Schule : Audi ganz vorn im Zwölfzylinder-Club

Luxus und Leichtigkeit / Der Audi A8 L 6.0 Quattro ist die sportlichste Luxuslimousine

Ingo von Dahlern

Der Weg in die automobile Oberklasse ist beschwerlich – auch dann, wenn man in den Klassen darunter etabliert und anerkannt ist. Wie beschwerlich, das erlebt derzeit Volkswagen, wo man mit dem Phaeton mit einem sehr gelungenen Auto zwar einen ersten kühnen Schritt nach oben machte, aber noch viele wird tun müssen, um dort auch anzukommen. Doch für Audi, wo man bereits 1979 mit dem Audi 200 die ersten tastenden Schritte an die Spitze wagte, 1988 mit dem Audi V8 mit 184 kW (250 PS) leistenden 3,6-l-V8 mit Vierventiltechnik und permanentem Allradantrieb diesen Weg konsequent fortsetzte und 1994 mit dem A8 mit seiner wegweisenden Aluminiumkarosserie den Anspruch auf die Teilnahme in der Oberliga untermauerte, hat sich der Einsatz inzwischen gelohnt. Wenn Mitte April der Audi A8 6.0 Quattro und dessen Langversion A8 L 6.0 Quattro an den Start gehen, darf man in Ingolstadt schon mal die Korken knallen lassen. Denn Audi ist mit diesen exklusiven Zwölfzylindern endlich ganz oben angekommen.

Der kompakteste Zwölfzylinder

Und das nicht etwa nur als eine weitere Marke, die es nun auch in den Zwölfzylinder-Club geschafft hat, sondern als Mitspieler, der es wagt, dort auch ganz neue Maßstäbe zu setzen. Zwar hat Mercedes-Benz mit seinen V-12-Biturbos die stärkeren Zwölfzylinder. Aber Audi hat mit seinem W-12, der sich als reiner Sauger präsentiert, zweifelsfrei das kompakteste Triebwerk in diesem Format. Und damit bleibt im Motorraum ausreichend Platz, auch noch die Technik für den Allradantrieb unterzubringen – und mit dieser Kombination, die es erlaubt, die Kräfte des Motors optimal auf die Straße zu bringen, steht Audi einsam an der Spitze. Nimmt man hinzu, dass die Zwölfzylinder-Allradler mit den vier Ringen auch die leichtesten Vertreter ihrer Zunft sind, dann überrascht es nicht, dass Audi seinen A8 mit dem W-12-Motor mit voller Berechtigung als die sportlichste Luxuslimousine bezeichnen darf, die derzeit angeboten wird. Denn der A8 L 6.0 Quattro bringt gerade einmal 1995 Kilogramm auf die Waage und als A8 6.0 Quattro sogar nur 1960 Kilogramm, so dass jedes Motor-PS lediglich 4,4 oder nur 4,35 Kilogramm beschleunigen muss – ein Wert, wie er sonst nur von Hochleistungs-Sportwagen erreicht wird. Und all das paart sich mit einer verblüffenden Handlichkeit nicht nur der normalen sondern auch der langen Version, was jeden Halter dieses Autos vor die schwierige Entscheidung stellt, wo er einsteigen soll – vorn, um das Lenkrad selbst in die Hand zu nehmen oder hinten, um sich komfortabel chauffieren zu lassen.

Diese Gelegenheit nutzten wir bei ersten Probekilometern mit dem langen A8-Zwölfzylinder, denn das Platzangebot im Fond dieses Autos, das mit 5,19 Meter genau 13 Zentimeter länger ist als die Normalversion und diese zusätzlichen Zentimeter komplett dem Raum zwischen B- und D-Säule zukommen lässt, 13 Zentimeter längere Türen eingeschlossen, ist bestechend. Und so saßen wir auf komfortablen Einzelsitzen so wie in der 1. Klasse, mit üppiger Beinfreiheit, stellten Sitzfläche und Rückenlehnenneigung so ein, dass wir lässig bequem sitzen konnten, aktivierten die Massage- und Belüftungsfunktion und nach dieser Erfrischung die 6,5-Zoll-Bildschirme des Rear Seat Entertainment in den Kopfstützen der Vordersitze, die den Fond in ein modernes Multimedia-Zentrum verwandeln können, das neben aktueller Information bei Bedarf auch kurzweilige Unterhaltung bieten kann. Dabei genossen wir das helle und mit größter Sorgfalt verarbeitete Leder der Sitze ebenso wie die hellen Alcantara-Verkleidungen von Säulen, Dach und Himmel und fühlten uns rundum wohl in diesem fahrbaren Luxusappartement. Wer muss, kann hier erfolgreich arbeiten, wer darf, kann aber auch entspannt und höchst komfortabel über Autobahnen und Landstraßen gleiten, die außen vorbeihuschende Landschaft genießen und hin und wieder dem Fahrzeuglenker einen Blick über die Schultern werfen.

Nach gut einer Stunde im Fond tauschten wir dann die Plätze, nahmen das griffige lederne Vierspeichen-Multifunktionslenkrad in die Hand und ließen den auch bei höheren Drehzahlen kaum hörbaren Zwölfzylinder zeigen, welches Potenzial in ihm steckt. Auf 331 kW (450 PS) haben die Audi-Ingenieure die Leistung des aus zwei VR6-Motoren mit einem Zylinderwinkel von 72 Grad zusammengesetzten Triebwerks gesteigert – das Drehmoment auf maximal 580 Nm angehoben. Und mehr als 95 Prozent davon sind zwischen 2300 und 5300/min verfügbar. Da genügt schon ein leiser Tritt aufs Gaspedal, den Wagen mit einer so verblüffenden Kraft und Souveränität zu beschleunigen, das man geradezu vergisst, dass man hier eine respektable Limousine in der Hand hat. Nach gerade einmal 5,1 Sekunden passiert die Tachonadel die 100-km/h-Marke, nach 17,4 Sekunden sind 200 km/h erreicht und schon nach knapp 30 Sekunden die Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h, bei der sanft abgeregelt wird. Doch man muss darauf achten, sich das hohe Tempo bewusst zu machen, mit dem man unterwegs ist, denn dieses Auto gleitet auch dann leise und komfortabel durch die Landschaft.

Faszinierend auch, wie das Sechsgang-Automatikgetriebe mit dem Motor zusammenarbeitet, die Gänge so sanft wechselt, dass man davon so gut wie nichts mitbekommt. Und bei zügiger Langstreckenfahrt kann man ruhig auf die Möglichkeit verzichten, die Gangwahl per Tiptronic zu beeinflussen. Die Steuerung der Automatik machts besser. Nur dann, wenn man auf kurvigen Landstraßen einmal bewusst sportlich fahren möchte, kann es Sinn machen, manuell in die Gangwahl einzugreifen.

Er ist ein Ausnahmeauto rundum, der lange A8 mit dem Zwölfzylinder – ein Meisterwerk der Ingenieurkunst, das einmal in der Hand zu haben das Herz ein wenig schneller schlagen lässt. Das allerdings hat auch seinen Preis. Denn während man für die Normalversion des Zwölfzylinders bereits 106 900 Euro bezahlen muss, kostet die Langversion 117 000 Euro. So wird er angesichts eines Zwölfzylindermarktes von rund 6000 Fahrzeugen weltweit pro Jahr ein sehr exklusives Auto bleiben.

Nur für kurze Zeit exklusiv bleiben wird allerdings das derzeit typische Gesicht des A8 6.0 Quattro mit dem erstmals verwirklichten sehr großen so genannten Singleframe-Grill. Denn der wird in ähnlicher Form schon bald auch in anderen Modellreihen aus Ingolstadt auftauchen – als neues Markenzeichen der Autos, bei denen „Vorsprung durch Technik“ nicht nur ein Marketingspruch, sondern ein Programm ist, an dessen Umsetzung konsequent gearbeitet wird – die 1. Liga für den langen Zwölfzylinder ist die aktuellste Bestätigung.

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