Alternativen zum Unterricht im Klassenzimmer : Raus aus der Schule, rein ins Labor

300 Jugendliche aus ganz Deutschland zu Besuch in Berliner Forschungseinrichtungen und Unternehmen.

Katja Gartz

Die aktuellen Ergebnisse der Pisa-Studie zeigen es: Die Leistungen in den Naturwissenschaften haben sich verbessert, deutsche Schüler liegen erstmals über dem Durchschnitt. Mehr Experimente im Unterricht, zahlreiche Schülerlabore an Universitäten sowie Projekte und Initiativen dürften dazu beigetragen haben. Auch der Berliner Verein mathematisch-naturwissenschaftlicher Excellence-Center an Schulen (MINT-EC) macht sich für die Förderung der Schüler in den MINT-Fächern stark.

MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Vergangene Woche lud die Initiative der Arbeitgeber zum dritten Mal 300 Schüler aus dem gesamten Bundesgebiet und einer deutschen Schule aus Istanbul sowie 70 Lehrer zu der dreitägigen Veranstaltung MINT 300 nach Berlin ein. Kontakte zu Unternehmensvertretern, Wissenschaftlern und mathematisch-naturwissenschaftliche Exkursionen zählten zum Programm. So standen Mitarbeiter der Telekom AG und der Siemens AG den Schülern Rede und Antwort. Sie informierten über Schülerpraktika, Berufsbilder, Ausbildungen, duale Studiengänge und Aufstiegsmöglichkeiten in ihren Unternehmen.

„Wichtige Voraussetzungen sind gute Leistungen in Mathematik und Physik“, sagt Frank Stefan Becker von Siemens. Der Senior Consultant weist darauf hin, dass von den Mitarbeitern mit Hochschulabschluss zwei Drittel Ingenieure und Naturwissenschaftler sind.

„MINT-Professionals besitzen die Schlüsselqualifikationen für Innovationen und Wachstum“, sagt der Vorstandsvorsitzende Bernhard Keller von MINT- EC. Da zu wenige Abiturienten die gefragten Fächer studieren, will der Verein Interesse der Schüler wecken und die Fähigkeiten, Probleme zu lösen und Wissen anzuwenden, stärken.

Bei der Veranstaltung in Berlin konnten die Schüler in 23 Kursen Wissenschaft hautnah erleben. So ging es im Hahn-Meitner-Institut um Supraleitung und Magnetismus, im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt um Schwerelosigkeit und im Schülerlabor „NatLab“ der FU um Verhaltens- und Neurobiologie. Der 17-jährige David vom Lichtenberger Barnim-Gymnasium entschied sich für den Kurs „Die Physik der optischen Nachrichtenübertragung“, der Hochschule für Telekommunikation der Deutschen Telekom in Leipzig.

In der Hauptstadtrepräsentanz des Unternehmens informierten wissenschaftliche Mitarbeiter über das Thema. Gemeinsam mit den Schülern führten sie Versuche durch, um zu zeigen, wie Daten über hauchdünne Glasfaserkabel transportiert werden. „Das ist spannend, ich kann mir vorstellen, später in einem Telekommunikationsunternehmen zu arbeiten“, sagt der Schüler mit Leistungskurs Physik.

Während sich David weiter mit Lasern und Photonik beschäftigt, untersucht Wenda von der Lise-Meitner-Schule im Naturkundemuseum einen silbern glänzenden Pyrit-Stein unter dem Mikroskop. Ralf-Thomas Schmitt, der Leiter des Kurses „Minerale und Gesteine“ begrüßt die Schülerangebote, weil Geowissenschaften in den Schulen zu wenig behandelt werden. „Gute Leute werden gebraucht und der Kontakt zur Wissenschaft kann bei der Berufswahl helfen“, sagt der Mineraloge.

Neben MINT 300 bietet der Verein für Schüler Camps in Forschungseinrichtungen mit naturwissenschaftlichen Projekten und Unternehmensbesuchen sowie Schulleitertagungen und Lehrerfortbildungen. „Diese Schulen sind naturwissenschaftliche Leuchttürme mit guten Unterrichtskonzepten und leistungsstarken Schülern“, berichtet Vereinsmitarbeiter Peter Rahrbach. Exklusiv für die Netzwerkschulen verleiht die Siemens AG alle zwei Jahre den Siemens Award für moderne Unterrichtsmethoden, strukturelle Rahmenbedingungen und Kooperationen der Schulen. „Die Bewerbung lohnt sich“, sagt Mathematiklehrer Jürgen Schneider aus Baden-Württemberg. Nicht nur die Schüler profitierten, auch die Lehrer tauschen sich aus und nehmen Anregungen in den Unterricht mit.

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