Schule : Arme Kinder müssen zu Hause bleiben: Für Ferienreisen gibt es weniger Fördergeld

Rita Nikolow

Die Koffer packen und in den Ferien einfach mal wegfahren aus Berlin – für Kinder aus armen Familien wird das von Jahr zu Jahr schwieriger: Denn die Fördermittel für bezuschusste Reisen schrumpfen immer mehr zusammen. Dabei lebt nach Angaben des Deutschen Kinderschutzbundes jedes dritte Berliner Kind unterhalb der Armutsgrenze. „Die Gelder haben sich im Laufe der Jahre verringert“, sagt Manfred Scheiba, Geschäftsführer der Internationalen Berliner Kinder- und Jugendhilfe (IBKJ).

Der Verein organisiert für Kinder zwischen fünf und sechzehn Jahren Aufenthalte bei Gasteltern in Holland und der Schweiz. Gefördert wird das Programm mit Mitteln des Berliner Senats. Seit drei Jahren schickt die IBKJ im Sommer rund 1000 Kinder auf Reisen, die Oster- und Winterfahrten bringen noch einmal 500 Kinder raus aus ihrem Alltag. Mitte der neunziger Jahre konnten dagegen allein im Sommer fast 500 Kinder mehr an dem Projekt teilnehmen. Heute versuchen die Mitarbeiter, die Kosten zu senken, wo immer es möglich ist, um mehr Kinder auf die Reise schicken zu können.

„Seit zwei Jahren organisieren wir Busse für die Hollandreisen, die Bahnfahrten wurden uns zu teuer“, sagt Scheiba. Außerdem habe sich auch die wirtschaftliche Situation vieler Gasteltern in Holland und der Schweiz verschlechtert, die die Kinder unentgeltlich aufnähmen, verpflegten und auch den Eintritt fürs Kino oder Schwimmbad bezahlten. „Viele können sich das jetzt nicht mehr leisten und bieten deshalb keine Plätze mehr an“, sagt Scheiba. Berliner Eltern, die ihrem Kind eine solche Reise ermöglichen wollen, müssen sich mit ihrem Bezirksamt in Verbindung setzen, das dann Kontakt zum Verein herstellt – die Plätze für die Sommerferien sind allerdings längst ausgebucht.

Einige Berliner Bezirke organisieren darüber hinaus auch eigene, bezuschusste Reisen, können aber ebenfalls weniger Kinder mitnehmen als früher. Der Bezirk Mitte schickt im Sommer 262 Kinder und Jugendliche nach Brandenburg, Polen und Schweden. „Im letzten Jahr waren es noch 500 Teilnehmer“, sagt Heinz Nopper vom Jugendamt Mitte, „aber wir sind froh, dass wir zumindest diese Plätze aufrecht erhalten konnten.“ Treptow-Köpenick bietet zwar keine eigenen Reisen an. Eltern können beim Bezirksamt aber immerhin einen Reisezuschuss für ihr Kind beantragen. Voraussetzung ist, dass die ausgewählte Fahrt von einem freien Träger der Jugendhilfe angeboten wird. Genauere Auskünfte dazu gibt es unter den Telefonnummern 90297-5285 und 90297-5288. Rita Nikolow

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben