Amokdrohungen : Wie sicher sind Berlins Schüler?

18.12.2012 10:41 UhrVon

Auch in Berlin gibt es immer wieder Androhungen von Amokläufen an Schulen. Mit welchen Konzepten wird der Gefahr begegnet?

Wie sind Berliner Schulen auf Amokläufe vorbereitet?Bild vergrößern
Wie sind Berliner Schulen auf Amokläufe vorbereitet? - Foto: dpa

Es ist eigentlich unfassbar: Jeder Amoklauf ruft in der Folge sogenannte „Trittbrettfahrer“ auf den Plan. In Berlin wurden nach Angaben der Senatsbildungsverwaltung allein im Schuljahr 2009/2010 – und damit unmittelbar nach dem Amoklauf von Winnenden – 63 verbale, schriftliche oder im Internet kursierende Amokdrohungen gemeldet. Im Schuljahr 2010/2011 waren es 51 Fälle, die damals vor allem über die Internetplattform „Isharegossip“ verbreitet wurden. Im vergangenen Schuljahr gab es „nur“ 17 entsprechende Meldungen, vier waren es bislang im laufenden Schuljahr.

Die Berliner Schulen sind, zumindest auf dem Papier, für den Notfall gerüstet: Ein dicker Notfallordner, unter dem früheren Bildungssenator Jürgen Zöllner im Februar 2011 in zweiter erweiterter Auflage vorgelegt, soll die Schulleitungen befähigen, insgesamt mit Gewalt- und Extremsituationen richtig umzugehen. Jede Schule verfüge über diese Pläne, heißt es aus dem Bildungssenat, und sie würden auch bei Drohungen angewendet.

Gegliedert ist das Kompendium in drei Gefährdungsstufen. In der höchsten, der Gefährdungsstufe III, steht die „Amoktat“ an erster Stelle, es folgen unter anderem Brandfall, Epidemien und Geiselnahmen. Priorität hat bei der Beschreibung des Notfallverhaltens, dass nach der Auslösung des Amokalarms an der Schule sofort die Polizei einzuschalten ist. „Eingreifen und Beenden obliegt ausschließlich der Polizei“, heißt es in der Handlungsanleitung. Und es werden ganz praktische Ratschläge für das Verhalten von Lehrern und Schülern gegeben: „Niemand darf sich unnötig in Gefahr begeben, Eigensicherung hat absoluten Vorrang. Täterkontakt vermeiden, höchste Lebensgefahr im Einwirkungsbereich des Täters. Provokation des Täters vermeiden. Wenn Lautsprecheranlage vorhanden, Warnung der Schulgemeinschaft.“

Die Bildungsverwaltung verweist darauf, dass es Schulungen des Schulpersonals in Zusammenarbeit mit Polizei und Schulpsychologie gebe. Für die Krisenteams an Schulen gebe es eine spezielles Fortbildungscurriculum der Schulpsychologie mit einem Modul „Amok“. Es würden jedoch keine Übungen mit Schülern durchgeführt: Einerseits sollten Schüler nicht zur Nachahmung angeregt werden, andererseits solle vermieden werden, dass Schüler durch Übungen in Angst und Schrecken versetzt und möglicherweise traumatisiert würden.

99 Prozent aller öffentlichen allgemeinbildenden Schulen in Berlin sind nach Angaben des Bildungssenats inzwischen mit einer Amokalarmanlage ausgestattet. In der Regel sind das elektrische Lautsprecheranlagen. Wo es sie noch nicht gibt, wird über Amoksignalanlagen gewarnt, deren Ton sich deutlich vom Feueralarm unterscheidet. Bei Neu-, Um- und Erweiterungsbauten sollen Berlins Schulen künftig generell mit Lautsprecheranlagen ausgestattet werden. Im April 2012 erhielten alle Schulen ein „Informationsschreiben Amokprävention“. Darin wurde auf die speziellen Alarmsysteme hingewiesen.

zur Startseite

Umfrage

Soll die Hauptstraße in Schöneberg in David-Bowie-Straße umbenannt werden?

Altersvorsorge

Altersvorsorge

Welche Vorsorge-Optionen gibt es? Und welche Maßnahmen sind wirklich sinnvoll? Präsentiert von unserem Partner CosmosDirekt klären wir offene Fragen.

Diese und weitere Informationen zum Thema Altersvorsorge finden Sie auf unserer Themenseite.

Folgen Sie unserer Berlinredaktion auf Twitter:

Tanja Buntrock:
Karin Christmann:


Robert Ide:


Sigrid Kneist:


Anke Myrrhe:


Hier twittert die Stadtleben-Redaktion des Tagesspiegels. Tipps und Trends, Themen und Termine - alles, was die Stadt bewegt:



Machen Sie mit und verlinken Sie Ihre morgendlichen Fotos mit dem Hashtag #gmberlin. Oder schicken Sie Ihre Fotos wie gewohnt an leserbilder@tagesspiegel.de! Wir freuen uns auf Ihre Bilder!


Die ersten Ergebnisse sehen Sie in unserer Fotostrecke.


Tagesspiegel lokal

Zehlendorf-Kiez

Zehlendorf – fein, langweilig, reich? Denkste! Wir hinterfragen gemeinsam mit Jugendlichen, Erwachsenen, Prominenten Klischees und schreiben spannende Geschichten aus dem Stadtteil: über Menschen, lokale Politik und ein Lebensgefühl mit Wasser und Wald. Schreiben Sie mit an unserer Seite über Zehlendorf!

Zum Ortsteil Zehlendorf


Ku'damm

Alle reden vom neuen Aufschwung am berühmten Berliner Kurfürstendamm. Wir zeigen die Fortschritte, aber auch Schattenseiten der Entwicklung in der westlichen Innenstadt und stellen die Menschen dort vor. Machen Sie mit bei unserer Seite zum Ku'damm-Kiez!

Zum Ortsteil Ku'damm


Spandau

Kaum ein Bezirk ist so kontrastreich wie das "gallische Dorf" am Westrand Berlins, vom riesigen Stadtforst bis zu bedeutenden Industriestandorten von Konzernen wie BMW und Siemens, von Großsiedlungen wie dem Falkenhagener Feld über das dörfliche Gatow bis hin zu den Kladower Villen. Unser Portal ist eine Mischung aus aktuellen Nachrichten, Kiez-Reportagen und Debatten-Plattform. Mischen Sie mit!

Zum Ortsteil Spandau


Pankow

Pankow boomt. Das Gebiet nördlich vom Prenzlauer Berg wächst rasant. Zu DDR-Zeiten lebten hier vor allem Diplomaten, Funktionäre und Künstler; nun kommen Familien aus dem Prenzlauer Berg hinzu. Eine interessante Mischung. Wir berichten, wie sich das alte Pankow verändert und wer es verändert. Und wir erzählen Geschichten aus der Zeit vor 1989. Die sind spannender als jeder Krimi.

Zum Ortsteil Pankow


Wedding

Der Wedding lebt. Nur wie? Finden wir es heraus, gemeinsam. Wir: die Leser und die Journalisten des Tagesspiegels. Wir schreiben: Eine Seite über den Wedding. Den alten. Den neuen. Den guten. Den schlechten. Und den dazwischen. Früher Bezirk, bis heute Ereignis. Machen Sie mit bei unserer Seite über den Wedding-Kiez!

Zum Ortsteil Wedding


Kreuzberg

Berlin ist Kreuzberg. Und umgekehrt. Kaum ein anderer Berliner Bezirk wird so stark mit der Hauptstadt in Verbindung gebracht wie Kreuzberg. Was die Kreuzberger bewegt, viele Kiezgeschichten und Meinungen lesen Sie im hyperlokalen Projekt des Tagesspiegels.

Zum Ortsteil Kreuzberg


Service

Nachrichten aus den Bezirken

Weitere Themen

Veranstaltungen im Tagesspiegel

In unserem Verlagsgebäude finden regelmäßig Salons, Vorträge und Debatten statt, zu denen wir Sie herzlich einladen.