Anmeldung für die Grundschule : ABC für Eltern

Ab Montag müssen 26 000 künftige Erstklässler an den Grundschulen angemeldet werden. Für die richtige Wahl ist viel zu beachten.

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Erstklässler mit Schultüte.
Erstklässler mit Schultüte.Foto: picture-alliance/ dpa

Viele Berliner Eltern müssen sich jetzt entscheiden, welche Schule die richtige für ihr Kind ist. Denn kommende Woche beginnen die Schulanmeldungen für die 26 000 Kinder, die nächstes Jahr in die erste Klasse kommen. Soll das Kind in eine Klasse, in der jahrgangsübergreifend gelernt wird, oder doch lieber in eine Gruppe nur mit Gleichaltrigen? Soll Englisch oder Französisch die erste Fremdsprache werden? Soll es die Kiezschule um die Ecke oder doch lieber eine mit besonderem Angebot sein? Und ist das Kind überhaupt schon reif für die Schule?

Gerade die letzte Frage haben in den vergangenen Jahren mehr und mehr Eltern mit „nein“ entschieden und ihr Kind ein Jahr länger in der Kita gelassen. Über 2640 Rückstellungen gab es im letzten Schuljahr, 380 mehr als im Vorjahr. In keinem anderen Bundesland werden Kinder so früh eingeschult wie in Berlin – alle Kinder, die bis zum 31. Dezember 2007 geboren worden sind, werden 2013 schulpflichtig. Doch während viele Eltern dies zu früh finden, halten Experten eine pauschale Warnung für nicht gerechtfertigt. Es komme individuell auf das Kind an, sagt Regina Radke-Lottermann von der Schulsprechstunde des Arbeitskreises Neue Erziehung. Gewisse Fähigkeiten, etwa, dass das Kind schon mit einer Schere umgehen könne, sollten allerdings vor Schulstart vorhanden sein.

Auch Andrea Schulz von den Duden-Lerninstituten, die Therapien für Kinder mit Lernproblemen anbieten, spricht sich nicht generell für eine spätere Einschulung aus. „Frühe Anregungen sind immer gut“, sagt Schulz. Wo diese Lernanreize stattfänden, ob in einer Kita oder einer Grundschulklasse, sei zweitrangig. „Kinder lernen am Besten in der Gemeinschaft. Die Erwachsenen müssen dafür sorgen, dass die Kinder Erfolge haben und Wertschätzung erfahren“, meint Schulz. Wichtig sei, dass die Schulen auf Fünfjährige eingerichtet seien. „Es ist normal, dass die Kleinen nicht drei Stunden am Stück still sitzen können und sich auch mal ausruhen wollen.“ In den Klassenzimmern sollte es eine ruhige Ecke zum Zurückziehen geben, genauso wie ausreichend Platz für Bewegung.

Entscheiden sich die Eltern für eine Rückstellung, müssen sie dies vor der Einschulung beantragen, und zwar bei der Schulaufsicht. Schriftliche Stellungnahmen der Eltern, der Kita und des Schularztes oder des schulpsychologischen Dienstes sind vorzulegen. Eine Alternative zur Rückstellung bieten manche freien Schulen an. In den Waldorfschulen gibt es für Kinder, die als noch nicht schulreif eingeschätzt werden, eine Einführungsklasse, in der nach Art der früheren Vorklassen auf die erste Klasse vorbereitet wird.

Bei der Wahl der Grundschule komme es vor allem darauf an, dass sich Eltern und Kinder dort wohlfühlen, sagt Andrea Schulz. „Ich rate Eltern, sich das Gebäude, das Klassenzimmer und den Schulweg mit dem Kind gemeinsam anzuschauen.“ Wichtig sei, dass zwischen Eltern und Lehrern die Chemie stimme. Denn für die Kinder werde die Klassenlehrerin zu einer wichtigen Identifikationsfigur. Lehnten Eltern diese ab, spürten das die Kinder. „Das bringt sie in eine emotionale Zwickmühle“, so Schulz.

„Schauen Sie, ob die Arbeiten der Kinder liebevoll präsentiert werden“, rät Regina Radke-Lottermann vom Arbeitskreis Neue Erziehung. Das könne ein Zeichen sein, dass den Kindern wertschätzend begegnet werde. Bei der Frage nach dem jahrgangsübergreifenden Lernen, verweist die Schulexpertin auf die Rolle des Lehrers. „Ob JüL funktioniert, steht und fällt mit der Motivation der Lehrer, der Erzieher und der Eltern. Wenn diese nicht davon überzeugt sind, wird es schwierig.“ Bei der Wahl der Schule müsse zudem die Gesamtsituation der Familie bedacht werden. Sind beide Eltern berufstätig, könne etwa eine gebundene Ganztagsschule den Familienalltag entlasten, weil das Kind dort vielfältige Angebote an sportlichen oder künstlerischen Aktivitäten bekommt.

Eltern sollten zudem darauf achten, dass das Kind schon jemanden kenne oder gemeinsam mit Freunden eingeschult werde. Wenn das nicht möglich sei, sollten sich Eltern so früh wie möglich darum bemühen, den Kindern Kontakte zu erleichtern und zu ermöglichen – etwa indem sie auf dem ersten Elternabend auf andere Familien zugingen.

Ein Kriterium sollte auch der Schulweg sein. „Viele Eltern unterschätzen zu lange Schulwege“, sagt Radke-Lottermann. Doch nicht nur der Zeitfaktor spiele eine Rolle, sondern auch die Tatsache, dass dann Freizeit und Freundschaften schwieriger zu pflegen seien.

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