Abiturnoten : Die Berliner Einser-Inflation

Die Tendenz hält an: Seit Einführung des Zentralabiturs wächst in Berlin die Zahl der Schüler, die die Spitzennoten 1,0 oder 1,1 erreichen. Allerdings gibt es in diesem Jahr auch mehr Durchfaller.

Susanne Vieth-Entus

BerlinInsgesamt sind in diesem Jahr fast 14.000 junge Berliner erfolgreich gewesen - und haben ihr Abitur gemacht. Das entspricht einer landesweiten Abiturquote von 40 Prozent. Im Jahr 2008 lag sie noch bei 37 Prozent. Den Notendurchschnitt gab die Senatsverwaltung für Bildung am Donnerstag mit 2,5 an. Die Durchfallquote stieg gegenüber dem Vorjahr leicht von 5,3 auf 5,6. Dies entsprach 788 Schülern (2008: 763).

Die Note 1,0 wurde dieses Jahr 112 Mal vergeben, (und 92 Mal die 1,1). Zum Vergleich: 2008 erreichten 89 Schüler die 1,0, und 2007 waren es 85. Wie stark sich die Noten verbessert haben, zeigt der Vergleich mit den Jahren vor Einführung des Zentralabiturs: Damals fielen stets rund acht Prozent der Schüler durch. Die Note 1,0 war die Ausnahme: Im Jahr 2000 schafften das 21 Schüler, 2005 waren es 35. Insgesamt lag der Schnitt meist bei 2,7. Diese Tendenz ist in allen Bundesländern mit Zentralabitur zu verzeichnen – auch Bayern und Baden-Württemberg etwa haben vergleichbar viele Absolventen mit einer 1,0.

Aufgaben werden im Schnitt leichter

Das gute Abschneiden war von vielen Schulleitern erwartet worden: Allgemein hieß es, die Aufgaben seien fair und zu bewältigen gewesen. Einzig die Absolventen des Mathematik-Leistungskurses hatten sich über eine Überfülle an Aufgaben in ihrer Klausur beklagt, allerdings nicht über den Schwierigkeitsgrad.

Insgesamt hat die Einführung des Zentralabiturs bewirkt, dass die Aufgaben im Schnitt leichter wurden: Die Spitzengymnasien stellen nach wie vor fest, dass ihre Schüler in den zentralen Prüfungen nicht an ihre Grenzen gehen können, da sich die Aufgaben am Durchschnitt orientieren. Dagegen konnten vor allem spezialisierte Gymnasien früher auf sehr hohem Niveau Aufgaben stellen. Das ist jetzt in den Hauptfächern vorbei, weil in Deutsch, Mathematik und der ersten Fremdsprache zentrale Aufgaben gestellt werden. Die sind nun für alle Schulen mit gymnasialer Oberstufe gleich – dazu gehören etwa 100 Gymnasien, 38 Gesamtschulen, 15 Berufliche Gymnasien, sechs Kollegs und Abendgymnasien sowie eine Sonderschule mit gymnasialer Oberstufe.

Lichtenberg und Mitte haben die höchste Durchfallquote

Leicht gesunken ist der Anteil der Abiturienten mit Migrationshintergrund. Er liegt bei 11,3 Prozent (2008: 11,5 Prozent), während ihr Anteil an der Gesamtschülerschaft etwa 30 Prozent beträgt.

Wenig geändert hat sich auch bei der bezirklichen Verteilung der Leistungen: Im Regionalvergleich liegen die Notendurchschnitte in Reinickendorf, Steglitz-Zehlendorf, Charlottenburg-Wilmersdorf und Pankow bei 2,4 und in den übrigen Bezirken bei 2,5. Der Anteil der Durchfaller ist in Steglitz-Zehlendorf mit 2,5 Prozent am geringsten und in Lichtenberg und Mitte am höchsten: Hier liegt er bei rund acht Prozent  – so wie in ganz Berlin vor dem Zentralabitur.

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