Albas Schulprojekte : Trainieren mit den Profis

04.09.2012 00:00 Uhrvon

An mehr als 40 Schulen bieten Alba-Trainer Basketball-AGs an, in 17 Grundschulen mischen sie auch im Unterricht mit. Davon haben alle etwas.

Beim Sport geht das soziale Lernen leichter

Bei den Schulen kommt das Konzept offenbar gut an, und auch die Bildungsverwaltung unterstützt das Projekt. Bei 17 Schulen mit Sportprofil mischt Alba inzwischen sogar direkt im Unterricht mit. In den ersten Klassen gestalten dabei ein Lehrer und ein Alba-Trainer gemeinsam den Sportunterricht, ab der dritten Klasse gibt es zusätzlich eine Basketball-AG. In der Grundschule am Kollwitzplatz wird in den Profilklassen sogar noch mehr Sport gemacht: Fünf Stunden Unterricht, zwei Stunden AG und zwei Stunden Vereinstraining. Lehrerin Brit Kroll und der frühere Basketballspieler Marius Huth wirken wie ein eingespieltes Team. „Mit den Fünftklässlern arbeiten wir jetzt schon im dritten Jahr, den Unterschied zu den normalen Klassen merkt man ganz deutlich“, sagt Kroll. Viel koordinierter und selbständiger seien die Kinder, technisch weiter und ausdauernder. Und auch der Zusammenhalt und die Fairness sei beeindruckend. Auch die Schüler sind begeistert. „Ich find es cool, so oft Sport zu haben“, sagt ein Junge. „Da kann man auch mal rumschreien.“ „Und man muss das Gehirn nicht so anstrengen wie bei Deutsch oder Mathe“, sagt ein anderer. Dabei sind die Leistungen der Klasse nicht schlechter. Und auch bei Eltern sind die Sportklassen beliebt. Die Anmeldungen übersteigen regelmäßig die Zahl der Plätze.

Sportunterricht der Erstklässler in der Gesundbrunnenschule Foto: Georg Moritz
Sportunterricht der Erstklässler in der Gesundbrunnenschule - Foto: Georg Moritz

Dass beim Sport nicht nur die Muskeln trainiert werden, sondern auch soziale Fähigkeiten und sogar die Sprachkompetenz, davon ist auch die Leiterin der Gesundbrunnen-Schule, Manduela Krüger, überzeugt. Sie war von dem Konzept der Sportklassen so begeistert, dass sie mittlerweile allen Kindern ab der dritten Klassen fünf Stunden Sportunterricht in den Stundenplan schreibt. An der Grundschule in Wedding herrschen allerdings ganz andere Bedingungen als im Prenzlauer Berg. Über 90 Prozent der Schüler haben eine andere Muttersprache als Deutsch, die meisten Familien sind auf Transferleistungen angewiesen. „Intellektuell können wir unsere Schüler nicht so leicht begeistern, mit dem Sport geht das dagegen hervorragend“, sagt sie. Links, rechts, oben, unten – viele Kinder hätten Schwierigkeiten mit diesen Begriffen. Beim Sport lernen sie das ganz von allein. Auch das soziale Lernen – sich einzuordnen, Respekt voreinander zu entwickeln und auch mal verlieren zu können, klappe viel besser.

Die Trainer seien eine große Entlastung für die Lehrer, sagt Schulleiterin Krüger. „Ein Lehrer allein wäre ja bei dreißig Erstklässlern die Hälfte der Zeit nur mit dem Umziehen und Helfen beschäftigt“, sagt sie und lächelt Louisa Muehlenberg zu, die gerade Reifen und Hütchen in der Turnhalle auslegt. Seit drei Jahren arbeitet die Basketballerin an der Schule. Für sie ist die Stelle auch eine Möglichkeit, um Job und Sport zu verbinden. Eine Hälfte ihres Gehalts zahlt der Verein, die andere Hälfte die Schule. Die Gesundbrunnen-Grundschule verwendet dafür Sprachfördermittel. „Das hier ist für unsere Schüler die beste Förderung“, ist Krüger überzeugt.

Dann kommen die fünf- und sechsjährigen Schüler auch schon angerannt. Viele sind barfuß. Dass die Eltern kein Geld für Turnschuhe übrig haben, ist hier keine Seltenheit. Doch das hält die Kinder nicht auf. Der kleine Enes schnappt sich einen Ball und rennt los. Erst mal Fußball, dann nimmt er den Ball in die Hand, dribbelt ein paar Schritte und wirft ihn Richtung Korb. „Das habe ich bei einem Erstklässler noch nie gesehen“, sagt Henning Harnisch beeindruckt.

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