Amoklauf : Nach Ansbach: Notfallpläne sind da, doch es gibt Mängel

An Schulen weiß man, was bei einem Amoklauf zu tun ist. Jedoch fehlen meist die Alarmsysteme.

Sandra Dassler,Alexander Fröhlich

Berlin/Potsdam - Berlins Schulen sind so gut wie möglich auf schlimme Gewaltvorfälle, beispielsweise Amokläufe, vorbereitet – da sind sich Senatsbildungsverwaltung und Lehrergewerkschaft einig. Auch Axel Thurow vom Verein zur Förderung der beruflichen Bildung Berlin sagt: „Wir haben seit 2004 Richtlinien für den Notfall. Sie werden ständig ergänzt und erweitert.“ Thurow leitet die Britzer Friedrich-List-Schule, ein Oberstufen- und Kompetenzzentrum für Wirtschaftssprachen und Internationale Beziehungen. Er kennt die 117 Seiten des orangefarbenen Notfallordners inzwischen fast auswendig: „Das gilt auch für meine Stellvertreter“, sagt er. „Fünf bis sechs Kollegen sind bestens informiert, einer ist täglich von 7 Uhr bis nach Schulschluss erreichbar.“

Peter Sinram, Sprecher der Lehrergewerkschaft GEW, meint, dass nicht nur Schulleiter, sondern auch Lehrer und Schüler für die Problematik sensibilisiert seien. Das habe unter anderem der Vorfall am Oberstufenzentrum Handel in der Kreuzberger Wrangelstraße im Mai 2008, als ein mit einer Softair-Pistole bewaffneter Schüler Morddrohungen ausstieß, gezeigt: „Da haben auch Schüler sehr gut reagiert“, sagt Sinram.

Natürlich wünsche sich die Gewerkschaft mehr Engagement bei der Prävention von Gewalttaten: „Wenn die Schulen mehr Sozialarbeiter und Sozialpädagogen einstellen könnten, würde wahrscheinlich mancher Schüler, der psychisch abdriftet, früher erkannt werden und könnte Hilfe erhalten“, sagt Sinram: „Der Notfallplan ist aber auch wichtig als klares Signal an sogenannte Trittbrettfahrer.“

Davon gab es nach dem Amoklauf von Winnenden im März 2009 laut Polizei 129 in Berlin, nach dem Amoklauf in Ansbach am Donnerstag wurde bislang kein Fall bekannt. Dass es in Berlin noch keinen Ernstfall gegeben hat, wird bei der Polizei wie auch in den Schulen nicht als Entwarnung gesehen. Denn, darin sind sich alle einig, dass jemand außer Kontrolle gerät, lässt sich leider nicht ausschließen.

Umso wichtiger ist nach Ansicht der Bildungsverwaltung die ständige Verbesserung des Notfallplans. Dazu gehört die Schaffung separater Alarmsysteme. „Am besten wäre ein optisches Signal, das der Täter nicht bemerkt“, sagt Schulleiter Thurow. Es würde schon weiterhelfen, wenn sich das akustische Signal vom Signal bei Bränden unterscheidet, meint der Sprecher der Bildungsverwaltung, Jens Stiller: „Es soll ein langer Ton sein, der signalisiert: Drinbleiben statt rauslaufen.“ Stiller verspricht, dass im Zuge der aus dem Konjunkturpaket II finanzierten Umbauarbeiten an Schulen auch die Alarmsysteme modernisiert würden.

Da ist Berlin in einer besseren Lage als Brandenburg. Dort beklagen viele Schulleiter, dass das Land sie mit den Kosten für Alarmsysteme oder auch nur Lautsprecher allein lasse. Zudem hat das Bildungsministerium in Potsdam erst in diesem Jahr, also nach Winnenden, einen Katalog mit Empfehlungen für Krisensituationen erarbeitet – nach dem Vorbild Berlins.

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