Annegret Kramp-Karrenbauer : Bildung gerechter machen

Die neue Präsidentin der Kultusminister will Kitas kontrollieren

Amory Burchard

Die neue Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Annegret Kramp-Karrenbauer, tritt mit einem Dreijahresprogramm an. Die saarländische CDU-Politikerin hat sich mit ihren turnusmäßigen Nachfolgern, dem CDU-Bildungsminister aus Mecklenburg-Vorpommern und dem CSU-Kultusminister aus Bayern, auf eine „gemeinsame Strategie“ für Bildungsgerechtigkeit geeinigt. Das erklärte Kramp-Karrenbauer am Mittwoch in Berlin bei ihrer Amtseinführung im Bundesrat. Sie ist seit September 2007 Ministerin für Bildung, Familie, Frauen und Kultur; zuvor war sie sieben Jahre lang Innenministerin. Kramp-Karrenbauer übernimmt die KMK-Präsidentschaft von Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD).

Die Dreijahresstrategie ist ein Novum in der 60-jährigen KMK-Geschichte. In der frühkindlichen Bildung will Kramp- Karrenbauer indes laufende Programme weiterführen. Wurden in letzter Zeit in allen Ländern die von den Kultusministern beschlossenen Bildungspläne für Kitas eingeführt, müsse man jetzt kontrollieren, wie sie umgesetzt werden. Die Qualität frühkindlicher Bildung solle sichergestellt werden, sagte Kramp-Karrenbauer. Damit Kinder Bildungsgerechtigkeit erleben, eine Chance erhalten, familiär bedingte Defizite vor der Einschulung zu überwinden, fordert Kramp-Karrenbauer eine Zusammenarbeit von KMK, Jugend- und Familienministerien. Bildungsprogramme müssten mit familienunterstützender Arbeit und Elternarbeit verknüpft werden. Erforderlich sei auch eine verstärkte Hochschulausbildung von Kita-Erzieherinnen; zumindest die Leitungspositionen sollten künftig mit akademisch ausgebildeten Kräften besetzt sein.

In Hinblick auf die Veröffentlichung der nationalen Pisa-Ergebnisse in diesem Jahr warnte Kramp-Karrenbauer vor einer erneuten Diskussion über die Schulstruktur. „Das Problem des Hauptschülers ist da, egal ob er an einer Gemeinschaftsschule oder an einer erweiterten Hauptschule unterrichtet wird“, sagte die KMK-Präsidentin. Über die Länder hinweg sieht sie einen Konsens, „neue pädagogische Konzepte“ zu verfolgen.

In der Berufsausbildung strebt Kramp- Karrenbauer an, der Zersplitterung von Ausbildungsgängen entgegenzuwirken. Von 350 Lehrberufen seien 200 „Splitterberufe“, die bundesweit von weniger als 100 Auszubildenden gelernt würden. Die Berufsschulen seien dem nicht gewachsen, Azubis müssten oft weit fahren oder in anderen Bundesländern lernen. Für Bereiche wie etwa die Nahrungsmittelherstellung sei es dagegen denkbar, eine einheitliche Grundausbildung und einzelne Spezialisierungsmodule anzubieten.

Die Wissenschaftsminister werden 2008 auch über die Fortsetzung der Exzellenzinitiative für die Universitäten diskutieren. Widerstände könnten überwunden werden, wenn es „in Zukunft ein atmendes System gibt, in dem manche neu einsteigen und manche auch absteigen könnten“, sagte Kramp-Karrenbauer. Außerdem müsse das Problem der „Exzellenzwüsten“ gelöst werden – möglicherweise mit „anderen Programmen, die wissenschaftliche Infrastrukturen sicherstellen“.

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