Ausgezeichnetes Integrationsprojekt : Schüler kochen mit Flüchtlingen und gewinnen

Mit dem Projekt "STF-Kocht!" hat der Verein "Schüler Treffen Flüchtlinge" den Preis des Jugendintegrationswettbewerbs der Bertelsmann-Stiftung gewonnen.

Yasmin Polat
Die Macher und Mitglieder von "Schüler Treffen Flüchtlinge e.V." und Daniel Aminati.
Die Macher und Mitglieder von "Schüler Treffen Flüchtlinge e.V." und Daniel Aminati.Foto: promo

In einer beschaulichen, kleinen Siedlung mitten in Niederschönhausen werden regelmäßig große Themen besprochen. Hier, im Esszimmer des Wohnhauses von Abiturient Joshua Kriesmann, findet das wöchentliche Treffen des Vereins „Schüler Treffen Flüchtlinge e.V.“ (STF) statt. Der 18-Jährige ist Vorstandsvorsitzender des Schülervereins, der sich mit seinen Projekten auf die Verständigung mit Geflüchteten und ihre Förderung konzentriert. Seine vier Vereinskollegen Raven Schulz, Paula Fredrich, Dorothea Bähr und Helen Schmitz – zumeist Schüler des Europäischen Gymnasium Berta-von-Suttner in Reinickendorf – sitzen um den Esstisch herum. Sie bilden das Kernteam.

167 Projekte bewarben sich

„Wir konnten etwas tun“, sagt Paula, „nein, wir mussten etwas tun“, korrigiert Joshua seine Mitschülerin, die zustimmend nickt. Und das haben sie: Seit November letzten Jahres gibt es den Verein, bereits mehrere Projekte haben die Jugendlichen auf die Beine gestellt, darunter zwei große Spendenaktionen an Schulen zugunsten von Flüchtlingsunterkünften, ebenso die Vermittlung von Schülern in Willkommensklassen. Und das Kochprojekt „STF-Kocht!“, bei dem die Jugendlichen Kochabende mit Geflüchteten veranstalten. Mit diesem Kochprojekt haben sie nun den Preis des Jugendintegrationswettbewerbs „Alle Kids sind VIPs“ der Bertelsmann-Stiftung gewonnen. 167 Projekte bewarben sich, die Siegerehrung fand am vergangenen Dienstag statt. Unter den sechs Gewinnern auch die Berliner von „Schüler Treffen Flüchtlinge e.V.“

"Wir wollten irgendetwas tun"

Alles begann vor einem Jahr, als Kriesmann und Schulz den Drang verspürten, etwas zu tun: „Joshua und ich wollten irgendetwas eigenes machen“, sagt Schulz. „Wir wollten uns engagieren. Dann haben wir unsere Ideen aufgeschrieben und Joshua hatte schließlich die Idee, einen Verein für Flüchtlingshilfe zu gründen.“ Schnell kamen Fredrich und die anderen Mitglieder des Kernteams dazu. Mittlerweile gehört der Verein fest zu ihrem Leben.
Die Schüler und Abiturienten verbindet nicht nur Freundschaft sondern auch die gemeinsame Mission im Schülerverein: „Mittlerweile sehen wir es als selbstverständlich an, dass wir das machen. Der Verein ist nicht mehr wegzudenken“, sagt Schulz.

Weitere Projekte sind bereits in Planung

Die Teilnahmebereitschaft unter seinen Mitschülern sei groß, viele hätten schon lange tätig werden wollen, nur das passende Projekt habe gefehlt, sagt Raven Schulz vom Max-Delbrück-Gymnasium in Pankow. Dass sie nun mit einem ihrer Projekte den Jugendintegrationswettbewerb der Bertelsmann-Stiftung gewonnen haben, ist für alle ein Beweis dafür, wie sehr der Verein gebraucht wurde: „Das zeigt, wie wichtig es war, dass wir angefangen haben“, sagt Schulz. „Und wir werden auf jeden Fall weitermachen.“ Weitere Projekte wie ein Fußballspiel mit Schülern und Geflüchteten sind bereits in Planung. Für die Zukunft wünschen sich die Mitglieder von „Schüler treffen Flüchtlinge e.V.“ mehr Vereinsmitglieder und Partnerschulen: "Unser größter Wunsch ist es, dass sich die Projekte verbreiten und verselbstständigen, sodass jeder seinen Beitrag leisten kann - und wir dazu Anstöße und Möglichkeiten bieten können", sagt Bähr. Warum der Verein besonders für junge Menschen wichtig ist, sei klar: "Wenn man früh lernt, dass kulturelle Unterschiede kaum einen Einfluss auf die Beziehungen mit Personen haben, ist das eine ganz wichtige Lektion, die wir auch durch unsere Projekte vermitteln wollen", sagt Kriesmann.

"Es ist so einfach und doch machen es so wenige"

Der Kontakt mit Geflüchteten, zum Beispiel bei dem Kochabend, hat auch neue Freundschaften hervorgebracht: "Es war eine schöne Gemeinschaft. Ich hatte das Gefühl, mit Freunden zu kochen", sagt Bähr. Darum scheint es auch dem Großteil der geflüchteten Jugendlichen zu gehen, wie die Mailingliste des Vereins zeigt. In die Liste konnten sich Geflüchtete eintragen, um über Projekte des Vereins informiert zu werden. Unter der Spalte "Interessen" steht vermehrt als Wunsch: "Talk to people, meet new people, learn German". "Es ist so einfach und doch machen es so wenige", sagt Fredrich. "Deswegen machen wir es jetzt."

Der nächste „STF-Kocht!“-Abend mit Geflüchteten ist in diesem Juni geplant, als Preis des Wettbewerbs wird der Fernsehmoderator Daniel Aminati das Kochprojekt besuchen.

Weitere Informationen zu dem Verein gibt es unter: https://stfberlin.wordpress.com/unsere-vision/

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