Anmeldeverfahren : Unterschiede zwischen Schulen werden größer

Bildungssenator Zöllner will am Auswahlverfahren für Siebtklässler aber nichts ändern. Die Gefahr von „Restschulen“ sieht er nicht.

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Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner.
Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner.Foto: Mike Wolff

Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) hat das neue Aufnahmeverfahren für Oberschulen gegen vehemente Kritik von Eltern und Bildungsexperten verteidigt. Die Eltern würden „viel früher, viel klarer und viel transparenter“ informiert als bisher. Er sehe „keinerlei Veranlassung, irgendetwas am Grundsystem zu verändern“, sagte Zöllner. Das neue Anmeldeverfahren, bei dem sich Schulen ihre Schüler selbst aussuchen, wird dieses Jahr zum ersten Mal in der Praxis erprobt.

Zöllner reagierte damit unter anderem auf Forderungen des Landeselternausschusses (Lea), Günter Peiritsch, eine bis zu hundertprozentige Losquote für alle Sekundarschulen einzuführen. Er wisse nicht, inwieweit die „Alternative des Lea“ den Eltern „ein größeres Maß an Sicherheit und Kalkulierbarkeit bringen sollte“, sagte Zöllner. Er hatte nie eine derart hohe Losquote gewollt. Auch die vom Tempelhof-Schöneberger Bildungsstadtrat Dieter Hapel (CDU) geforderte „Wohnortquote“ für Kinder des eigenen Bezirks soll nach dem Willen Zöllners nicht eingeführt werden.

Noch bis in die Osterferien hinein verschicken die Bezirke momentan die letzten Bescheide an Familien, welche Schule die künftigen Siebtklässler nach den Sommerferien besuchen werden. Zwar haben laut Senatsbildungsverwaltung 93 Prozent der Schüler einen Platz an einer ihrer drei Wunschschulen bekommen. Dennoch konnte auch am Freitag noch immer rund 160 Schülern gar kein Angebot für eine einigermaßen erreichbare Schule gemacht werden. Auch für diese Schüler soll nun jedoch eine „optimale Lösung“ gefunden werden, versicherte der Bildungssenator: Er sehe keine Gefahr, dass die Kinder auf „Restschulen“ geschickt werden müssten.

Das sehen die Eltern anders: „Ein Ziel der Reform war, den Hauptschulen das Stigma zu nehmen“, sagte Elternsprecher Peiritsch. Nun jedoch hätten sich klar erkennbar neue „Restschulen gebildet“ – einige Eltern hätten dabei sogar „Angst um ihre Kinder“. Zwar gestand Zöllner zu, dass es Schulen gebe, die „weniger attraktiv“ seien: „Die Unterschiede zwischen Schulen werden eher größer“, sagte er. Aber die Wettbewerbssituation, die künftig zwischen allen Schulen entstehe, steigere die „Gesamtqualität“ der Schulen.

Zöllner rechnet außerdem damit, dass nächstes Jahr viele Schulen nicht mehr nur nach Numerus Clausus zulassen, sondern von der Möglichkeit Gebrauch machen, „ein Aufnahmeverfahren zu etablieren, das ihrem Profil entspricht“. Auch dadurch werde die Situation, dass an den Sekundarschulen nur nach leistungsstarken Schülern ausgewählt wird, enspannter.

Die wiederholt von Eltern kritisierte rigoros und zum Teil unterschiedlich gehandhabte Härtefallregelung bietet laut Zöllner kaum Anlass für Veränderung. Man müsse den Mut haben, bestimmte Dinge nicht hundertprozentig zu normieren, sagte er. In Einzelfällen müsse noch einmal mit den Bezirken gesprochen werden – im Fall einer alleinerziehenden Mutter mit vier Kindern etwa, die keinen Platz an der Schule in der Nachbarschaft bekommen hatte, soll noch eine „akzeptable Lösung“ für die Familie gefunden werden.

Grundsätzlich sei hier aber die „individuelle Entscheidung gefragt“. Nur wenn man nach Abschluss des Verfahrens feststelle, dass die Härtefallregelung im Ganzen nicht so angewandt worden sei, wie es sinnvoll ist, müsse man nachsteuern.

Die Vorstellungen der Parteien, das Aufnahmeverfahren bis zum nächsten Jahr zu verbessern, gehen derweil in ganz unterschiedliche Richtungen: Während Steffen Zillich (Linke) die Anregung einer höheren Losquote „durchaus sinnvoll findet“, hält etwa Mieke Senftleben (FDP) die Quote für „absoluten Schwachsinn“. Das Profil müsse eine viel stärkere Rolle spielen, fordert sie. Die Eltern müssten durch „transparente Kriterien“ bei den Härtefällen außerdem vorher wissen, woran sie seien. Auch der bildungspolitische Sprecher der CDU, Sascha Steuer, will der Auswahl nach Profil mehr Bedeutung geben.

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