Aufsatzwettbewerb zum Mauerfall : Die Geschichtsdetektive

Die Schüler der Pettenkofer-Grundschule feiern ihren Sieg beim Mauerfall-Wettbewerb. Auch Bildungs-Staatssekretär Mark Rackles kam zum Gratulieren.

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So sehen Sieger aus. Die Gewinnerklasse der Pettenkofer-Schule.
So sehen Sieger aus. Die Gewinnerklasse der Pettenkofer-Schule.Foto: Beatrice Bender

In der frisch renovierten Aula der Pettenkofer-Grundschule in Friedrichshain herrscht rege Aufregung. In den ersten Stuhlreihen warten rund zwanzig Jungen und Mädchen einer jahrgangsübergreifenden Klasse. Alle hätten sie in den vergangenen Wochen mitgefiebert, erzählen die zehn- bis zwölfjährigen Schüler. Und dann diese Nachricht. Mit ihren Geschichten über den Mauerfall, für die sie ihre Eltern und Großeltern interviewt hatten, haben sie beim Tagesspiegel-Aufsatzwettbewerb den ersten Platz erreicht. „Mama, Papa, Oma, Opa – wo wart Ihr beim Mauerfall?“ lautete die Ausgangsfrage des Wettbewerbs, initiiert von der Senatsbildungsverwaltung und dem Tagesspiegel.

500 Euro für die Klassenkasse der Sieger

Zur Preisverleihung am vergangenen Freitag waren Staatssekretär Mark Rackles, stellvertretend für Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD), und Gerd Nowakowski, Chefredaktionsmitglied des Tagesspiegels, gekommen. Sie überreichten den beiden Klassensprechern Ronja Ramani und Finn Ole Quitta die Urkunde für den ersten Platz und ein Preisgeld von 500 Euro für die Klassenkasse. Der Staatssekretär lobte die Schüler für ihr „umfassendes Engagement“. „Ihr habt die Perspektiven gewechselt, verschiedene Stilmittel verwendet und außerdem historische Fotos eingebaut“, sagte er. Der Jury habe vor allem die Kombination aus ernsteren, manchmal auch traurigen, und spaßigen Geschichten gefallen. Anlässlich des Wettbewerbs hatte die Klasse außerdem die Mauerausstellung in den Potsdamer-Platz-Arkaden besucht und dies in ihrer Wettbewerbsmappe dokumentiert. „Ihr wart die Detektive, die für uns die Geschichten aufgespürt haben“, sagte Nowakowski.

Weitere Preise gingen an die Gustav-Heinemann-Sekundarschule in Marienfelde und an die Schule an den Püttbergen in Rahnsdorf.

Geschichten von Gefühlen, aber auch von Erdbeeren und Kiwis

Einige der Geschichten von anwesenden Schülern waren in den vergangenen Wochen in der Print- sowie der Onlineausgabe erzählt worden. Viele Leser haben der Redaktion geschrieben, wie sehr sie diese Geschichten begeistert und berührt hätten. Bei der Preisverleihung lasen die Schüler ihre Aufsätze noch einmal vor. Darunter auch Mia Stobbe. Sie hatte ihre Oma interviewt, deren Chef ihr am Tag nach dem Mauerfall eine Erdbeertorte aus dem Westen mitbrachte, kurz darauf verlor sie aber ihre Arbeitsstelle. Ihre Klassenkameradin Ronja erzählte von ihrer Mutter, die nach ihrem ersten Einkauf in einem West-Supermarkt in einen Kiwi biss und – „Bää wie haarig“ – feststellen musste, dass sie die Kiwi vorher besser geschält hätte.

In der Onlineausgabe des Tagesspiegels ist auch die Geschichte des zwölfjährigen Benjamin Schäfer nachzulesen. Sein Vater hatte in der Nacht zum 10. November als Taxifahrer Ostberliner zwischen Kudamm und Bornholmer Brücke hin und her chauffiert – ohne dafür Fahrgeld zu kassieren. „Die Ostdeutschen hatten ja kein Wechselgeld“, erinnert sich Benjamins Vater.


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