Schule : Auf Sportlichkeit getrimmt

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Dort, wo Volkswagen mit seinem neuen Oberklassemodell Phaeton hinstrebt, ist die Konzerntochter Audi seit langem etabliert. Denn für das seit 1994 als erstes Oberklasseauto mit einer Vollaluminiumkarosserie gebaute Top-Modell aus Ingolstdat entschieden sich immerhin mehr als 100 000 Käufer. Vom November an wird es für den luxuriösen Audi einen Nachfolger geben, der diese Zahlen sogar noch deutlich übertreffen soll – insbesondere auch in den USA, wo man seit Jahren auf kontinuierlich steigende Verkaufszahlen blicken kann.

Natürlich hat auch die neue Generation eine Karosserie aus dem silbrig glänzenden Leichtmetall, die sogar optimierrt wurde und gerade einmal 218 Kilogramm auf die Waage bringt. Trotz aller Optimierungen konnte die Steifigkeit dieser Karosserie noch einmal deutlich erhöht werden. Und wenn man aufs Leergewicht blickt, dann zeigt sich auch der große Unterschied zum Phaeton, dessen W12-Spitzenmodell immerhin 2420 Kilogramm wiegt – gegenüber gerade einmal 1780 Kilogramm, die der neue A8 mit dem größeren V8 auf die Wagge bringt. Da überrascht es auch nicht weiter, mit welcher Leihtigkeit der A8 sich bewegen lässt, sich als ein ausgewiesener Hochleistungssportler im Gewand einer Limousine präsentiert.

Apropos Gewand. Er ist zwar anders als beim Vorgänger – aber so richtig verändert hat sich die Optik des großen Ingolstädters eigentlich nicht. Wie bislang wird die Front von einem Doppelgrill bestimmt, auch wenn der jetzt ein wenig stärker betont ist. Und wie bislang, gibt es beiderseits des Grills große Breitbandscheinwerfer. Deutlicher fallen da schon die Änderungen am Heck auf, wo die hochgesetzten Rückleuchten nun mit Leuchtdioden-Technik ausgestattet sind. Und wenn man die Seitenlinie betrachtet, dann ist die mit der leicht gewölbten und coupéartig auslaufenden Dachlinie noch sehr viel dynamischer geworden als bislang. Was alles nichts daran ändert, dass dieses Auto einen vergleichsweise konservativen Auftritt hat.

Dabei stützt es sich auf Außenabmessungen, die sich nur wenig geändert haben. Denn mit einer Gesamtlänge von nun 5,05 Meter ist das neue Flaggschiff aus Bayern nur um wenige Millimeter gewachsen. Zugenommen hat allerdings der nun gut 2,94 Meter messende Radstand – um immerhin rund sechs Zentimeter. Ein Zuwachs, der vor allem dem Innenraum zugute kommt. Einem Innenrau übrigens, der sich ganz im Unterschied zur nur wenig veränderten Optik der Karosserie grundlegend gewandelt hat und nun sehr viel leichter und sportlich-elegant wirkt.

Dabei fällt auf, dass sich die Zahl der Schalter und Hebel drastisch vermindert hat. Ein Ergebnis der modernen Elektroonik, mit der nun auch dieses Spitzenauto bedient wird. Multi Media Interface (MMI) nennt sich dieses Konzept, bei dem ein in der Mittelkonsole platzierter Dreh-Druck-Knopf mit mehreren um ihn platzierten Steuerungstasten den Weg zu den Menüs weist mit denen Entertainment (Radio, CD und TV), Kommunikarion (Telefon), Information (Verkehrsinformation und Navigation) und die Bedienung der wichtigsten Fahrzeugsysteme möglich ist. Und wenn man sich dabei im Geäst der verschiedenen Menüs verheddert haben sollte, genügt ein Knopfdruck und man ist wieder auf den Startfeld.

Das ist nicht die einzige Elektronik, mit der der neue A8 überrascht. Denn statt des üblichen Schlüssels gibt es mit „Advanced Key„ nun einene elektronische Zugangs- und Fahrberechtigung. Und damit dann, wenn mehrere Personen ein Auto benutzen, nicht alle Details wie Sitze, Spiegel, Lenksäulenposition und Klima neu eingestellt werden müssen, sorgt „One Touch Memory“ dafür, dass bis zu vier Nutzer ihre persönlichen Einstellungen speichern und auf Berühren aktivieren können.

Unter der Motorhaube des neuen A8 werden zur Markteinführung im November erst einmal zwei V8-Aggregate verfügbar sein – der 3,7-Liter mit einer Leistung von 206 kW (280 PS) und er 4,2-Liter mit einer Leistung von 246 kW (335 PS). Beide Motoreen geben die Kraft über eine moderne adaptive Sechsgang-Automatik mit zusätzlicher Tiptronic-Funktion und Schaltwippen am Lenkrad und über den permanenten Allradantrieb wieder an alle vier Räder des neuen A8 weiter, der schon mit dem kleineren V8 respektable Fahrleistungen erzielt. Denn für den Spurt auf Tempo 100 reichen dem 3.7 Quattro gerade einmal 7,3 Sekunden, während die Höchstgeschwindigkeit elektronisch auf 250 km/h begrenzt ist. Mit 6,3 Sekunden in der Spurtdisziplin deutlich flotter ist der 4.2 Quattro, dessen Durchschnittsverbrauch bei 11,9 l/100 km liegt, während der 3,7-Liter mit 11,7 l/100 km ein wenig sparsamer ist. Als Spitzentriebwerk wird es im nächsten Jahr auch wieder den W12-Motor mit einer Leistung um 309 kW (420 PS) geben. Und Aggregat Nummer vier wird ein Achtzylinder-TDI mit einer Leistung von mehr als 184 kW (250 PS) aus einem Hubraum von vier Liter sein.

Technisch völlig neu ist die Federung des neuen A8. Denn hier setzt Audi, wie schon Volkswagen beim Phaeton, künftig auf eine Luftfederung. Und damit man es sowohl den Fahrern, die nach einer bequemen Sänfte verlangen als auch denen, die ein sportlich straff abgestimmtes Auto wünschen, recht machen kann, setzt man dabei auf eine stufenlos variierbare Dämpfung. Dabei lässt einem Audi die Wahl zwischen dem Automatik-Modus und drei vordefinierten Einstellungen, so dass man problemlos seine Wunschabstimmung verwirklichen kann. Und je nach Programm senkt sich das gesamte Fahrzeug bei schneller Autobahnfahrt um bis zu 20 Millimeter.

Komfort- und Sicherheitsausstattung des neuen A8, zu der auch neuartige aktive Kopfstützen vorn gehören, lassen keinen Wunsch offen. Und dabei gibt es neben dem elektronischen Abstandsregeltempomaten – Audi nennt das Adaptive Cruise Control – auch verschiedene andere innovative Systeme, wie zum Beispiel ein spezielles Abbiegelicht in den Frontscheinwerfern, mit dem sich zum Beispiel Kurven optimal ausleuchten lassen. Neu ist auch die elektrische Parkbremse und auf Wunsch bietet Audi eine Reifendruckkontrolle an. Bei rund 60 000 Euro beginnen die Preise für dieses Ingolstädter Spitzenmodell, von dem Audi im Laufe der Zeit auch wieder eine Langversion auflegen wird. Ingo von Dahlern

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