit ihrer Abiturnote von 2,3 ist sie zufrieden. Jetzt genießt sie die freie Zeit mit Freunden und der Familie. Bei den Berliner Universitäten und der Uni Potsdam liegen bereits ihre Bewerbungen.

Johanna möchte Medien- und Kommunikationswissenschaften studieren. Das weiß sie, seit sie im vergangenen Jahr eine Studien-Infomesse besucht hat. Damals hatte sie sich außerdem um einen Studienplatz für ein duales BWL-Studium beworben. „Da bekommt man während des Studierens bereits Geld, das ist sehr praktisch“.

Das hat leider nicht geklappt. Ihr Ziel ist es nun, später einmal Öffentlichkeitsarbeit zu machen oder als Redakteurin für einen Verlag zu arbeiten. Erste Erfahrungen hat sie schon. Während eines Ferienpraktikums hat sie Plakate für eine Stiftung entworfen. „Sie werden tatsächlich bei Schulungen genutzt“, freut sich die junge Frau. Für den Fall, dass es mit dem Studienplatz nicht sofort klappt, plant Johanna ein längeres Praktikum in der Pressestelle einer kirchlichen Einrichtung.

Uni-Luft schnuppert sie schon eine Weile, denn ihr Freund studiert in Paderborn. Deshalb würde sie, wenn es nicht anders geht, auch an die Uni in Köln gehen. Aber eigentlich möchte sie in Berlin bleiben. Noch kann sie sich nicht vorstellen, einmal ins Ausland zu gehen. Ihre Freunde und die Familie sind ihr sehr wichtig. Dass ihre Eltern, die selbst nicht an einer Universität studiert haben, sie voll und ganz bei ihrem Studienwunsch unterstützen, bedeutet Johanna viel.

Aljoscha liebt die Musik, möchte aber Design studieren

Aljoscha, ebenfalls 18, stammt aus einer Künstlerfamilie. Seit fünf Jahren macht der Sohn einer Musikerin und eines musizierenden Englischlehrers als Schlagzeuger mit seiner Band „Lewiston Tramps“ auch selbst Musik. Kürzlich ist die Rock’n’Roll-Band bei einem Nachwuchswettbewerb in der Schweiz aufgetreten. „Bei solchen Wettbewerben können Bands richtig groß rauskommen“, sagt Aljoscha.

Doch auch, wenn er viel Zeit in sein Hobby investiert und insgeheim auf den baldigen Erfolg als Musiker hofft, gehen seine beruflichen Ambitionen langfristig in eine andere Richtung. Der Lichtenberger mit der Abi-Note 2,8 möchte Design studieren und dann am Computer elektronische Geräte, Gebrauchsgegenstände und vielleicht sogar Autos entwerfen.

Damit er sich an der Kunsthochschule in Weißensee oder der Hochschule für Technik und Wirtschaft bewerben kann, braucht er überzeugende Zeichenproben und ein mehrwöchiges Vorpraktikum. Das absolviert Aljoscha demnächst in einer Künstlerinitiative und nimmt dafür ein Wartesemester in Kauf. Auch einen Mappenkurs wird er besuchen. Sicher ist sicher, denn einen Plan B hat er nicht. Bevor es aber losgeht, besucht er Familie und Freunde in Russland und macht Urlaub an der Ostsee.

Aljoscha weiß zwar noch nicht genau, wo er in fünf Jahren stehen wird. Aber irgendwo zwischen Kreativität und Vertrieb sollte es sein, gern in verschiedenen europäischen Ländern.

Melanie kann sich eine Ausbildung als Musiktherapeutin vorstellen

Mit einer Woche Urlaub in Barcelona hat sich Melanie für die anstrengende Prüfungszeit belohnt. Als sie 15 Jahre alt war, wollte sie Modedesignerin werden und hat deshalb ein Praktikum in einem Kurzwarengeschäft am Alex absolviert. Von diesem Wunsch ist die heute 19-Jährige wieder abgekommen. Stoffe, Schnitte und Designs sollen nur ihr Hobby bleiben.

Die Köpenickerin wünscht sich einen Beruf, in dem sie mit Menschen zu tun hat. Am liebsten würde sie Soziale Arbeit oder Erziehung und Bildung im Kindesalter an der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin studieren. „Das eröffnet mir eine ganze Bandbreite an beruflichen Möglichkeiten“. Um die Studienvoraussetzungen zu erfüllen, hat sie sich gleich nach dem Abitur um eine Hospitanz in der Kinder- und Jugendhilfe bemüht. Doch der Numerus Clausus ist hoch und mit der Abi-Note von 2,5 wahrscheinlich nicht im ersten Anlauf zu schaffen.

Ob es im Nachrückverfahren klappt, ist ungewiss. Deshalb hält Melanie nun nach Praktikumsplätzen im sozialen Bereich Ausschau. Der Umgang mit Menschen macht ihr Freude und darf ruhig eine Herausforderung sein. Kinderheime und Jugendhilfeeinrichtungen kommen in Frage, aber auch Einrichtungen für Menschen mit Behinderung.

Die junge Frau, die in einem Chor singt, kann sich auch eine Ausbildung als Musiktherapeutin vorstellen. Damit ließe sich die Wartezeit auf den Studienplatz sinnvoll überbrücken.

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