Schule : Auf den Punkt gebracht

Mit dem Grande Punto hat Fiat gute Chancen, in der Kompaktklasse einen Treffer zu landen

Ingo von Dahlern

„Fiat hat die Wende geschafft!“ Diese Einschätzung von Fiat-Präsident Luca di Montezemolo anlässlich der Präsentation des Fiat Grande Punto in Turin war der renommierten Tageszeitung „La Stampa“ am folgenden Tag sogar den Aufmacher wert. Denn Fiat ist für Italien nun einmal mehr als nur eine Automarke: Fiat ist ein Unternehmen, mit dessen Wohl und Wehe sich die ganze Nation identifiziert und von dem die Stadt Turin geradezu schicksalhaft abhängt – und während der Punto bisher nur in Melfi im Süden Italiens gebaut wurde, wird der Grande Punto künftig auch wieder im Turiner Werk Mirafiori vom Band laufen.

Der Grande Punto ist ein Auto, mit dem sich für Fiat große Hoffnungen verbinden. Und nach der ersten Bekanntschaft mit dem Nachfolger des immerhin in mehr als sechs Millionen Exemplaren gebauten bisherigen Punto gewinnt man den Eindruck, dass er die in ihn gesetzten Erwartungen durchaus erfüllen kann. Das gilt zum einen für das Äußere: Es wird durch eine markante Front mit tief heruntergezogenem Lufteinlass, eine dynamische Seitenlinie und ein sanft gerundetes Heck geprägt. Der Innenraum ist zweifarbig gehalten. Die Werkstoff- und Verarbeitungsqualität macht einen hochwertigen Eindruck. So erscheint das Auto ausgesprochen solide.

Das gilt aber auch für die Abmessungen des Kompaktwagens, der – 4,03 Meter lang, 1,68 Meter breit und 1,49 Meter hoch – in allen Dimensionen gewachsen ist. Der Radstand misst nun 2,31 Meter – und diese Dimensionen bringen einen spürbaren Zuwachs an Platz sowohl für die Passagiere als auch das Gepäck, dem ein 275 Liter großer variabler Laderaum zur Verfügung steht. Der Lenker des Grande Punto findet dank höhenverstellbarem Fahrersitz und des in zwei Ebenen verstellbaren und mit zwei praktischen Griffmulden versehenen Dreispeichen-Lenkrads schnell eine bequeme und sichere Sitzposition. Auch große Erwachsene können mit dem Platz im Fond zufrieden sein – allerdings verlangt das Einsteigen nach hinten beim Dreitürer viel Beweglichkeit.

Mit insgesamt sechs Motoren geht der Grande Punto an den Start, wobei der Schwerpunkt eindeutig bei den Dieseln liegt. Sie sind gleich vierfach vertreten. Allerdings werden die beiden Benziner, der 1,2-Liter mit 48 kW (65 PS) und der 1,4-Liter mit 57 kW (77 PS) im nächsten Frühjahr durch einen sehr modernen 1,4-Liter mit Vierventiltechnik ergänzt. Er ist mit einem Sechsgang-Getriebe kombiniert und leistet 70 kW (95 PS). Wer den Punto nicht als Renner betrachtet, kann aber auch mit den beiden schwächeren Benzinern flott unterwegs sein: Sie bewältigen den Spurt auf Tempo 100 binnen 14,5 und 13,2 Sekunden, sind 155 und 165 km/h schnell und verbrauchen durchschnittlich 6,1 l/100 km.

Wie heute bei vielen Herstellern, so sind auch beim Fiat Grande Punto die Diesel flotter als die meisten Benziner. Das gilt bereits für die stärkere Variante des mit 55 und 66 kW (75 und 90 PS) angebotenen 1,3-Liter-Multijet. Er erreicht in 11,5 Sekunden Tempo 100 und maximal 175 km/h. Richtig flott wird der Grande Punto mit dem 1,9-Liter-Multijet, der den kleinen Fiat mit 88 kW (120 PS) und in der Sportversion sogar 96 kW (130 PS) zu einem echten Renner macht.

Die drei größeren Diesel sind mit einem Sechsgang-Getriebe kombiniert. Für die beiden 1,4-Liter-Benziner sowie den stärkeren 1,3-Liter-Multijet gibt es vom Sommer des nächsten Jahres an auch eine Automatik. Alle Diesel erfüllen die Abgasnorm EU4. Bereits von Dezember an ist für die drei stärksten Diesel auch ein Partikelfilter verfügbar. Für den kleineren 1,3-Liter-Multijet wird das vom Sommer 2006 an angeboten.

Aufgefallen ist bei den ersten Probekilometern auch, wie handlich die elektrische Servolenkung den Punto macht. In der Stadt wird das Einparken zum Kinderspiel und dank seines sicheren Fahrwerks lässt er sich auch auf kurvigen Landstraßen souverän bewegen. Für aktive Fahrsicherheit sorgt ein modernes ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung sowie die Fahrdynamikregelung ESP mit Funktionen wie Antriebsschlupfregelung (ASR) oder einem Hill Holder, der dem Anfahren am Berg seinen Schrecken nimmt.

Noch steht nicht fest, zu welchem Preis der Grande Punto, der am 15. Oktober zu den Händlern kommt, angeboten wird. Sein Einstiegspreis soll bei 11 000 liegen. Das verschafft ihm gegenüber der deutschen Konkurrenz eine gute Ausgangsposition.

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