Schule : Auch BMW spielt künftig Golf

Der neue Einser ist ein sehr dynamischer Kompakter mit klassischem Heckantrieb

Ingo von Dahlern

Kein BMW unterhalb des Dreiers – diese lange vertretene Regel gilt nicht mehr. Das erste Mal unterlaufen wurde sie mit dem Mini - der allerdings unter einem eigenen Markenzeichen auftritt. Nun aber kommt erstmals ein Kompakter mit dem BMW-Markenzeichen auf den Markt – der neue Einser. Am 18. September und damit in einem knappen Vierteljahr geht der in Deutschland an den Start. Und er hat alles an Bord, mit dem man diese Klasse aufmischen kann: Eine überzeugende Linie, ein vernünftiges Raumangebot, tadellose Fahreigenschaften und eine Komfort- und Sicherheitsausstattung mit zahlreichen Innovationen.

Und er ist ein echter BMW. Das bedeutet vor allem, dass beim Einser die Hinterräder angetrieben werden. Somit betritt mit dem künftig kleinsten BMW eine interessante Alternative zu den diesen Markt beherrschenden Fronttrieblern die Szene. Mit einem Fahrwerk, das geradezu zu sportlicher Fahrweise einlädt, die BMW als Freude am Fahren bezeichnet. Erste Probekilometer bestätigten soeben, dass das kein leeres Versprechen ist. Ob Lenkpräzision, ob spontane Reaktionen auf Lenkrad- und Gaspedalbewegungen, ob Spurstabilität in allen Geschwindigkeitsbereichen, der neue Einser setzt Maßstäbe für diese Klasse, in der in Europa alljährlich 12 Millionen Fahrzeuge verkauft werden — mit steigender Tendenz und besonders hohen Zuwachsraten bei den so genannten Premium Autos. Und das ist genau das Marktsegment, auf das München mit dem neuen Einser zielt.

Der ist kein billiges Auto, denn die Preise beginnen bei 19800 Euro für das Einstiegsmodell 116i und klettern auf 23 600 Euro für den Top-Benziner und 24 400 Euro für den Top-Diesel. Und wer sich aus dem umfangreichen Katalog der Zusatzausstattungen bedient, der kann diese Basispreise beachtlich in die Höhe treiben. Andererseits kann man aber auch mit den Basisausstattungen sehr zufrieden sein. Denn ob umfangreiches Sicherheitspaket oder variabler Innenraum – all das muss man nicht extra ordern.

Mit vier Motoren geht der neuen Einser an den Start. Zwei sind Benziner, die anderen zwei Turbodiesel. Und noch in diesem Herbst wird mit dem 118i eine dritte Benziner-Version mit 95 kW (130 PS) das Benziner-Angebot ergänzen. Schon deren Basistriebwerk, der 1,6-l-Vierzylinder mit 85 kW (115 PS) mit der stufenlosen Nockenwellenverstellung Doppel-Vanos macht den kleinsten BMW überraschend flott. Denn für den Spurt auf Tempo 100 reichen dem 10,8 Sekunden und die Tachonadel klettert auf bis zu 200 km/h. Der Durchschnittsverbrauch liegt bei 7,5 l/100 k Ausgeprägt sportlich gibt sich der stärkste Benziner, der neben Doppel-Vanos auch über die Ventilverstellung Valvetronic verfügt110 kW (150 PS) liefert. 8,7 Sekunden für den Standardspurt und 217 km/h Höchstgeschwindigkeit und ein Durchschnittsverbrauch von 7,4 l/100 km zeichnen dieses Triebwerk aus, das den Einser betont sportlich macht.

Doch auch, wer sich statt für einen Benziner für einen modernen Turbodiesel entscheidet, muss keinesfalls auf Fahrfreude verzichten. Denn beide Selbstzünder mit jeweils 2,0 Liter Hubraum sind recht flott und dazu auch noch sehr kultiviert. Schließlich hat man sie mit Ausgleichswellen ausgestattet und außerdem mit dem modernsten Common Rail sowie einem Turbolader mit variabler Turbinengeometrie und Ladeluftkühler. Und beide erfüllen – auch ohne Partikelfilter – die Abgasnorm EU4.

90 kW (122 PS) leistet die schwächere Variante, die 14,6 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 braucht und 201 km/h erreicht und 5,6 l/100 km verbraucht. Und der stärkeren Variante mit 120 kW (163 PS), die bis zu 220 km/h erreicht, reichen nur 11,2 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100. Bei den ersten Probekilometern aufgefallen ist, wie die Diesel dank ihres hohen Drehmoments den Einser sehr kraftvoll beschleunigen und über ein breites Drehzahlband hohe Anzugskraft bieten. Sie sind den Benzinern durchaus ebenbürtig und auch mit den Selbstzündern kann man den Einser sportlich bewegen.

Das Fahrwerk, das eine derart flotteGgangart möglich macht, besteht aus einer weitgehend aus Aluminium gefertigten Doppelgelenk-Federbein-Zugstrebenachse vorn und einer neu entwickelten Fünflenker-Hinterachse. Und selbstverständlich sind alle modernen elektronischen Assistenzsysteme an Bord - von ABS bis zur Fahrdynamikregelung DSC. Ganz neu in der Klasse des Einsers sind so genannte Runflat-Tyres – Reifen also mit Notlaufeigenschaften. Selbst bei plötzlichem Druckverlust kann man mit Ihnen noch bis zu 150 km mit bis zu Tempo 80 fahren. Und damit es möglichst nicht zu Reifenplatzern kommt, haben alle Einser eine Reifenpannenanzeige, die früh vor gefährlichem Luftverlust warnt. Als erster seiner Klasse verfügt er schließlich über zweistufige Bremsleuchten, die dem Nachfolgeverkehr anzeigen, wie kräftig der Einser-Fahrer auf die Bremse tritt.

Hochwertig zeigt sich der Innenraum des Einsers. Das gilt für die hier verwendeten Materialien ebenso wie für die Farbwahl, die Farbkombinationen und die Verarbeitung sowie das Design des Interieurs. Großen Aufwand getrieben hat man schließlich für die Sitze, die einen besonders guten Seitenhalt bieten und vielfältig verstellbar sind. In Verbindung mit dem in zwei ebenen verstellbaren Lenkrad findet man schnell eine bequeme und sichere Position hintern Steuer des Einsers, so dass man dieses Auto auch bei zügiger Fahrt immer fest im Griff behält.

Bis zu fünf Personen haben im neuen Einser Platz. Machen es sich Fahrer und Beifahrer allerdings sehr bequem, dann bleibt es im Fond trotz aller Bemühungen auch den letzten Millimeter für Kopf und Ellenbogenfreiheit zu bieten, vergleichsweise eng. Denn dieses Auto ist kein Raumwunder. Mit der direkten Konkurrenz allerdings hält es problemlos mit, bietet einen Gepäckraum, der je nach Rückbank-Position zwischen 330 und 1150 l Transportraum bietet. Damit lassen sich manche nicht gerade alltäglichen Transportaufgaben bewältigen.

Und je nachdem, wie viel Geld man für Sonderaustattungen ausgibt, bekommt man für den Einser eine Fülle von Techniken, die meist den gehobenen Fahrzeugklassen vorbehalten sind. Dazu gehört zum Beispiel das Bedienkonzept i-Drive, das automatisch verfügbar ist, wenn man sich für ein Navigationssystem entscheidet. Die gehören ebenso zu den aufpreispflichtigen Extras wie Klimaanlagen, aufwändige Audio-Systeme, eine Lederausstattung oder verschiedene Leichtmetallräder. Serienausstattung für alle Einser ist dagegen der Startknopf.

FAZIT

Ein sehr dynamisches und agiles Auto in der Kompaktklasse, das mit seinem Hinterradantrieb eine Alternative zu den hier normalerweise angebotenen Fronttrieblern ist und das vor allem auch durch seine hochwertige und innovative Premium-Ausstattung überzeugt.

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