Ärztlicher Notstand : 1100 Kinder ohne Einschulungsuntersuchung

Friedrichshain-Kreuzberg kommt seinen gesetzlichen Pflichten nicht nach, weil es zu wenig Bezirksärzte gibt. Davon sind auch die Kitakinder betroffen.

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Vor der ersten Stunde sollten Erstklässler eigentlich zum Amtsarzt.
Vor der ersten Stunde sollten Erstklässler eigentlich zum Amtsarzt.Foto: picture alliance / dpa

Die Untersuchung aller Erstklässler vor der Einschulung gehört zu den gesetzliche Pflichten der Bezirke. In diesem Jahr sieht es allerdings so aus, als könnte zumindest Friedrichshain-Kreuzberg dieser Pflicht nicht gerecht werden: Personelle Einsparungen im Kinder- und Jugend Gesundheitsdienst bei gleichzeitigem Anstieg der Kinderzahlen führen dazu, dass „die fristgerechte Umsetzung dieser gesetzlichen Pflichtaufgabe nicht sichergestellt werden kann“, teilte Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne), die für das Gesundheitsressort zuständig ist, auf Anfrage mit.

Diese Mitteilung ist aus mehreren Gründen brisant. Zum einen besteht das Risiko, dass schlecht entwickelte oder kranke Kinder eingeschult werden, ohne dass vorher Zeit für eine Therapie bliebe. Dies betrifft vor allem zugezogene Kinder, die im Vorfeld nicht regelmäßig ärztlich untersucht wurden. Zum anderen haben die Eltern Probleme, für den Fall einer notwendigen Rückstellung ihren Kinder die Kitaplätze zu reservieren: Die meisten Kitaträger drängen darauf, bis Mai eine verbindliche Aussage zu erhalten, ob der Kitaplatz noch ein weiteres Jahr benötigt wird.

Dennoch haben die Bezirksärzte keine Möglichkeit, das Verfahren zu beschleunigen, da sie mit weniger Personal heute wesentlich mehr Kinder untersuchen müssen als in den Vorjahren. Erschwerend kommt hinzu, dass hunderte Kinder doppelt untersucht werden müssen, weil sie im Vorjahr von der Schulpflicht zurückgestellt worden waren. Zudem müssen die Ärzte die steigende Zahl von Flüchtlings- und Asylberwerberfamilien versorgen. Inzwischen führt der Personalengpass dazu, dass die Kita-Untersuchungen der Drei- bis Vierjährigen vernachlässigt werden müssen, wie Herrmann einräumt.

In den anderen Bezirken ist die Situation weniger zugespitzt. Selbst aus dem kinderreichen Bezirk Pankow mit seiner hohen Zahl an Rückstellungen heißt es, dass die Einschulungsuntersuchungen rechtzeitig geschafft werden. Hier wurden allerdings Honorarkräfte hinzugezogen, um die Aufgaben zu bewältigen. Aus Spandau berichtet Gesundheitsstadtrat Frank Bewig (CDU), dass die Untersuchungen vor Ferienbeginn beendet sein werden.

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