Schule : Ausgereifter Alltagsbegleiter

Suzukis Bandit 650 ist ein ideales Motorrad für Einsteiger – und ohne Drosselung haben auch Fortgeschrittene ihre Freude daran

Gideon Heimann

Als „Brot-und-Butter“-Mopeds waren früher solche Zweiräder verschrien, deren Anschaffung zwar geringe Kosten verursachte, dem Käufer aber schon bald darauf mangels Qualität Schweiß und Tränen bescherte. Inzwischen wurden Brot und Butter teurer, wie die Zweiräder auch, doch mit deren Qualität ging’s oft kräftig aufwärts. Suzukis 600er Bandit nahm seit zehn Jahren eine solche Stellung ein: Der Kaufpreis ist erschwinglich und die Leistung, die man dafür erhält, angemessen bis gut. Jetzt setzt der Hersteller noch eins drauf, die Vierzylinder wurde um knapp 60 auf 656 Kubik Hubraum vergrößert, zudem ist das Fahrzeug optional mit ABS erhältlich.

Gerade Einsteiger benötigen ein Bike, das sie nicht überfordert und leicht auf 34 PS gedrosselt werden kann. Ist die zweijährige Probezeit vorbei, darf es mehr Kraft sein – die Drossel wird entfernt. Bei der Bandit stehen dann 78 PS zur Verfügung, das reicht wieder für einige Jahre der fahrerischen Entwicklung.

Die Erweiterung auf 656 Kubik brachte jedoch keine größere Zahl von Pferden auf die Koppel, sondern wurde dazu genutzt, das Drehmoment zu erhöhen. Schließlich holen kleine Vierzylinder ihre Leistung aus der Drehzahl, hier werden die 78 PS erst bei 10100 Umdrehungen pro Minute erreicht. Demgegenüber wuchs das Drehmoment von 54 auf knapp 60 Newtonmeter, jetzt bei 7800/min. Man spürt das im Stadtverkehr, wer im sechsten Gang bei 2500/min 50 km/h fährt, kann sogar ohne herunterzuschalten beschleunigen. Bei 100 km/h im Sechsten liegen 5000/min an, die rote Marke kommt bei 12000/min.

Die Sitzposition lädt zum tourensportlichen Fahrverhalten ein, mit Betonung auf Touren. Die Sitzhöhe ist von 770 bis 790 Millimeter einstellbar, sie genügt also auch den Anforderungen von Menschen unterhalb von 1,80 Meter Länge. Ein Sozius muss nicht unbedingt sein, er lässt sich aber unterbringen. Das fahrfertige Leergewicht steht mit 229 Kilo in den Papieren, das Maximum beträgt 440 Kilo.

Wir fuhren die unverkleidete Version der Bandit, hier sorgt lediglich ein Lätzchen über dem Scheinwerfer dafür, dass der Luftstrom gleichmäßig am Fahrer ankommt. Wer stets auch etwas Autobahn fahren will, sollte die Halbschalen-Version wählen. Immerhin beträgt die Höchstgeschwindigkeit 200 km/h, da möchte man doch etwas geschützter sitzen, sonst werden die Arme bald arg lang.

Ein Motorrad für Touren – andererseits lässt sich leicht ermessen, dass die Suzuki auch gern beim Kurvenräubern mitmacht: Dank eines Radstandes von 1470 Millimetern und der Reifendimensionierung 160/60 ZR 17 hinten und 120/70 ZR 17 vorn kann man das auch erwarten.

Der Rahmen besteht aus guten Standardteilen, eine Stahlrohr-Doppelschleife wurde mit einer stählernen Kastenschwinge gepaart, die Gabel ist in der Federvorspannung einstellbar, das Zentralfederbein hinten zusätzlich in der Dämpfer-Zugstufe. Auf Unebenheiten der Fahrbahn reagierte sie eher straff, wobei die gut gepolsterte Sitzbank dankenswerterweise den Komfort etwas erhöhte.

Gebremst wird mit zwei Zweikolben-Schwimmsattelzangen vorn und einer Einkolben-Schwimmsattelzange hinten. Die Verzögerung war sehr gut, bis in den Regelbereich des ABS kamen wir freilich nie hinein – das macht man nicht ohne dringenden Anlass.

Die Instrumente sind übersichtlich und ausführlich, im digitalen Tacho befinden sich unter der großen Geschwindigkeitsanzeige noch eine Tank- sowie eine Zeitanzeige. Da bleiben keine Wünsche offen. Die Armaturen sind guter Standard, der Bremshebel ist auf die Fingerlänge einstellbar. Die Spiegel können getrost als Beispiel für so manches andere Bike hervorgehoben werden. Einen Hauptständer sowie Gepäckhaken für Spannbänder gibt’s vom Werk aus, wer mehr braucht, muss zum Zubehör greifen. Der Tank fasst 20 Liter Super, das reicht bei einem Verbrauch von knapp fünf Litern auf 100 Kilometer für ordentliche Reichweiten. Gefüttert wird der Motor per Vergaserbatterie, für die Sauberkeit sorgt immerhin ein ungeregelter Katalysator.

Brot, Butter und durchaus ein Klecks Marmelade obendrauf, also. Ein solches Gesamtkunstwerk kostet keine 10000 Euro, sondern in der Grundversion nur 6000. Mit Verkleidung und ABS werden knapp 7000 Zahlungseinheiten erreicht (ABS: 500 Euro). Und dafür erhält man einen ausgereiften Alltagsbegleiter mit gutmütigem Charakter. Das Drosseln des Motors für Einsteiger ist ebenfalls erschwinglich, es kostet nach Angaben von Gerlind Kast (Motorradshop Persiusstraße in Friedrichshain) um die 200 Euro.

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