Schule : Alles eine Frage des Profils

Nach wie vor sind Winterreifen nicht Pflicht – aber verzichten sollte niemand darauf

Ingo von Dahlern

Finnen haben es einfacher. Die nach PISA-Studie besonders klugen Skandinavier müssen nämlich nicht groß nachdenken, wenn es um die richtige Bereifung ihrer Autos für die kalte Jahreszeit geht. Denn vom 1. Dezember bis Ende Februar gilt in ihrem Land uneingeschränkt – und das auch für ausländische Fahrzeuge – eine Winterreifenpflicht.

Uns dagegen fordert der Gesetzgeber mit der Anfang Mai in Kraft getretenen Novelle zur Straßenverkehrsordnung (siehe Kasten) eine echte Denksportleistung ab. Denn die Forderung nach „geeigneten“ Reifen, da sind sich Sprecher des Bundesverkehrsministeriums ebenso wie des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) und des ADAC einig, bedeutet keine Winterreifenpflicht – selbst wenn es uns manche aktuellen Werbetexte der Reifenbranche suggerieren wollen.

So hat sich durch die neue Regelung praktisch nichts geändert. Wer also sein Auto in den nächsten Monaten weiter mit „Sommerschuhen“ rollen lässt, kommt deswegen allein noch nicht mit den gesetzlichen Vorschriften in Konflikt. Der allerdings entsteht spontan, wenn sich die Straßenverhältnisse, die eben noch Sommerreifen erlaubten, durch einen plötzlichen Wintereinbruch binnen kürzester Zeit dramatisch ändern. Denn ebenso schnell, wie Schnee und Eis kommen, werden Sommerreifen damit zu ungeeigneten Reifen.

Wer sein Fahrzeug dann nicht umgehend abstellt, sondern mit den Sommerreifen weiterfährt, hat schnell ein Problem. Zum einem mit den neuen Vorschriften, zu denen es jetzt erstmals, und das ist die einzige konkrete Änderung, auch eine klar definierte Bußgelddrohung und sogar einen Punkt in Flensburg gibt. Und zum anderen mit der Sicherheit. Denn sowohl die Laufflächenmischungen als auch die speziellen Profile sorgen dafür, dass Winterreifen bei winterlichen Fahrbahnbedingungen mehr Haftung haben, sicherer bei Kurvenfahrt sind und bis auf Extremfälle auch kürzere Bremswege garantieren als Sommerreifen.

Wer also im Winter unter allen Bedingungen so sicher wie möglich „automobil“ sein und wegen ungeeigneter Ausstattung nicht in Haftung genommen werden möchte, sollte jetzt unbedingt für Winterreifen für sein Fahrzeug sorgen – eine Alternative zu dieser Lösung gibt es nicht.

Das allerdings schafft ein weiteres Problem. Denn was sind „Winterreifen“ und woran erkennt man sie? Auch wenn M+S, M&S oder einfach M.S. (für Mud and Snow bzw. Matsch und Schnee) auf der Reifenflanke steht: Das bedeutet nicht zwingend, dass diese Reifen auch für winterliche Straßenverhältnisse taugen. Denn diese Bezeichnungen sind nicht geschützt und Reifen mit ihr werden in keiner Weise auf Wintertauglichkeit geprüft. So tragen fast alle Reifen auf SUV und selbst Pkw aus den USA diese Kennung, auch wenn sie keine echten Winterreifen sind und mancher Fernost-Hersteller benutzt sie ebenfalls.

Wer sich hier als Laie nicht zurechtfindet, sollte beim Fachhandel erkunden, ob sein M+S-Reifen tatsächlich ein echter Winterreifen, ein für den Winter nicht optimaler Ganzjahresreifen oder ein nur sehr beschränkt wintertauglicher Geländereifen ist. Hilfreich kann zudem ein Blick auf die Website www.pro-winterreifen.de sein, wo man neben einer Fülle von Winterreifen-Infos mit einem Klick nach Herstellern sortiert 242 aktuelle Winterreifenprofile abrufen kann.

Wer sichergehen möchte, dass es sich tatsächlich um Winterreifen handelt, sollte sich zudem für Reifen entscheiden, die zusätzlich das sogenannte Schneeflockensymbol (Abbildung) tragen, für das die Wintertauglichkeit zumindest in einem einfachen Test auch geprüft wird.

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