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Angestellte Lehrer fordern Gerechtigkeit : Streikende Lehrer übergeben offenen Brief an Klaus Wowereit

Hunderte angestellte Lehrer gingen heute in Berlin auf die Straße und demonstrierten für mehr Rechte. Auf Transparenten forderten sie: "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!"

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Mit Transparenten wie "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" ziehen die demonstrierenden Lehrer durch die Straßen.Weitere Bilder anzeigen
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23.04.2013 13:33Mit Transparenten wie "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" ziehen die demonstrierenden Lehrer durch die Straßen.

13.42 Uhr: Die Bildungsverwaltung hat bislang keine Kenntnis von „streikbedingten Problemen“ bei den Klausuren zum Mittleren Schulabschluss und zum Abitur: "Alle Schüler waren gut versorgt“, sagt Behördensprecherin Beate Stoffers dem Tagesspiegel.

13:25 Uhr: Der Landeselternausschuss bedankt sich ausdrücklich "bei der ganz überwiegenden Mehrheit der angestellten Lehrer, die dem Aufruf zum Boykott der Prüfungen nicht gefolgt sind sowie den beamteten Lehrern, die den Prüfungsablauf gemeinsam gestemmt haben". Er sei erleichtert, dass die Schüler des Abiturjahrganges und der 10. Klassen ihre jeweiligen Prüfungen "trotz Widrigkeiten im Vorfeld absolvieren konnten".

13.02 Uhr: In dem offenen Brief fordern die Demonstranten "Wir wollen ernst genommen werden. Die Aufnahme von ernsthaften Verhandlungen mit der GEW Berlin wäre ein gutes Signal dafür."

12.23 Uhr: Wegen der Bannmeile am Abgeordnetenhaus können die Radfahrer nicht direkt beim Tagesspiegel-Verlagshaus am Askanischen Platz vorfahren. Die GEW-Vorsitzende Sigrid Baumgardt kommt daher allein und übergibt den Redakteurinnen Susanne Vieth-Entus und Sylvia Vogt den offenen Brief an Klaus Wowereit. In Kürze lesen Sie hier den kompletten offenen Brief.

11.46 Uhr: Der lange Zug an Demonstranten überquert die Leipziger Straße Richtung Rotes Rathaus. Die Polizei muss einige Minuten die Kreuzung absperren, weil der Zug so lang geworden ist.

11.40 Uhr: Die Radfahrer unter den Demonstranten machen sich nun mit dem offenen Brief an den Regierenden Bürgermeister zu den Redaktionen auf. Die anderen streikenden Lehrer werden Richtung Alexanderplatz zur Senatsverwaltung für Bildung marschieren.

11.30 Uhr: Bei strahlendem Sonnenschein herrscht gute Stimmung unter den Demonstranten auf dem Gelände zwischen Senatsinnenverwaltung und der Parochialkirche. Laut GEW sind bislang 2000 Lehrer bei der Kundgebung dabei. Die Polizei spricht noch von 1200 Demonstranten, erwartet aber, dass sie diese Zahl noch nach oben korrigieren muss. Offiziell waren eigentlich nur 500 Demonstranten angemeldet.

11.09 Uhr: Viele der demonstrierenden Lehrer sind zu Fuß eingetroffen; einige von ihnen auch mit dem Fahrrad. Das Geräusch von Trillerpfeifen begleitet die Teilnehmer.

11.01 Uhr: Auch die Polizei hat sich bereits vor Ort eingefunden und säumt das Demonstrationsgebiet an der Klosterstraße. Genaue Zahlen liegen laut eines Polizeisprechers noch nicht vor. Erst zu Beginn des Zuges gegen 11.20 Uhr werden die Demonstranten gezählt.

Der Schulstreik in Berlin
Mit Transparenten wie "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" ziehen die demonstrierenden Lehrer durch die Straßen.Weitere Bilder anzeigen
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23.04.2013 13:33Mit Transparenten wie "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" ziehen die demonstrierenden Lehrer durch die Straßen.

10.56 Uhr: Vor der Senatsinnenverwaltung haben sich mehrere hundert Demonstranten versammelt. Sie schwenken rote GEW-Fahnen und pusten in Trillerpfeifen.

10.31 Uhr: Eine der 20 Streikenden am Tiergarten-Gymnasium erklärt ihren Ärger: "Es ist doppelt ungerecht, wenn man zu den schon länger angestellten Lehrern gehört und trotz langer Berufserfahrung soviel verdient wie die Neu-Lehrer", so Andrea S. Um die Abwanderung junger Lehrer zu verhindern, bekommen diese fast bis zu 1400 brutto mehr Geld als ursprünglich.

10.17 Uhr: GEW-Sprecher Tom Erdmann macht sich mit seinen Kollegen aus Britz zusammen auf den Weg zur zentralen Kundgebung. Einige sind zu Fuß, andere per Fahrrad unterwegs. Er selbst hat es gerade noch rechtzeitig geschafft, sein Fahrrad zu reparieren.

10.06 Uhr: An der Karl-Weise-Grundschule in Neukölln haben sich drei junge Lehrerinnen zum Streik zusammengetan, gleich brechen sie mit den Fahrrädern auf. Die Stimmung ist gut; man stärkt sich mit Kaffee. Beim letzten Streik haben sechs Lehrer mitgemacht, sagen sie. Die Kinder kennen das jetzt schon, erzählt eine Lehrerin. "Na, streikst du wieder", hätten eine Schülerin sie gefragt.

9.55 Uhr: Der Biologie-Lehrer Mathias Krain verteidigt den Streik im Prüfungszeitraum: "Ein Streik würde sonst nichts bringen." Für die Fragen seiner Schüler am Tiergarten-Gymnasium ist der 46-Jährige die erste Prüfungsstunde anwesend. Erst danach schließt er sich den Streikenden an.

9.47 Uhr: Die Abiturientin Aylin hat heute ihre Biologie-Prüfung am Tiergarten-Gymnasium. Am Anfang war die 18-Jährige skeptisch, was den Streik mitten während der Abiturprüfung angeht. Doch nach Diskussionen mit anderen Schülern und Lehrern sind die Bedenken verflogen.

9.33 Uhr: Im Café Rix haben sich die Neuköllner Streikenden versammelt. Es sind etwa 50 Lehrer gekommen. Sie diskutieren über das 8-Punkte-Programm, das Scheeres und Nußbaum gestern vorgestellt haben. "Das hat viele noch mal zusätzlich aufgeregt", sagt eine junge Lehrerin von einer Sekundarschule. Besonders die zusätzlichen Präsenztage verärgern die Pädagogen. "Und die Tariferhöhung haben wir selbst erkämpft. Es ist absurd, wenn Scheeres das jetzt als Argument für die Attraktivität des Lehrerberufs anführt", sagt die Frau. Eine andere hofft, dass es heute der letzte Streik ist und sie "endlich gehört werden".

9.14 Uhr: In Charlottenburg demonstrieren an der Friedensburg-Gesamtschule insgesamt 15 Lehrer. Darunter sind auch zwei Lehrer, deren Spanisch-Klassen heute ihre MSA-Prüfung haben. Laut Schulleiters Paul Schuknecht haben sich aber weder Schüler noch Eltern beklagt. Er selbst ist zwar gegen den Streik am Prüfungstag, sagt aber, dass die Aufsicht der Prüfungen gesichert ist und es genügend andere Lehrer gibt, die die Schüler gut betreuen können und ihnen auch bei Fragen helfen können.

9.01 Uhr: Mit dem Beginn des Unterrichts ist auch die Lage vor den Schulen etwas ruhiger geworden. Am Tiergarten-Gymnasium ist man bereits startklar für den Fahrradkorso. Die meisten Lehrer tragen rote GEW-Plastik-Überwürfe. Plakate mit Aufschriften wie "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" lehnen noch zusammengerollt an der Eingangstreppe. Sie werden später vor der Senatsinnenverwaltung ausgerollt.

8.55 Uhr: Ihren Protest gegen die ungleiche Behandlung von angestellten und verbeamteten Lehrern wollen die Streikenden auch mit einem offenen Brief an den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit zum Ausdruck bringen. Sie wollen den Brief per Fahrradkorso gegen Mittag direkt in die Zeitungsredaktionen bringen.

8.49 Uhr: "Wir streiken!" An den Fenstern des Tiergarten-Gymnasiums hängen in roter und schwarzer Farbe die Transparente der streikenden Lehrer. Auch die Fahrräder für den anschließenden Fahrradkorso zur zentralen Kundgebung werden noch schnell präpariert. An einer Stockkonstruktion hängt ein T-Shirt der Bildungsinitiative "Bildet Berlin". Insgesamt haben sich ungefähr 20 angestellte Lehrer zum Streik versammelt.

8:29 Uhr: Vor vielen Berliner Schulen sammeln sich derzeit die streikenden Lehrer. Sie installieren Transparente und machen so auf sich aufmerksam. Um 11 Uhr ist eine gemeinsame Kundgebung vor der Senatsinnenverwaltung in der Klosterstraße in Mitte geplant.

8:20 Uhr: Am Robert-Blum-Gymnasium in Schöneberg begann der Schulbetrieb relativ normal. Die Schüler störten sich wenig an den rund zehn streikenden Lehrern vor dem Schuleingang. Sie liefen zum Unterricht und nahmen die Flugblätter mit. Vor dem Schulgebäude aufgestellt: ein Auto mit Partymusik. Trotzdem betont ein Lehrer: "Wir sind kein verantwortungsloser Haufen." Und so haben sich einige von ihnen vor Beginn des Streiks noch um die Prüflinge gekümmert. "Wir haben unsere Schüler zwei Jahre intensiv auf die Prüfung vorbereitet", sagt eine Kollegin. Sie sei für ihre Schüler rund um die Uhr per Mail erreichbar - und in den Klausuren selbst spiele der Lehrer die geringste Rolle. "Da werden ja nur die Aufgaben verteilt und eine Aufsicht benötigt".

8:11 Uhr: Während sich drinnen die Schüler für ihre MSA-Prüfungen oder Bio-Abiturprüfungen rüsten, streiken draußen die Lehrer. "Wir sind verantwortungsbewusst und sind soweit wie möglich von den Prüfungsräumen entfernt", sagt Tom Erdmann. "Einige Prüflinge haben uns sogar Glück gewünscht." Er versicherte, man würde das Schulgebäude heute nicht betreten.

7:58 Uhr: In wenigen Minuten beginnt der Unterricht, wenn auch nicht für alle Schüler planmäßig. GEW-Sprecher Tom Erdmann befindet sich selbst an seiner Schule, der Fritz-Karsen-Gemeinschaftsschule in Britz, im Streik. Mit Trillerpfeifen und Transparenten stehen rund 20 angestellte Lehrer gut sichtbar auf der Fulhamer Allee. "Wir wollen Präsenz zeigen", so Erdmann.

7.30 Uhr: Dieser Schulstreik hat es in sich. Voraussichtlich rund 1000 Lehrer legen am heutigen Dienstag die Arbeit nieder - und das an einem Tag, an dem die Abiturklausuren für den Biologie-Leistungskurs und Prüfungen für den Mittleren Schulabschluss geschrieben werden. Dass ausgerechnet an einem Prüfungstag gestreikt wird, hat viele Schüler und Eltern empört. Und auch der Senat versuchte mit allen Mitteln, den Streik zu verhindern. Die Senatsverwaltung für Finanzen hatte versucht, eine einstweilige Verfügung dagegen zu erwirken. Doch das Arbeitsgericht lehnte den Antrag ab und gab der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft recht. Demnach ist der Streik rechtmäßig. Es seien keine erheblichen Beeinträchtigungen für die Prüfungen zu erwarten, so das Gericht. Zudem stellte die Kammer fest, dass der Senat sehr wohl als Verhandlungspartner der Gewerkschaft anzusehen ist. Der Senat hatte das bisher abgelehnt und auf die Zuständigkeit der Tarifgemeinschaft der Länder verwiesen.

Das Urteil könnte die Stimmung an den Schulen weiter aufheizen. Nach Ansicht von GEW-Vertretern könnte es die Streikbereitschaft erhöhen. Für zusätzlichen Zündstoff sorgt die Ankündigung von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) und Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für die SPD), die Arbeitszeitkonten abzuschaffen und gleichzeitig die Lehrer zu verpflichten, künftig zwei Tage zusätzlich zu arbeiten. Bisher mussten die Pädagogen einen Tag vor Ende der Sommerferien in den Schulen präsent sein, künftig müssen sie bereits drei Tage vorher im Dienst sein.

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